"Vom Fischer un syner Frau" : Doppel-Inszenierung - auf Plattdeutsch und Englisch

Ihre Gier macht alles zunichte: Ilsebill (A. Ellersiek). Foto: Fantitsch
Ihre Gier macht alles zunichte: Ilsebill (A. Ellersiek). Foto: Fantitsch

Zwei Einakter in einer Aufführung: Dem Publikum in Lübeck wurden optische, akustische und intellektuelle Abenteuer geboten.

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14. Februar 2011, 09:13 Uhr

Lübeck | Das Vertrauen des Lübecker Publikum in das Musiktheater ist groß. Entsprechend gut besucht war die Premiere des Doppelabends "The Lighthouse" und "Vom Fischer un syner Frau". Beide Einakter entpuppten sich in der Inszenierung von Waltraud Lehner als optische, akustische und intellektuelle Abenteuer.
Was, mag man fragen, haben die 1980 uraufgeführte Kammeroper "The Lighthouse" von Peter Maxwell Davies und die Kantate "Vom Fischer un syner Frau" (1930) von Othmar Schoeck außer ihrer Nähe zum Meer gemein? Stefan Heinrich klärt mit Bühne und Kostümen sofort darüber auf: In beiden Stücken hat er die Isolation thematisiert, zwingt die Zuschauer, ihm hier wie dort in Persönlichkeits- und Beziehungsanalysen zu folgen, indem er nach der Pause Leuchtturm-Elemente, Kostümierungen, Möbel wieder auf die Bühne bringt.
Bühnennebel, Feuer und Wasser kommen in "The Lighthouse" zum Einsatz, unablässig werden die Sinne der Zuschauer gereizt. Der Kampf der Leuchtturmwärter Sandy, Blazes und Arthur (Patrick Busert, Steffen Kubach, Andreas Haller) gegen die Isolation und gegeneinander findet in Ohren, Augen und mit dem Nebel in Nasen statt. Dieser Krimi um das mysteriöse Verschwinden dreier Männer ist spannend bis zum Schluss - auch, wenn dieser wie bei Schoecks Kantate längst bekannt ist. Der durchsetzungsschwache Fischer (Daniel Szeili) und seine gierige Ilsebill (Anne Ellersiek) ringen um einen Lebensentwurf. Wo der eine seine Ruhe will, verlangt die andere Geld und Macht. Der Kampf ist aussichtslos. Im "Pissputt" wie im Leuchtturm kommt dabei ein Stück spielerisches Potential der Darsteller zu tragen. Seinen Reiz erhält der Lübecker Doppelabend mit der Sprache. "The Lighthouse" wird auf Englisch, der "Fischer" auf Plattdeutsch gegeben. Im Orchestergraben begleiten 14 Musiker unter Leitung von Ralf Lampe die Akteure - und sie tun es beeindruckend.

Nächste Aufführungen: Fr., 11. März, und Fr., 18. März, jeweils 19.30 Uhr. Theater Lübeck, Beckergrube 16.

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