"Unscharf. Nach Gerhard Richter" : Eine diffuse Schau

Was sehen wir? 'S. mit Kind' (1995) Öl auf Leinwand, von Gerhard Richter.  Foto: SHK/HH-Kunsthalle/bpk
Was sehen wir? "S. mit Kind" (1995) Öl auf Leinwand, von Gerhard Richter. Foto: SHK/HH-Kunsthalle/bpk

Als Chef der Hamburger Kunsthalle will Hubertus Gaßner mit dieser Frage auch einen roten Faden durch seine Ausstellung "Unscharf. Nach Gerhard Richter" aufzeigen.

Avatar_shz von
11. Februar 2011, 08:05 Uhr

hamburg | "Was sehen wir hier eigentlich?" Diese Frage stellt Hubertus Gaßner vor fast jedem Bild. Als Chef der Hamburger Kunsthalle will er mit dieser Frage auch einen roten Faden durch seine Ausstellung "Unscharf. Nach Gerhard Richter" aufzeigen. Denn die über 100 Arbeiten von 24 Künstlern der Gegenwart haben alle eines gemeinsam: Sie sind unscharf, diffus, verwischt, vernebelt und lösen deshalb in dem Betrachter die Frage aus: "Was sehen wir hier eigentlich?"
Bei seinem Rundgang durch die üppige Schau, meint man dem eloquenten Kunsthallen-Direktor ein gewisses Unbehagen mit seinem Konzept anzumerken. Das beschleicht jedenfalls den Betrachter.
Richter ist das (vage) Zentrum - und Lockvogel der Ausstellung
Gaßner erläutert zwar, dass die Idee zu dieser Präsentation schon lange gärte und ursprünglich bereits im letzten Jahr realisiert werden sollte, aber als man dann erfuhr, dass das Bucerius Kunst Forum eine große Richter-Ausstellung ("Bilder einer Epoche") für 2011 plane, habe man nach einem gemeinsamen Termin gesucht. Auch um den Gedanken der Hamburger Kunstmeile mit Leben zu füllen. Das Kunst Forum hat vor einer Woche seine vielbeachtete Ausstellung eröffnet. "Unscharf" im Hubertus-Wald-Forum der Kunsthalle beginnt heute. So weit so gut, denn natürlich ist es reizvoll, das Werk eines stilistisch so breit agierenden Künstlers wie Richter möglichst umfänglich zu sehen.
Doch so wollen Hubertus Gaßner und sein Kurator Daniel Koep ihr Angebot nicht verstanden wissen. Ihnen geht es um die Wirkung, die Richters Malerei auf die Kunst der Gegenwart hatte und hat. Gaßner beeilt sich aber gleich klar zu stellen, dass mit "Nach Gerhard Richter" nicht etwa gezeigt werden soll, wer sich in seinem Werk offensichtlich vom Meister beeinflussen ließ. Es geht ihm um Positionen, die im weitesten Sinne die Unschärfe als Stilmittel nutzen, um den eigenen Blick auf die Welt zu vermitteln. Dennoch: Richter ist das (vage) Zentrum - und Lockvogel der Ausstellung. Das hat einigen international renommierten Künstlern wie dem Fotografen Thomas Ruff überhaupt nicht behagt. Er lehnte eine Beteiligung an der Ausstellung ab.
Zu sehen sind jetzt Malerei, Fotografie und Installationen von mehr oder weniger bekannten Künstlern, deren Arbeiten mehr oder weniger unter den Oberbegriff "Unscharf" passen. Gerhard Richters Werke, darunter auch der (hinreißende) Zyklus "S. mit Kind", reihen sich ein, ohne dass ihnen eine nachvollziehbare Schlüsselrolle zugeordnet werden kann. So bleibt der programmatische Ansatz dem Titel der Ausstellung treu: Unscharf.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen