Eutiner Festspiele : Eine spitze Satire mit scharfem Unterton

Mit ihrer Inszenierung  'Die Großherzogin von Gerolstein' bescherte  Saskia Kuhlmann  den Eutiner Festspielen einen gelungenen Start. Foto: Buhmann
Mit ihrer Inszenierung "Die Großherzogin von Gerolstein" bescherte Saskia Kuhlmann den Eutiner Festspielen einen gelungenen Start. Foto: Buhmann

Auftakt gelungen! Mit Jacques Offenbachs Operette "Die Großherzogin von Gerolstein" sind die Eutiner Festspiele in die 59. Spielzeit gestartet.

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13. Juli 2009, 11:59 Uhr

Eutin | Schöne Stimmen, eine spritzige Inszenierung und annehmbare Witterung trafen auf ein Publikum, das vor allem eines demonstrierte: Geldnot hin, Schietwetter her - die Eutiner Festspiele gehören zum Land wie Salzwasser und Rapsfelder.

Allen voran bekannte sich der Festspiel-Schirmherr, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, zur traditionsreichen Kultur auf dem grünen Hügel. "Wir möchten sie nicht missen, die Eutiner Festspiele müssen bleiben", sagte er. "Die Landesregierung steht auch in Zukunft zu Eutin." Dann ging es mit Theaterdonner und Lametta geschoss los in eine locker-leichte Geschichte, die allerdings nur beim ungenauen Hinsehen (und -hören) mit Dreigroschen-Trivialität aufwartet.
Satire gegen militärische Engstirnigkeit
Offenbachs "Großherzogin" ist eine ziemlich spitze Satire gegen militärische Engstirnigkeit und deutsche Kleinstaaterei. Saskia Kuhlmann gelingt es in ihrer Inszenierung nahezu perfekt, den Unterhaltungswert der Operette mit ihren scharfzüngigen Untertönen zu verquicken.

Wenn der tumbe General Bumm sich rittlings aufs Kanonenrohr postiert (und dort bis zum Abschuss eine ziemlich schwankende Stellung hält), dann reizt das die Lacher ebenso wie die laue Brautwerbung des vertrottelten Prinzen Paul (Stan Meus). Das ist bewährtes Humorverständnis, das sich nicht darin versteigt, die Komik neu erfinden zu wollen. Das Publikum ist durchweg amüsiert.
Der Festspielchor gehört zum Besten der Nacht
Es ist zugleich gefangen von den Stimmen, insbesondere von Stefanie Schaefer als Großherzogin und der wunderbaren Nadine Lehner als Wanda, die beide um den schönen Soldaten Fritz (Ladislav Elgr) buhlen, der wiederum als Günstling ihrer Majestät eine rasende Karriere vom Grenadier zum General durchläuft und sich reichlich Feinde macht. Urs-Michael Theus führt die Hamburger Symphoniker flott durch die zweieinhalb Stunden der drei Akte, arbeitet die Ironie schön heraus. Und einmal mehr gehört der gut aufgelegte Festspielchor (Leitung: Gabriele Pott) zum Besten der Nacht.

Gibt es ein Happy End? Wanda bekommt ihren Fritz, der zwar trotz militärischen Erfolgs unehrenhaft aus der Armee entlassen wird, dem aber das Zivilistenleben viel besser gefällt als die heiße Luft beim Militär. Großherzogin Julia entscheidet sich für Prinz Paul. "Wenn man nicht bekommt, was man liebt, muss man lieben, was man bekommt." Auf alle Fälle ist "Die Großherzogin von Gerolstein" ein fröhlicher Start für Eutin.

Nächste Aufführungen: 19., 21. und 24. Juli, jeweils um 20 Uhr auf der Opernbühne im Schlossgarten

www.eutiner-festspiele.de

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