Interview : Dieter Thomas Heck - Showmaster a.D.

Dieter Thomas Heck verfolgt das Image des Schnellsprechers. 'Das ist auch nicht schlimm, andere haben gar kein Image.' Foto: Dewanger
1 von 2
Dieter Thomas Heck verfolgt das Image des Schnellsprechers. "Das ist auch nicht schlimm, andere haben gar kein Image." Foto: Dewanger

Ende des Jahres wird Dieter Thomas Heck 75. Bis 2007 zählte er zu den großen Stars des deutschen Fernsehens. Im Interview erzählt er, worauf es beim Moderieren ankommt.

shz.de von
07. Oktober 2012, 05:53 Uhr

Haben Sie mal in Flensburg bei einem Ford-Händler Autos verkauft?
Nein, warum fragen Sie?
In Flensburg wird die Geschichte erzählt.
Ich habe mal bei Borgward in Hamburg gearbeitet, Hugo Pfohe hatte damals die Vertretung. Dort habe ich gelernt.
In Ihrem Pass steht der Geburtsort Flensburg. Wie kam es dazu?
Mein Vater war bei einer Getränkefirma und hatte damals diesen Bezirk hier oben. Er wurde dann nach Hamburg versetzt. Ich war vier oder sechs Wochen alt, als meine Eltern umzogen. Gelebt habe ich hier nicht. Ich bin später einmal im Deutschen Haus aufgetreten und bei der Eröffnung des Ladens Kloppenburg.

Was verbinden Sie mit Ihrer Geburtsstadt?
Ich war ja heute in Glücksburg im Segelclub. Dort zu sitzen und auf das Wasser zu schauen, die ganze Einrichtung, die Fahnen der Gastsegler - das hat schon sehr viel Atmosphäre, obwohl wir in Spanien ja auch einen Segelhafen haben. Es war immer mein Wunsch, hier oben einen kleinen Kotten zu haben, so mit Strohdach - wie sich das gehört. Aber das hat leider nie funktioniert.
Sie haben jahrzehntelang Fernsehen gemacht: Was gucken Sie sich heute gerne an?
Ich liebe Krimis. Aber wenn ich an die Show-Sendungen denke, dann hat sich das unheimlich verändert. Vielen Sendungen fehlt die Verbindlichkeit. Das ist alles so Hauruck. Neulich wäre bei einer Aufzeichnung beinahe ein kleiner Junge ertrunken: Soweit muss es doch nun wirklich nicht gehen. Und dann ärgert mich diese ewige Fragestunde. Jede dritte Sendung geht um die Frage, ob es A, B, C oder gar D ist.
Shows gefallen ihnen gar nicht mehr?
Wenig. Ich mag den Pilawa gern - aber der hat ja auch dieses A, B, C oder D.
Oder fehlen im Fernsehen Typen, die Frankenfelds, Kuhlenkampffs und Rosenthals?
Das ist bestimmt ein wichtiger Punkt. Ein Showmaster muss mehr können als nur gut sprechen, er muss singen, tanzen und schauspielern können.
Wenn man Bilder von Ihnen aus der ersten Hitparade von 1969 sieht, dann fragt man sich, ob das heute überhaupt noch ein Fernsehgesicht wäre.
Nein, bestimmt nicht. Es war mein Können als Sprecher, was mir den Weg ebnete. Es war aber nicht das Tempo, auch wenn mich das Image des Schnellsprechers verfolgt. Das ist auch nicht schlimm, andere haben gar kein Image.
Heute gibt es ja Castingshows: Hätte der junge Heck von damals in einer solchen Show eine Chance?
Würde er sich als Showmaster beerben, hätte er gewiss keine Chance. Ich war weiß Gott kein blendend aussehender Junge. Es wird bei diesen Shows sicher der eine oder andere gute Sänger herauskommen. Ich glaube aber nicht, dass ein Fernsehpräsentator eine Chance hätte.
Gibt es unter den Sendungen heute eine, von der Sie sagen würden, die hätte ich selbst gerne moderiert?
Ich habe so viele Sendungen gemacht, ich muss nicht noch irgendeine neue übernehmen. Interessiert hat mich aber immer "Die Pyramide" - die ist ja jetzt auch wieder da. Die war bei uns nur humorvoller als heute.
Die Pyramide ist wieder da, Dalli-Dalli auch: Fällt den Fernsehleuten heute nichts mehr ein?
Ich glaube, dass da was Wahres dran ist.
Kommt die Hitparade auch wieder?
Das kann ich mir gut vorstellen. Aber es wird bestimmt jemand sagen, aber um Gottes Willen bloß nicht auf Deutsch. Dabei brauchen wir dringend einen Platz für diese Stücke, auch für den Schlager, vor allem aber für den Nachwuchs. Es gibt ja kaum Sendungen mehr, wo sich der Nachwuchs präsentieren kann. Deutsche Musik hat bei den Zuschauern nach wie vor eine gute Basis. Bei den Fernsehmachern leider nicht, auch beim Rundfunk nicht.
Warum ist Ihnen das Thema deutsche Texte so wichtig?
Die Antwort ist ganz einfach: Weil ich in Deutschland lebe, das ist nun mal die Sprache hier und die Menschen sollen das ja verstehen.
Die Franzosen haben eine Sprachquote. Würden Sie das in Deutschland begrüßen?
In jedem Fall.
Wer wäre Ihr Wunschmoderator für eine Neuauflage der Hitparade?
Das wäre mir nicht so wichtig. Meine beiden Nachfolger Hübner oder Worms waren auch nicht meine Wunschkandidaten. Beide hätte ich nicht genommen, aber das war ja auch nicht meine Entscheidung.
Sie waren mit der Hitparade auf das Thema Schlager sehr festgelegt. Wären sie lieber als Schauspieler bekannt geworden?
Wenn man eine Sendung macht, die so im Mittelpunkt steht wie die Hitparade, die so erfolgreich ist, dann ist klar, dass man damit verbunden bleibt. Und wenn man so etwas aus vollem Herzen macht, dann ist das ja auch richtig so.
Schlager ist ja inzwischen Kult. Es gibt die Partys, den Schlagermove in Hamburg. Fühlen Sie sich durch Künstlernamen wie Dieter Thomas Kuhn geehrt oder auf den Arm genommen?
Nein, das geht schon in Ordnung. Ich habe in Hamburg auch mal selbst beim Schlagermove mitgemacht. Dieter Thomas Kuhn kam irgendwann zu mir und fragte: Du heißt doch eigentlich Thomas. Nein, habe ich gesagt, ich heiße eigentlich Dieter. Der Thomas ist bei Radio Luxemburg entstanden. Ach, sagte er. Ich heiße eigentlich Thomas. Und woher kommt der Dieter?, habe ich gefragt. Na, durch Dich.
In Schlagern, oder auch in Ihren Sendungen ging es oft um große Gefühle. Sind Sie ein emotionaler Mensch oder ist das nur eine Rolle, die Sie spielen?
Nein, man muss sich schon berühren lassen, von dem, was man tut. Es geht nicht anders. Nur eine Rolle spielen, dann bin ich vielleicht ein guter Schauspieler. Aber die Sache muss leben, dadurch dass man es tatsächlich fühlt. Und das überträgt sich auch auf das Publikum. Die Menschen merken das. Das galt auch für die Hitparade: Man muss ja nicht jedes Lied mögen, aber man muss den deutschen Schlager lieben, sonst geht das nicht.
Welche Musik hören sie privat?
Ich höre viel Klassik. Ich wollte ja mal Klassik singen und habe Gesang studiert. Als ich 1959 das erste Mal bei Peter Frankenfeld im Fernsehen aufgetreten bin, flog ich bei meiner Lehrerin raus. Sie sagte: Ich wollte einen Fischer-Dieskau aus Ihnen machen! Was machen Sie? Singen da so eine Trallala-Nummer bei diesem Frankenstein! Da war die klassische Karriere zu Ende. Mir war aber immer klar, ich würde kein Fischer-Dieskau werden. Ich wusste immer, für einen Schlagersänger habe ich eine gute Ausbildung.
Hören Sie die neue deutschsprachige Popmusik? Juli, Revolverheld oder Annett Louisan?
Die höre ich auch - nicht alles gerne, aber es sind ein paar sehr schöne Sachen dabei. Ein paar davon würde ich auch in die Hitparade nehmen, wenn es die noch gäbe.
Haben Sie Santiano aus Flensburg gehört?
Die Jungs sind toll.
Sie haben sich ja auch immer politisch eingesetzt und klar für die CDU positioniert. Warum war Ihnen das wichtig?
Ich bin der Meinung, dass man auch in der Politik immer seine Meinung sagen sollte. Das war in der Zeit, als Frankenfeld und Kuhlenkampf Zeitungsanzeigen für die SPD machten: Willy wählen, hieß das damals.
Die meisten Künstler waren eher links eingestellt. Sind sie dafür angefeindet worden?
Nein, eigentlich nicht. Es gab Flugblätter der Jusos, die vor einem Auftritt in Hamburg verteilt wurden, die NPD hat das damals auch gemacht. Ich habe die Zettel dann auf der Bühne vorgelesen. Es gab auch eine Diskussion im Fernsehrat des ZDF, man solle mich doch raussetzen, weil ich Werbung für die CDU mache. Da hat Jockel Fuchs, SPD Oberbürgermeister von Mainz, gesagt, dass in diesem Land jeder das Recht hat, seine Meinung zu sagen, er sei ja auch bei einer Partei.
Sie haben in Hamburg gelebt, waren lange im Saarland, heute wohnen Sie in Spanien: Jetzt kennen Sie auch Ihre Geburtsstadt ein wenig. Wo ist für Sie Heimat?
Ich bin sehr gerne Deutscher. Heimat sind für mich vor allem Menschen und auch bestimmte Erinnerungen: Hamburg zum Beispiel, wo ich als Fünfjähriger im Krieg im Keller verschüttet wurde, nur weil ich meinen Teddy vergessen hatte. Zuhause ist für mich dort, wo ich mich wohlfühle.
Wir danken Ihnen für das Gespräch.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen