Romy Schneider : Ein Mythos zwischen Lust und Melancholie

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: Die Ausstellung "Die Erinnerung ist oft das Schönste" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe versammelt 140 fotografische Porträts von Romy Schneider.

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12. Februar 2009, 11:23 Uhr

Hamburg | Schüchterner Teenager, umjubelte Sissi-Darstellerin, mondäne Pariserin, attraktive Femme fatale, stilsichere Jet-Setterin, Brille tragende Intellektuelle - Romy Schneider suchte sich ihre Rollen im Film wie im Leben lange Zeit selbst aus. Zum Schluss jedoch reduzierte sich ihr Repertoire auf einige wenige: die Verzweifelte, die Trauernde, die Ungeliebte, die Verlassene, die Alkoholkranke. In der Nacht zum 29. Mai 1982 stirbt sie mit 43 Jahren in Paris an Herzversagen. Für ihre engsten Freunde jedoch war es ein Tod aus gebrochenem Herzen. Trennungen, der unerbittliche Druck der Öffentlichkeit und herbe Schicksalsschläge hatten dem sensiblen Weltstar stark zugesetzt. Erst ein knappes Jahr zuvor, im Juli 1981, war ihr 14-jähriger Sohn David beim Klettern über einen Zaun tödlich verletzt worden.
Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt jetzt in der Ausstellung "Die Erinnerung ist oft das Schönste" mehr als 140 fotografische Porträts aus dem Leben der bis heute mythenumwobenen Schauspiellegende. Entstanden ist ein biografischer Bilderbogen, der "die Schneider" zwischen Lebenslust und Melancholie, schauspielerischer Pose und entwaffnender Natürlichkeit zeigt. Zu sehen sind Aufnahmen von neun Fotografen. Und damit auch neun ganz unterschiedliche Versuche der Annäherung: mal professionell und distanziert, mal aus der intimen Vertrautheit einer lange währenden Freundschaft heraus.
"Das pappt mein Leben lang wie Grießbrei an mir"
Herbert Lists Atelieraufnahmen der 16-Jährigen bilden eine elegant gekleidete junge Frau voller Hoffnung, Zuversicht und Naivität, was den Ernst eines Lebens im Rampenlicht betrifft, ab. Max Scheler zeigt sie am Rande der Dreharbeiten zu Sissi im sommerlichen Venedig des Jahres 1957 - "Das pappt mein Leben lang wie Grießbrei an mir", distanzierte sich Romy Schneider einmal von dieser Jugendsünde. Romy als moderne, junge Frau, die mit Alain Delon und Regisseur Luchino Visconti durch Pariser Bistros tourt: Bei Roger Fritz wird das Sissi-Klischee kräftig gegen den Strich gebürstet. Herausragend auch die Aufnahmen des Amerikaners Will McBride. Sie zeigen Romy Schneider als klassische Schönheit im Ambiente einer luxuriösen Pariser Hotelsuite. Das spärliche Licht, das ihren Körper wie aus der Dunkelheit herausgemeißelt wirken lässt, verströmt die dramatisierende Aura der Chiaroscuro-Malerei der Spätrenaissance.
Der Stern-Fotograf Werner Bokelberg besuchte Romy Schneider 1965 in ihrer Pariser Wohnung. Es sollte ein langer Nachmittag werden, in dessen Verlauf Romy Schneider ihre zahlreichen Facetten offenbarte. Für Bokelberg, der an diesem Tag 100 Filme verschoss, ein zwiespältiges Vergnügen, blickte er doch in die tiefsten Abgründe ihrer Seele. Am nächsten Tag gestand sie ihm, nur die Höhen und Tiefen des Lebens zu kennen.
Durch alle Höhen und Tiefen ihres Lebens begleitet hat sie schließlich auch ihr guter Freund, der Berliner Reportagefotograf Robert Lebeck. Von ihm stammen die letzten Fotos dieser Ausstellung aus dem Jahre 1981. Entstanden sind sie in der bretonischen Hafenstadt Quiberon. Romy Schneider hielt sich dort in einem Sanatorium auf, um endlich von ihrer Alkoholsucht geheilt zu werden.
Die Nachwelt wird Romy Schneider als faszinierende Schauspielerin voller innerer Zerrissenheit und tiefer Widersprüche in Erinnerung behalten. Auch dank dieser Ausstellung, die mit dem verträumten Sissi-Klischee ordentlich aufräumt.
"Die Erinnerung ist oft das Schönste - Fotografische Porträts von Romy Schneider", Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, bis 13. April.

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