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Kommentar : Elbphilharmonie: Viele sind schuld, keiner haftet

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Der Abschlussbericht zur Elbphilharmonie listet die ganze Bandbreite des politischen Versagens auf. Ein Kommentar von Martin Schulte.

Nun also ist es offiziell. Schuld am Baudesaster Elbphilharmonie sind viele: Architekten, Bauunternehmer, Projektkoordinatoren und – nicht zuletzt – der Senat und Ex-Bürgermeister Ole von Beust.

Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses zum Multi-Millionen-Grab nennt Vokabeln, die das Ausmaß des politischen Versagens umreißen. Von Täuschung, Manipulation, Unfähigkeit und Selbstherrlichkeit ist da die Rede und die naheliegende Frage, die daraus folgt, lautet: Wer wird eigentlich für dieses Millionengrab im Hafen zur Verantwortung gezogen? Die Antwort ist für die Hamburger Bürger genauso unbefriedigend wie der tägliche Blick auf die unfertige Elbphilharmonie. In dem Vertragsgestrüpp zwischen städtischer Realisierungsgesellschaft und dem Bauunternehmer Hochtief finden sich offensichtlich so viele juristische Fallstricke und Sackgassen, dass die Haftungsfrage am Ende offen bleiben wird.

Hamburg wird mit diesem Makel wie mit dem Fanal des Größenwahns im Hafen leben müssen. Es bleibt zu hoffen, dass der Senat künftig bei Großprojekten, deren vertragliche und bauliche Komplexität nur schwer zu überschauen ist, rechtzeitig die Grenzen der eigenen Fähigkeiten erkennt. Der Blick nach Berlin oder Stuttgart macht diesbezüglich allerdings wenig Hoffnung.

Der Bau der Elbphilharmonie hat der Stadt Hamburg einen enormen Imageschaden beschert. Dabei war die Idee des neuen Konzerthauses lange von einer positiven Euphorie getragen worden. Mehrere private Großspender gaben sehr viel Geld, die Vision eines architektonisch reizvollen Konzerthauses am Wasser bescherte der Hansestadt weltweite Aufmerksamkeit.

Die Aufmerksamkeit ist geblieben, nur die Tonlage hat sich verändert. Melodien für Millionen – dieser Slogan hat in Hamburg einen ganz neuen Klang entwickelt.

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erstellt am 08.Jan.2014 | 07:20 Uhr

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