Gunter Gabriel als Johnny Cash : "Die Proben waren eine Höllenarbeit"

Der Hamburger Sänger Gunter Gabriel spricht im Interview über seine Rolle als Johnny Cash, in der er ab Sonnabend in Hamburg zu sehen ist.

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09. August 2011, 09:59 Uhr

hamburg | Als "The Man in Black" feiert Country-Barde Gunter Gabriel in dem Musical "Hello, Im Johnny Cash" seit einem Jahr Riesenerfolge. Nun kommt das Stück über das Leben des amerikanischen Ausnahmemusikers aus Berlin nach Hamburg. Vor der Premiere im Altonaer Theater trafen wir den populären Sänger und Songschreiber Gabriel ("Hey Boss, ich brauch mehr Geld") auf seinem Hausboot im Harburger Hafen.:
Die Lebensgeschichte des Farmersohnes Johnny Cash ist reich an Abstürzen und Aufschwüngen, kommt damit Ihrer eigenen bewegten Biografie recht nahe - der Grund, weshalb Sie die Rolle im Musical zuerst ablehnen wollten?
Gunter Gabriel: Nein. Ich habe in den 80er Jahren auf einen Schlag mein ganzes Vermögen verloren, insgesamt zehn Millionen Mark. Inzwischen sind alle Schulden abgetragen, ich habe einen neuen Produzenten und einen neuen Plattenvertrag. Dieses Comeback wollte ich nicht durch die Rolle auf einer Theaterbühne gefährden. Doch dann hat mich Regisseur Volker Kühn überzeugt.

Angst davor, in die Fußstapfen des legendären Musikers zu treten, hatten Sie aber nicht?
Und ob. Die Proben waren eine Höllenarbeit, wirklich hart. Abends fiel ich oft völlig fertig ins Bett. Natürlich hätte ichs mir einfach machen und die ganze Sache hinschmeißen können. Doch ich habe durchgehalten. Durchzuhalten, immer wieder üben, üben, üben und sich absolut anzustrengen ist das Geheimnis jeden Erfolgs - das habe ich auch meinen vier Kindern immer gesagt, damit sie sich nicht verrennen.

Was war die größte Herausforderung für Sie?
Mich in Disziplin zu üben. Zu lernen, mich an ein Drehbuch zu halten, zu lernen, pünktlich mit gewaschenen Haaren und frisch rasiert auf der Bühne zu erscheinen. Andererseits finde ich es großartig, im Theater eine Mannschaft hinter mir zu haben, die einem vieles abnimmt.

Sehen Sie sich in der Rolle Ihres Idols und guten Freundes als deutscher Johnny Cash?
Nein, das fände ich albern. Ich bin immer noch ich. Ganz sicher aber gewinnt die Vorstellung dadurch an Glaubwürdigkeit, dass ich eine ähnliche Musik mache und ein ähnliches Leben geführt habe wie Cash. Songs wie "I walk the line" waren gewissermaßen die Leitplanke in meinem Leben - bleib dir treu, das ist auch mein Motto.

Wie haben Sie Johnny Cash eigentlich kennengelernt?
Ich hatte ihm einen Song geklaut aus dem Album, was alles ins Rollen brachte: einen Live-Mitschnitt aus dem Knast-Konzert in San Quentin. Er bekam das in Amerika mit und bot mir über seine Plattenfirma an, ihn zu besuchen. Ich machte sofort einen Crashkurs in Englisch und ab gings nach Tennessee. Dort wurde ich von Johnny Cash sehr freundschaftlich aufgenommen. Trotzdem war die Sache für mich erledigt als ich ihn nach drei Stunden wieder verließ ...

... doch wurde daraus eine jahrzehntelange Freundschaft ...
Ja, immer wenn er in Deutschland war, rief er mich an. Und bis heute habe ich auf meinem Anrufbeantworter seinen Telefonanruf aus dem Jahr 2003. Damals bat er mich, in seinem Studio einige seiner Songs in deutscher Sprache aufzunehmen. Ich bin sofort rüber und wir haben das Album aufgenommen. Leider ist der blöde Kerl dann wenige Wochen später gestorben.

Was hat Sie in den Begegnungen mit ihm besonders beeindruckt?
Ich mag männliche Männer. Keine Machos, sondern richtige Kerle. Johnny Cash war einer. Interessant fand ich auch, dass in seinem Studio immer eine Bibel lag, von ihm und seiner Frau June von vorn bis hinten durchgearbeitet, viele Textzeilen mit Kugelschreiber unterstrichen.

Sind Sie bei Ihren Musical-Auftritten mehr als Sänger oder als Schauspieler gefordert?
Als Sänger. Der Anteil der Lieder, es sind insgesamt 33, ist höher als der des gesprochenen Wortes. Trotzdem muss ich die Fäden der Show in der Hand behalten. Was ein Riesenunterschied zu den Konzerten ist, die ich mit meiner eigenen Band gebe. Dann bin ich der Macker, der den Ton angibt, der spontan sein darf und muss. Sonst hätte ich 40 Jahre Berufsleben mit immer den gleichen Liedern gar nicht durchgehalten.
(shz)

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