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Echte Romantiker und akustische Defizite

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erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Wer angesichts der Komponistennamen Arvo Pärt oder gar Alfred Schnittke befürchtet hatte, beim Gastkonzert des renommierten Estonian Philharmonic Chamber Choir in ein verstörendes Avantgarde-Event zu geraten, wurde schnell eines Besseres belehrt: im ausverkauften Schleswiger Dom war ausschließlich Kirchenmusik der lang andauernden Epoche der Romantik voller wohlklingender Erhabenheit zu vernehmen. Der mit 25 ausgebildeten Sängerinnen und Sängern besetzte Klangkörper unter der Leitung seines agilen niederländischen Chefs Daniel Reuss huldigte an diesem programmatisch konsequent gestalteten Abend einem Klangideal, das zur harmoniebeseelten Idyllik dieser Sakral-Literatur durchaus passte: in sich geschlossen auftrumpfende Stimmgruppen, die sich deutlich vonein¬nder absetzten und in extremen Dynamikbereichen zu einer kompakten Einheit verschmolzen.

Bereits in den kirchenslawisch-geprägten Psalm- und Lobgesängen der erwähnten Zeitgenossen Pärt und Schnittke imponierte der Chor mit dynamischer Breite und unerschütterlicher Klangdichte. Die kirchenslawischen Gebetstexte in ihrer arch¬ischen Strenge erfuhren so eine ebenso imposante wie puristische Interpretation von druckvoller Erhabenheit. Auch der bei uns eher unbekannte Este Cyrillus Kreek erwies sich als eher historisch informierter Tonsetzer, der die kompositorischen Revolutionen zur Wende ins 20. Jahrhundert sorgsam umschiffte. Seine Psalm- und Vesper-Vertonungen ließen zwar einige slawische Verwurzelungen erkennen, bewegten sich aber im Übrigen ebenfalls auf post-romantischen Spuren. Mit Brahms und Mendelssohn Bartholdy hinterließen die "echten" Romantiker einmal mehr die überzeugendsten Eindrücke, wiewohl es hier in Sachen Textbehandlung und Präzision ein paar wohl der Raumakustik geschuldete Defizite gab. Pastoser Wohlklang und idyllische Gefühlstiefe hie wie dort…

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