Beziehungen mit Minderjährigen : Echte Liebe und falsche Lust

Auf Rosenblättern gebettet: 'American Beauty' Angela in einem von Lesters unzweideutigen Tagträumen. Foto: dreamworks pictures
Auf Rosenblättern gebettet: "American Beauty" Angela in einem von Lesters unzweideutigen Tagträumen. Foto: dreamworks pictures

Beziehungen mit Minderjährigen sind ein gesellschaftliches Tabu - und nehmen in Realität und Fiktion meist ein unglückliches Ende.

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17. August 2011, 10:46 Uhr

kiel | Es ist eine filmreife Geschichte. Ein Mann mittleren Alters verliebt sich in ein minderjähriges Mädchen. Er trifft sie heimlich, es ist eine Liebe, die nicht öffentlich werden darf, weil sie gesellschaftlich nicht akzeptiert werden kann. Dadurch wird das Begehren, dieses unpassende aber aufregende Gefühl nur noch größer. Der Preis für Liebe und Libido ist hoch, auf den hormonellen Höhenflug folgt ein brutaler Absturz - das Leben des Mannes ist zerstört.
Das ist nicht die Geschichte eines Politikers und sie ist nicht real. Dennoch gibt es Parallelen zwischen dem großartigen Film "American Beauty" des englischen Regisseurs Sam Mendes und der Affäre um den ehemaligen CDU-Spitzenkandidaten Christian von Boetticher und seine Beziehung zu einem 16-jährigen Mädchen. Denn in beiden Fällen geht es um Moral und um gesellschaftliche Konventionen, die eine wertfreie Betrachtung der Beziehung zwischen Mann und Mädchen unmöglich machen - gerade dann, wenn der Mann sich in exponierter gesellschaftlicher Stellung befindet. Und natürlich geht es auch um Ebenbürtigkeit.
Kurze Rettung aus der Apathie
In "American Beauty" ist Lester Burnham (Kevin Spacey), ein in Familie und Beruf unglücklicher Mann, der großäugigen Cheerleaderin Angela (Mena Suvari) intellektuell weit überlegen. Nur durch ihre Körperlichkeit kann sie diese Unterschiede aufheben - oder sogar umkehren.
Das Glücksversprechen, das Lester aus ihren überbordenen körperlichen Reizen zieht, rettet ihn kurzzeitig aus seiner Apathie und bringt ihn zurück ins Leben, nur um ihn am Ende ganz zu vernichten. Lester stirbt, ein hoher Preis für seine Flucht aus dem lieb- und trieblosen Leben im amerikanischen Bürgertum.
Unmoralisches Handeln
Ein Ende, das im gesellschaftlichen Sinne nur konsequent ist, denn die Beziehung eines Mannes in der Lebensmitte mit einem minderjährigen Mädchen wird - in der Realität wie in Film und Literatur - als unmoralisches Handeln bewertet. Und selbst die fiktive Annäherung an das Thema mündet oft schon in einem Skandal. So zog die Veröffentlichung von Vladimir Nabokovs Roman "Lolita" einen Skandalisierungsgrad nach sich, den heutzutage noch nicht einmal Charlotte Roche und Thilo Sarrazin gemeinsam erreichen würden. Die Geschichte von Humbert Humbert, der von seiner zwölfjährigen Stieftochter Lolita verführt und ihr sexuell hörig wird, fand in den USA jahrelang keinen Verleger; erst nachdem "Lolita" in Europa veröffentlicht worden war, erschien das Buch auch in den Staaten. Ironie des männlichen Schicksals, dass Nabokov in seiner anfänglichen Verzweiflung das Skript verbrennen wollte - und dabei von seiner Frau gestoppt wurde.
Kein Skandal, aber ein Aufreger war auch der Tatort "Reifezeugnis", der Nastassja Kinski berühmt machte. Sie spielt die 16-jährige Schülerin Sina, die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann (Christian Quadflieg) hat, der nicht nur sehr viel älter, sondern auch ihr Lehrer ist. Die Botschaft des Films ist eindeutig: Das Mädchen wird zur Mörderin, ihr Lehrer ist gesellschaftlich und beruflich erledigt.
Klage wegen Nacktfotos der Adoptivtochter
Gleiches drohte auch Woody Allen, der auf fast schon absurde Weise Realität und Fiktion zueinander brachte. In seinem Film "Manhattan" (1979) spielte er den 42-jährigen Isaac, der nach der Scheidung von seiner Frau eine Affäre mit der 17-jährigen Tracy beginnt. Im wirklichen Leben musste der Regisseur rund 20 Jahre später eine Affäre mit Soon-Yi Previn, der Adoptivtochter seiner damaligen Lebensgefährtin Mia Farrow, einräumen. Farrow verklagte Allen daraufhin, weil Soon-Yi damals zwar bereits 21 Jahre alt war, Allen aber schon fünf Jahre zuvor Nacktfotos von ihr gemacht hatte.
Ein Gericht entzog Allen schließlich das Sorgerecht für die gemeinsamen Adoptivkinder von ihm und Farrow. Als Vater sei er nicht geeignet. Als Ehemann offensichtlich schon - Allen und Soon-Yi sind immer noch verheiratet und haben ihrerseits zwei Kinder adoptiert. Und der Filmemacher Woody Allen wird von der Gesellschaft nach wie vor gefeiert, als sei nie etwas gewesen - schließlich liefert er erstklassige Filmgeschichten ab.
(mas, shz)

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