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Lesestoff : Ein Geschichtsbuch, das sich überflüssig macht

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Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze Hans-Ulrich Wehlers letzter Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte.

Er ist einer der Großen der deutschen Geschichtswissenschaft. Der Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler zählt zu Recht zu den Begründern der Sozialgeschichte in Deutschland. Er war einer der ersten, der mit seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte, deren erster Band 1987 erschien, nicht mehr nur politische Ereignisse deutete, sondern gezielt auch Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft in seine Analysen einbezog. Lange tobte der Streit zwischen eher konservativen Historikern und der Bielefelder Schule.
Nun hat Wehler den letzten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte veröffentlicht. Er behandelt die Zeit von 1949 bis 1990 und ist profunde und genau wie all sein Vorgänger. Doch so recht neue Thesen fallen Wehler nicht ein. Das liegt vor allem daran, dass viele seiner Kollegen mittlerweile seine Analyseraster übernommen haben. Es gibt einfach schon zu viele Bücher, die die Geschichte der Bundesrepublik und der DDR auch gesellschaftshistorisch gedeutet haben. Darüber kommt Wehler nicht hinaus.
Seine Gesamtleistung soll das nicht schmälern. Wer einen thesenreichen und genau recherchierten Überblick über die Deutsche Geschichte ab dem Jahr 1700 haben will, ist mit Wehlers fünf Bänden immer noch bestens bedient. Und was kann ein Historiker schöneres von sich behaupten, als dass er am Ende eines Weges steht, den er gewiesen hat und über den viele seiner Kollegen erfolgreich geschritten sind?
Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Band 5: Von der Gründung der beiden deutschen Staaten bis zur Vereinigung 1949 – 1990, Beck, ISBN-10: 3406521711, ISBN-13: 978-3406521713, 34,90 Euro

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erstellt am 27.Mär.2009 | 01:34 Uhr

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