zur Navigation springen

Museum Hamburg : Eine Welt im Nadelöhr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe präsentiert Mikroskulpturen von Willard Wigan.

Es ist wohl die erste Ausstellung in Hamburg, für die Besucher ein Mikroskop brauchen: Im Museum für Kunst und Gewerbe am Hauptbahnhof sind bis zum 16. März 2014 20 Objekte des britischen Mikro-Bildhauers Willard Wigan zu bestaunen. Zur Eröffnung von „Kleine Welten“ in Anwesenheit des Künstlers standen nicht wenigen Besuchern die Münder offen beim Blick in dessen verblüffende Winzig-Welt. Eine buchstäblich atemberaubende Kunstform, hat der 56-jährige Bildhauer aus Birmingham durchaus schon mal seine eigenen Kreationen inhaliert, so staubfein sind sie.

Die Wolkenkratzer, Bäume, Figuren und Märchenszenen messen teils nur fünf Tausendstel Millimeter. Wigan, 2007 von der Queen mit dem britischen Verdienstorden dekoriert, ist ein Nadelöhr-Artist ohne Beispiel. Seine Objekte platziert er in die Fadenöffnung ordinärer Nähnadeln oder auf Nagelköpfe. So Usain Bolt, den jamaikanischen Supersprinter, in bekannter Siegerpose. Oder eine ganze Hochhaus-Skyline, oder aber Rotkäppchen am Bett der Wolfs-Großmutter. Allesamt unfassbar kleine, chirurgisch gefertigte Skulpturen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Das Hamburger Museum präsentiert die Nano-Nadelkunst ausschließlich unter Mikroskopen.

Die Idee zu dieser Kunstform sei ihm bei einem Bibelspruch gekommen, berichtet der Brite. Wusste Jesus, dass kein Kamel durch ein Nadelöhr geht, ist es bei Wigan eine ganze Karawane von neun Tieren – hergestellt aus Teppichfasern.

Sein Spezialwerkzeug baut er selbst – aus Nadeln mit Rubin- und Diamantsplittern. Als Pinsel benutzt der Filigran-Meister die Wimpern vom äußeren Ende seines Augenlides. Materialien für die Figuren und Szenerien sind unter anderem Gold sowie Reste von Nylonetiketten und Kabelbindern. Zu den Sammlern der Kleinstkunst zählen Prinz Charles, Elton John und Ex-Boxweltmeister Mike Tyson. „Meine Arbeit ist eine Reflexion meiner selbst“, erklärt der Bildhauer die Besessenheit für die Nano-Miniaturen. „Ich möchte der Welt zeigen, dass die kleinen Sachen die größten Dinge sein können. Ironie
der denkbar extremen Verkleinerung: Die Preise für die winzigen Kunstwerke sind längst in astronomische Dimensionen gewachsen.

Ausstellung: „Kleine Welten. Mikroskulpturen von Willard Wigan“. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz. Bis 16. März 2014. Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr, www.mkg-hamburg.de
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen