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Die Kraft der Fantasie - zum Tod von Klaus Kütemeier

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erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

hamburg/schleswig | Der Hamburger Bildhauer Klaus Kütemeier war neben Edgar Augustin der wichtigste Schüler von Gustav Seitz. Das war der Anfang, denn er blieb kein Schüler. Bald wurde er zum Meister, und zwar, obwohl es auch schöne modellierte und in Bronze gegossene Arbeiten gibt, als Steinbildhauer. Da war er der Bedeutendste seiner Generation.

Sein Sinn für architektonische Ordnung und Abstraktion, seine genaue Vorstellungskraft, seine Sicherheit im Handwerk und seine Beharrlichkeit ließen ihn oft jahrelang an einer Figur aus Granit, Kalk- oder Sandstein arbeiten, bis er sie zu ganzer Gestalt gebracht hatte. Er widerstand der Versuchung, sich mit Fragmenten zu begnügen. Seine Figuren sind stets vollendet bis in die Fingerspitzen.

Diesen Arbeiten ist anzusehen, dass sie aus unserer Zeit stammen - so viel Formvereinheitlichung ist darin, so viel Architekturachse ist ihnen einbeschrieben. Doch möchte man seinen Figuren über die Flüchtigkeit einer Zeitzugehörigkeit hinaus den Atem für eine Ewigkeit ansehen. Darin und nur darin berühren sie sich mit den Figuren des alten Ägyptens, denn eine religiös-kultische Note ist ihnen ganz fremd. Anstelle von Hieroglyphenschrift setzte er eine Folge von "zeichenähnlichen Figuren", wie er es nannte, die sich ganz im Sinn unserer Gegenwart humorvoll bewegen.

Sie gehören zu einer größeren Werkgruppe heiterer stark abstrahierter Wesen, zu denen auch eine Folge von Selbstdarstellungen mit einer Schönen im Sinne von "Die Schöne und das Biest" zu rechnen ist. Sein Werk ist stellenweise von archaischer Kraft, die dieser moderne Bildhauer in sich fand und mit einer säkularen, heiteren Gesinnung zu verbinden wusste. Die letzte große Ausstellung 2010 in der Reithalle von Schloss Gottorf brachte zudem eine Auswahl aus der Fülle seiner Zeichnungen und Collagen, die von sicheren Akten bis zu grotesken lustigen Fantasiegestalten reichen.

Kütemeier ist früh entdeckt worden. Museumsdirektoren wie Alfred Hentzen, Günter Busch, Heinz Spielmann, Gerhard Gerkens und Jürgen Fitschen haben sich für ihn eingesetzt. Entsprechend sind Arbeiten von ihm in den Kunsthallen von Bremen und Hamburg, in Lübeck und Schleswig zu finden. Er war Mitglied in der Freien Akademie der Künste in Hamburg. 2000 wurde ihm der Ernst-Rietschel-Kunstpreis in Dresden zuteil.

In Hamburg und Schleswig-Holstein findet man seine Arbeiten im öffentlichen Bereich. Das späte umfangreiche Hauptwerk "Froschkönigbrunnen" ist im Hof des Rendsburger Arsenal schön aufgestellt. Weitere Arbeiten gibt es im dortigen Hans-Heinemann-Park und im Park in Nortorf. Im Skulpturenpark von Schloss Gottorf sind sechs Figuren zu finden, darunter die erst 2012 entstandene "Stehende weibliche Gewandfigur", an deren Sockel Kütemeier bis zuletzt gearbeitet hat. Am 26. Juli ist er im Alter von 74 Jahren in Hamburg gestorben.

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