Göteborg : Emil Nolde auf den Schären-Inseln

Ausgestellt: Noldes 'Hohe Sturzwelle' (1948).
Ausgestellt: Noldes "Hohe Sturzwelle" (1948).

Eine Ausstellung im Nordischen Aquarellmuseum in der Nähe Göteborgs zeigt Arbeiten des norddeutschen Expressionisten.

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02. August 2011, 11:46 Uhr

seebüll/Göteborg | In diesem Sommer ist die Nolde-Stiftung auf Reisen gegangen - nach Schweden, in die Schären-Inseln vor Göteborg. Auf einer dieser Inseln, Tjörn, steht im Städtchen Skärhamn seit 2000 das Nordische Aquarellmuseum. Und diesem Luft- und Himmelshaus am Kattegatt haben die Noldestiftung und ihr Chef Manfred Reuther noch bis Mitte September eine Nolde-Ausstellung anvertraut, die 80 reife und späte, nach 1920 entstandene Aquarelle umfasst.
In dieser Gegend sind die Bilder des großen Farbenvisionärs aus Nordfriesland ebenso zu Hause wie in Seebüll. Denn Licht und Himmel, Wasser und Felsen binden das Museum und seine Ausstellungsflächen ein. Es ist, als könnte man die Noldesche Farbenpracht, die ihresgleichen auf der Welt sucht, dort im Freien betrachten. Die Ausstellung dokumentiert alle Motivkreise Noldes - Wasser, Himmel, Land, Pflanzen, Blumen, Mensch und Mythos. Der Weg Noldes als Künstler ist in einer klugen, unaufdringlichen Multimediashow zu Beginn des Ausstellungsrundgangs aufgearbeitet - in schwedischer Sprache mit englischen Untertiteln.
"Ungemalte Bildern"
Diese Dokumentation meistert auch das komplizierte Thema der Mitgliedschaft Noldes in der Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig, der sich der Künstler 1934 anschloss und die 1935 in der dänischen nationalsozialistischen Partei aufging. Nolde hat seine Mitgliedschaft nie aufgegeben - auch wenn er in der Münchner Ausstellung über "entartete Kunst" 1937 der am meisten repräsentierte Künstler war und das Malverbot 1941 zu den beeindruckenden "Ungemalten Bildern" führte. Der national tief bewusste Künstler hatte nie verstanden, dass die Nazis eine andere Vorstellung davon hatten, was deutsch sei.
Zur Ausstellung ist ein schöner Katalog erschienen, den das Nordische Aquarellmuseum zusammen mit der Noldestiftung herausgegeben hat. Auch wenn das Angebot an Noldekatalogen und Bildbänden nicht klein ist - Gestaltung, Layout, Drucktechnik und die Texte überzeugen.
Gemeinschaftsprojekt der nordischen Länder
Nordiska Akvarellmuseet, wie es auf schwedisch heißt, ist ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt der nordischen Länder. Die jetzige Chefin, die Isländerin Bera Nordal, hat in den letzten Jahren mit spektakulären Sommerausstellungen das Haus berühmt gemacht. Der Grundauftrag des Museums - und nur diesem sollen die Steuermittel dienen, die das Haus erhält - ist die Bewahrung und Vermittlung der Maltradition, welche die nordischen Länder in der Kunstgeschichte Europas herausragend positioniert hat: Plein Air Malerei und Aquarelltechnik. Daher sammelt das Museum zeitgenössische nordische Aquarellmalerei und unterhält eine umfangreiche museumspädagogische Abteilung - keine Kultureinrichtung in den skandinavischen Ländern, die nicht einem klaren Bildungsauftrag folgen würde und auch dafür genau definiertes öffentliches Geld erhält.
Von Schleswig-Holstein aus ist Skärhamn ganz leicht zu erreichen - ein Minitrip mit der Stena Line Fähre abends um 19.30 Uhr ab Kiel reicht völlig aus: Ankunft ist am Tag drauf um 9 Uhr in Göteborg, eine knappe Stunde dauert die Fahrt mit Väst trafiken (dem Bus- und Eisenbahnnetz Westschwedens) nach Skärhamn. Anschließend ist sogar noch Zeit für einen Stadtbummel in Göteborg, bevor man spätestens um 19 Uhr wieder auf das Schiff nach Kiel geht.
(shz)

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