Schleswig : Engelsgesang im Domgewölbe

Viel verdienter Beifall: Strahlende Solistin und Barockorchester Hamburg auf musikalischen Höhenflügen im Schleswiger Dom.

Avatar_shz von
08. August 2011, 12:09 Uhr

Schleswig | Auch wenn seit geraumer Zeit Heerscharen junger, bestens ausgebildeter Sänger die historisch ausgerichtete Musiklandschaft vorklassischer Zeiten bevölkern, wirklich große Gesangsstars auf diesem Spezialgebiet bleiben rar und kostbar wie eh und je.
Im nahezu ausverkauften Schleswiger Dom erlebte man unter dem Konzert-Titel "Il giardino di rose" mit der jungen spanischen Sopranistin Nuria Rial einen strahlenden Solitär am Himmel des musikalischen Barocks. Assistiert vom quicklebendigen "Elbipolis Barockorchester Hamburg" unternahm die ausdrucksstarke Künstlerin mit ihrer nicht allzu großen, aber nuancenreichen Samtstimme einen exemplarischen Spaziergang durch die nationale Vielfalt europäischen Ziergesangs. Ob beim frankophil-beeinflußten Telemann oder dem virtuosen Venezianer Vivaldi, ob geistliche Motette oder martialische Antikenoper: Rial singt Lyrisches wie virtuos-Dramatisches mit exquisit schwebender, reizvoll timbrierter Stimme, verfügt dabei über ein perfekt gerundetes Legato und eine federnde Koloraturtechnik, die stets den Charme luxurierender Noblesse atmet.
Gestützt auf das stilsichere, ausbalancierte Klangbild der vorzüglich aufgelegten "Elbipolis"-Instrumentalisten (Jürgen Groß als umsichtiger "primus inter pares"), evozierte die sympathische Katalanin Momente vokaler Glückseligkeit mit ihrer instrumental-reinen und gerundeten Gesanglinie, einer eloquenten Diktion, lyrischer Opulenz und bewundernswert differenzierter Artikulation. Telemanns "Komm, o Schlaf" als beifallumtoste Zugabe: Engelsgesang im altehrwürdigen Domgewölbe!
(shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen