CD-Tipp der Woche : Ein paar schräg-geniale Songs

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Mit gigantischem Bart kommt Mark Oliver Everett daher. Das siebte Album seines Projekts "Eels" ist dreckiger Blues - angereichert mit dem Geheul eines Werwolfs.

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02. Oktober 2009, 04:35 Uhr

Dieser Mann ist anders. Und um die doch etwas eigenwillige Musik von Mark Oliver Everett alias „E“ einigermaßen zu verstehen, muss man wohl seine Geschichte ein Stück weit kennen. Also los: Der Vater – ein berühmter US-Quantenphysiker – bekam einen tödlichen Herzinfarkt, als „E“ 19 Jahre alt war. Kurz darauf verübte die psychisch kranke Schwester Selbstmord, die Mutter starb an Lungenkrebs. Soviel zur Familie. Der Verarbeitung dieser Schicksalsschläge hat sich der begnadete Songwriter und Multi-Instrumentalist seither gewidmet, nicht nur auf bislang sechs Alben seit Beginn der 90er Jahre. Zur ausgiebigen Selbsttherapie gehörte auch ein prämierter Film über den Vater und eine selbst verfasste todtraurige Biographie.
Jetzt ist mit „Hombre Lobo“ Album Nummer sieben am Start. Und krasser als bisher fällt der Kontrast zwischen dreckigem Blues, sanften Balladen und Everetts allumfassenden Faible für allerlei schräge Elektronik aus. Die zwölf Songs schmeißen den geneigten Hörer diesbezüglich in ein Wechselbad.
Alle Nummern sind wie üblich beabsichtigten Verzerrungen unterworfen, was besonders für Everetts raue bis röchelnde Stimme gilt. Textlich geht es um verschiedenste Facetten von Leidenschaft, von der er in seiner Rolle als Werwolf (Hombre Lobo) erzählt – eine Weiterentwicklung seiner Figur des krankhaft behaarten „Dog Faced Boy“ aus dem brillanten "Eels"-Album „Souljacker“ von 2001.
Der Opener „Prizefighter“ kommt als eingängig geschrammelter und schwungvoller Minimal-Blues daher, bei dem „E“ schon mal einiges an Werwolfsgebrüll loslässt. Nach der ebenso versöhnlichen wie traurigen Außenseiter-Ballade „That Look You Give That Guy“ geht es mit fetzigem Rock ‚n’ Roll namens „Lilac Breeze“ weiter. Psychedelisch erschallt „Fresh Blood“ samt wuchtigem Beat, wabernden Synthies, jammernden Gitarren und fortgesetztem Wolfsgeheul.
Man mag sich so seine Gedanken über die geistige Gesundheit eines Menschen wie Mark Oliver Everett machen – nicht zuletzt aufgrund der neuesten Fotos, die ihn in pornorot getaucht mit wirrer Frisur, Sonnenbrille und einem gigantischen Bart zeigen. Ausdauernde Kreativität und ein Gespür für genial ausgefallenes Songwriting jedoch lässt sich nicht bestreiten. „Hombre Lobo“ wird als eine der rockigeren Scheiben des Weirdos in die Geschichte der alternativen Rockmusik eingehen.
Eels – „Hombre Lobo“ (Vagrant Records/Cooperative Music)
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