Cyrano von Bergerac : Die Worte des Anderen

Der eine traut sich, der andere nicht:  Roxane mit Christian (rechts) und Cyrano (links).  Foto: landestheater
Der eine traut sich, der andere nicht: Roxane mit Christian (rechts) und Cyrano (links). Foto: landestheater

Eine lebendige, physische Version: Das Landestheater zeigt einen eindrucksvollen "Cyrano von Bergerac" auf Schloss Gottorf.

shz.de von
27. Juni 2011, 11:12 Uhr

schleswig | Cyrano von Bergerac stirbt im Schauer. Das Gesicht mit der gewaltigen Nase gen Himmel gerichtet, empfängt er die Tropfen des kalten Sommerregens, die sich mit seinen Tränen mischen. Dann ist alles schnell vorbei, die Musik endet ziemlich abrupt, das Licht geht aus.
Die Zuschauer aber harren trotz des Regens im Innenhof des Gottorfer Schlosses aus, um den Schauspielern den verdienten und andauernden Applaus zu spenden. Es ist eine sehr lebendige, äußert physische Version des romantischen Klassikers von Edmond Rostand, die das Ensemble des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters unter der Regie von Wolfram Apprich während der Schlossfestspiele zeigt. Mit Pferden und Kutsche, Böllerschüssen und Lagerfeuer, Gefecht und Leidenschaft.
Cyrano ist ein tragischer Held
Vor allem Merten Schroedter als Cyrano ist ein Vulkan der Emotionen, sein Zorn über das eigene Aussehen und die vermeintliche Aussichtslosigkeit der Liebe zu seiner Cousine Roxane (Katrin Schlomm) macht ihn zum kampfeslustigen Raufbold, der im nächsten Moment beim Anblick der Angebeten zu einem unsicheren aber fein sinnigen Dichter wird. Cyrano führt das Wort ebenso geschickt wie die Klinge. Schroedter kämpft, rennt, und springt derart aufgedreht durch die Szenen, dass sein Hemd schon nach wenigen Minuten schweißnass ist - ein Energiebündel, das zwar physisch nicht im Geringsten dem großen Cyrano-Vorbild Gérard Depardieu gleicht, aber dennoch die Rolle überzeugend spielt. Überzogen ist lediglich das schiefe "Roxanne"-Geheule, das sich - angelehnt an den Police-Klassiker - durch die Vorstellung zieht.
Denn Cyrano ist ein tragischer Held, ein in vielerlei Hinsicht unglücklicher Mann. Nicht nur, dass er seine Rivalität zu dem schönen, aber wenig geistreichen Christian von Neuvillette (Atef Vogel), der Roxanes Gunst gewonnen hat, seiner Cousine zuliebe unterdrückt. Er treibt seine große Liebe dem Gegenspieler sogar mit den richtigen Worten in die Arme. Viel zu spät erkennt Christian: "In mir liebt sie nur deine Seele." Kurz darauf stirbt er im Kampf. Cyrano bewahrt dass Geheimnis viele Jahre, erst unmittelbar vor dem eigenen Ableben gibt er sich Roxane zu erkennen - und fällt dann tot auf das nasse Pflaster des Schloss-Hofes. Eine ergreifende Schluss-Szene in beeindruckender Kulisse; da stören dann auch die Unwägbarkeiten des Wetters kaum. Schon gar nicht den hyperaktiven Cyranno-Darsteller Schroedter. Der holt sich, während ein Teil des Ensembles bereits in Richtung des Ausgangs strebt, immer noch seinen verdienten Applaus ab. Weitere Vorstellungen: Heute, 26. und 30. Juni; 1.-3. und 7.-10. Juli, jeweils 20.30 Uhr.
(mas, shz)

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