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Steigende Zahlen : Die Lust am Musizieren wächst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Musikschulen in Schleswig-Holstein erleben einen Ansturm. Immer mehr Senioren melden sich an, um sich einen Jugendtraum zu erfüllen.

von
erstellt am 20.Dez.2013 | 07:06 Uhr

Immer mehr Kinder und Erwachsene besuchen eine Musikschule, um das Spielen auf einem Instrument zu erlernen. In Deutschland zählten die öffentlichen Musikschulen vor zehn Jahren gut 800.000 Schüler, 2012 waren es bereits knapp 920.000. Dieser Trend lässt sich auch in Schleswig-Holstein deutlich erkennen. „Wir verzeichnen leichte kontinuierliche Zuwächse“, sagte gestern Richard Ferret, Vorsitzender des Landesverbands der Musikschulen in Schleswig-Holstein.

Obwohl die Zahl der Kinder zurückgeht, ist die Anzahl der Musikschüler im nördlichsten Bundesland in den vergangenen zehn Jahren von 23.250 auf 26.246 gestiegen. Ferret sieht zwei wesentliche Gründe für den Zuwachs: Einerseits sei das Bewusstsein der Gesellschaft gestiegen, wie wichtig die Musik für die Entwicklung eines Kindes ist. Schon Babys und Kleinkinder besuchen Früherziehungskurse in den 20 öffentlichen Musikschulen des Landes und es gibt mehr Kooperationen mit Kitas oder Schulen als vor zehn Jahren. Andererseits möchten immer mehr Erwachsene Musik machen. Die Zahl der Musikschüler über 60 ist seit 2003 um knapp 400 Personen auf 973 angewachsen. „Ihnen geht es oft darum, einen Traum aus der Jugend zu verwirklichen“, erklärte Ferret, der darauf hinweist, dass Senioren aber auch animiert werden, eine Musikschule zu besuchen, weil bekannt geworden sei, dass musikalische Betätigung den Intellekt frisch hält. Ferret fordert daher: „Musik auf Rezept für Rentner!“ Für den Leiter der Dithmarscher Musikschule sei es daher eine Überlegung wert, dass die Krankenkassen nicht nur Bonuspunkte für Fitnessstudios ausgeben, sondern auch für Musikschulen.

Die Musikschulen sind relativ gesund. Finanziell schreibt man eine schwarze Null. Die gut 20 Millionen Euro, die durch Beiträge, Zuschüsse vom Land, von den Kreisen, Städten sowie Gemeinden und Drittmittel eingenommen werden, werden pro Jahr vollständig für Personal- und Sachkosten ausgegeben. Dabei sei die Situation der einzelnen Musikschulen sehr unterschiedlich. Während es einigen aufgrund hoher kommunaler Zuschüsse gut geht (Eutin, Plön), haben es andere (Neumünster, Rendsburg) weniger leicht.

Insgesamt macht sich Ferret aber keine Sorgen um die Zukunft der Musikschulen. „Auch Youtube ist keine Konkurrenz für uns“, sagt der Landesverbandsvorsitzende. Man könnte denken, dass es den Musikschulen schadet, wenn immer mehr Musikfreunde mittels Internetvideos autodidaktisch ein Instrument erlernen. „Es gibt viele, die das versuchen. Das begrüße ich auch“, sagte Ferret. „Aber der menschliche Kontakt und die Begleitung vom Fachmann sind wichtig.“ Demnach ist es von Bedeutung, die ersten Griffe von einem Musikschullehrer gezeigt zu bekommen – egal ob der Musikschüler ein Jahr oder 99 Jahre alt ist.

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