Ein neuer Weg für die Kultur im Land

Ministerin Anke Spoorendonk will ein transparentes Konzept entwickeln

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18. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Sieben Seiten umfasst das Grundsatzpapier, das Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) gestern in Kiel vorgestellt hat. Sieben Seiten, auf denen sie die Ziele der Landeskulturpolitik kurz umreißt und erklärt, warum Kultur wichtig ist. Sieben Seiten aber auch, die die geforderten Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein noch relativ vage und allgemein umschreiben.

Das räumte die Ministerin gestern selbst ein: "Wir haben das bewusst so gehalten, weil wir den Kulturdialog offen gestalten wollen." Dieser Dialog wurde gestern unter dem Titel "Kulturperspektiven Schleswig-Holstein" gestartet. Im Internet kann ab sofort jeder Meinungen und Thesen zur Entwicklung der Kultur im Land formulieren.

Vier grob gefasste Leitlinien sind dabei bereits vorgegeben: "Kulturelles Erbe erhalten und vermitteln", "Ästhetische Bildung fördern und kulturelle Teilhaber ermöglichen", "Kulturstandort Schleswig-Holstein stärken, Kulturtourismus und Kreativwirtschaft fördern" und "Kulturförderung und kulturelle Infrastruktur zukunftsfähig gestalten". Zu jedem dieser Bereiche wird eine Arbeitsgruppe gebildet, der Vertreter aus der Kulturszene ebenso angehören wie Mitarbeiter der Kieler Kulturabteilung und Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Außerdem wird jedem dieser vier Bereiche im Internet ein Dialogfeld zugeordnet, auf dem die Ergebnisse öffentlich diskutiert werden. "Es soll sich ausdrücklich jeder im Land beteiligen können", sagte Spoorendonk, die in den ersten Monaten ihrer Amtszeit bereits große Gesprächsbereitschaft signalisiert hatte.

Der Dialog endet im Dezember dieses Jahres, dann sollen die Ergebnisse nach ihrem Weg durch verschiedene Gremien als verbindliches Kulturkonzept im Landtag verabschiedet werden. Ab dem Frühjahr 2014 werden dann auf dieser Grundlage Zielvereinbarungen und Förderrichtlinien für die einzelnen Kulturinstitutionen im Land formuliert.

"Wir stellen das Gerippe, jetzt muss da noch Fleisch ran", sagte Martin Lätzel, der in der Kulturabteilung gemeinsam mit Berit Johannsen für die Umsetzung des Konzepts verantwortlich ist.

Keine leichte Aufgabe, zumal das Ideenpaket gestern noch reichlich abstrakt anmutete - was auch Lätzel einräumte: "Trotzdem sind wir von diesem Weg überzeugt." Anke Spoorendonk ging sogar noch weiter. "Es hat schon viele Kulturentwicklungspläne in diesem Land gegeben, die nicht umgesetzt wurden. Das wird hier nicht passieren, weil es einen festen und verbindlichen Zeitplan gibt." Ein Seitenhieb auf ihren Vorgänger Ekkehard Klug, aber auch ein Druckmittel in eigener Sache. Nach dieser Ansage, das weiß die Ministerin, muss sie 2014 liefern.

Eine Stärke des Konzepts ist in jedem Fall, dass nahezu jede Förderung im Land zunächst einmal kritisch hinterfragt wird, um, wie es in dem Papier heißt, "wieder mehr Gestaltungspielraum bei den Fördermitteln zu erhalten". Denn viel mehr Geld im Kulturhaushalt wird es wohl nicht geben. Damit könnte die Stärke des Konzepts aber auch gleichzeitig zur Schwäche werden, denn es darf bezweifelt werden, dass etablierte und kostenintensive Kulturinstitutionen widerstandslos auf ihre Förderung verzichten werden.

Die Theater im Land jedenfalls sind der Forderung der Ministerin nach mehr Zusammenarbeit bislang nicht nachgekommen: In der kommenden Spielzeit gibt es keine einzige gemeinsame Produktion der drei großen Häuser. Das habe, so hört man, im Kulturministerium für wenig Begeisterung gesorgt. www.schleswig-holstein.de/kulturdialog

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