zur Navigation springen

Ausstellung „playing future“ : Eine Drohne in der Kieler Kunsthalle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Überwachung, schwebende Fahrzeuge und Computer als Börsenhändler – die Ausstellung „playing future“ richtet den Blick auf kommende Zeiten.

von
erstellt am 27.Apr.2015 | 19:07 Uhr

Kiel | Mit großen Plakaten an der Fassade wirbt die Kieler Kunsthalle stets für die aktuelle Ausstellung. Dieses Mal handelt es sich dabei gleich um das erste Kunstwerk der neuen Ausstellung „playing future“. Der Künstler Pierre Delavie hat scheinbar eine Gebäudeecke des Ausstellungshauses aufgebrochen. Der Blick auf eine Stadt wird frei, durch deren Häuserschluchten futuristische Fahrzeuge schweben. Innerhalb des Gebäudes spielen zwölf weitere künstlerische Positionen mit dem Begriff der Zukunft.

Die Ausstellung, die gestern feierlich eröffnet wurde, lädt zum Staunen ein – zum Beispiel über Bauklötze. Die liegen in überdimensionaler Vergrößerung auf dem Museumsboden (leider nicht zum Anfassen), geschaffen von der französisch-marokkanischen Künstlerin Yto Barrada. Passend dazu sagt Natascha Driever, die die Ausstellung zusammen mit Veronika Deinzel und Dörte Zbikowski kuratiert hat, dass die Kunsthalle ein Spielfeld sei, auf dem frei und ungezwungen gedacht werden kann. In gewisser Weise geht es um Gedankenspiele über die Welt von morgen. Räume, in denen die Zukunft aufgebaut wird, gibt es nicht. „Die Welt von Morgen als Inszenierung wollen wir nicht zeigen“, sagt Kunsthallendirektorin Anette Hüsch. Es geht also vielmehr um Visionen. Aber auch darum, dass die Zukunft schon allgegenwärtig ist, mindestens in unseren Köpfen.

Während man anfängt, über die Zukunft nachzudenken, wird man beobachtet – von einer kleinen Kameradrohne, die fest an einer Wand montiert ist. Björn Schülkes Spider Drone #3 scheint auf Bewegungen zu reagieren und produziert ein Bild vom Besucher. Die Überwachung vermittelt gleichzeitig Schutz und Bedrohung. Tritt man aus dem Blickfeld der Drohne, sieht man Säulen, die eher archäologisch wirken als zukunftsweisend. Doch der Künstler Julian Charrière schaut weit voraus, dem Schweizer geht es bei seiner Arbeit um Lithium, den Rohstoff der Zukunft, der zum Beispiel in Akkus für Smartphones zu finden ist.

Im Nebenraum begegnet man einer anderen Technik: Ein Computerprogramm des Künstlerkollektivs rybn.org wickelt automatisch Aktiengeschäfte auf dem realen Börsenmarkt ab und kommentiert dies verbal und visuell gegenüber den Betrachtern. Die Software versucht eigenständig, den Finanzmarkt zu beurteilen und mit dem Wissen in die Zukunft zu blicken. Das Projekt läuft solange, bis das Programm pleite ist, im Moment macht es leichten Gewinn.

Bilder, wie die Städte der Zukunft aussehen könnten, zeigt Tabor Robak. Er entwirft in dem Video 20xx eine grellfarbige Metropole mit real existierenden Wolkenkratzern. Dabei verwendet er die Bildsprache von Videospielen und Kinofilmen, die sich mit der Zukunft beschäftigen.

Die Ausstellung zeigt, wie vielfältig über Zukunft nachgedacht werden kann. Und dass Zeitlichkeit dabei immer eine wichtige Rolle spielt. „Denn ohne die Vergangenheit sowie das Hier und Jetzt gibt es keine Zukunft“, sagt Natascha Driever. Man schaue immer von seinem eigenen aktuellen Standpunkt auf das, was kommen mag.

Nasan Tur hat eine digitale Uhr entworfen, auf der angezeigt wird, wie viel Lebenszeit ihm noch bleibt. Auch wenn diese Erinnerung an die Endlichkeit etwas beängstigt, macht es Spaß, mit dem Gedanken an die Zukunft zu spielen. Wie sieht unser Leben dann aus? Wie können wir das Beste daraus machen? Anregungen bietet die Kieler Kunsthalle.

Ausstellung: Kunsthalle Kiel, Düsternbrooker Weg 1. 27. April bis 13. September. Di.-So. 10-18 Uhr, Mi. 10-20 Uhr. www.kunsthalle-kiel.de


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen