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Programmkinos : Die kleinen Kinos im Norden trotzen den Großen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Und sie leben doch: Mit Programmen abseits des Mainstreams, Veranstaltungen und teils dank großer Entfernung zum nächsten Multiplex bleiben die kleinen Kinos weiter im Geschäft.

Kiel | Eine Zeit lang schien es so, als ob die großen Multiplex-Kinos die kleinen Lichtspielhäuser verdrängen. Doch die privat geführten und kommunalen Kinos in Schleswig-Holstein haben ihre Nischen gefunden, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Dabei zeigt sich: Den Sprung in die digitale Kino-Welt haben sie bewältigt – vom kleinen kommunalen Kino mit weniger als 100 Sitzplätzen wie etwa in Lübeck bis hin zum regionalen Platzhirsch in Husum mit mehr als 1000 Plätzen.

Während die Zahl der Kinos bundesweit nach Angaben der Filmförderanstalt von 2013 auf 2014 sank, erhöhte sie sich in Schleswig-Holstein sogar leicht: Von Januar bis Juni 2014 gab es 66 Spielstätten an 51 Standorten, eine mehr als im ersten Halbjahr 2013. „Es gibt in Schleswig-Holstein kein Kinosterben“, sagt Oliver Breuer, Sprecher des Kulturministeriums. Die kleineren Kinos seien fixer Bestandteil einer kulturellen Infrastruktur, die das Land mit dem Kinopreis fördere. So erhielten im Sommer 19 Kinobetriebe insgesamt 27 500 Euro für ihr Jahresfilmprogramm 2013.

Die Überlebensstrategien der einzelnen Kinos sind divers. Aber sie scheint zu einen, was Hans-Peter Jansen so formuliert: „Wenn man das mit Leidenschaft und Qualität macht, gibt es die Kinos auch noch in 20 Jahren.“ Jansen betreibt mehrere kleinere Kinos in Hamburg sowie das Cinema Paradiso in Bargteheide und das Astra Filmtehater in Plön. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den großen Kinos in Lübeck“, sagt der Leiter des Kommunalen Kinos in der Hansestadt, Vitter Thiessen. Das Lichtspielhaus mit 81 Plätzen wird seit 2007 vom Förderkreis KoKi betrieben.

Gezeigt wird Programmkino, aber ab und zu auch ein Mainstream-Film. „Wir müssen uns ja selbst tragen“, sagt Thiessen. Es gibt Filme für jede Altersstufe, Studentenkino und Filmtheater für die Kleinen. Um zusätzlich Geld in die Kassen zu spülen, vermietet der Förderkreis sein Theater aber auch mal an Vereine oder Privatleute. Mit der Situation ist er zufrieden. „Es läuft eigentlich ganz gut.“ Ähnlich beurteilt Michael Wittkowsky, Geschäftsführer des Capitol in Kappeln, die Lage. Reich werde man mit dem Leben als Kinobetreiber nicht, aber man könne davon leben und es mache Spaß, sagt er. Gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin hat er das jahrzehntealte Kino 2003 übernommen. Es ist mit 120 Sitzplätzen vergleichsweise klein, aber technisch auf dem neuesten Stand. Sogar die aktuellste 3D-Technik (HFR) gibt es dort. „Wir haben uns gedacht, wenn wir investieren, dann gleich vernünftig“. So blieben auch jüngere Zuschauer im Ort, sagt Wittkowsky.

Auch Lars Diederichsen vom Kino 51 Stufen in Flensburg ist zufrieden. Dieses Jahr könnten deutlich mehr als die angestrebten 30 000 Besucher in das kleine Kino kommen. „Wir spielen konsequent Filme abseits des Mainstreams, auch viele kleinere Produktionen“, sagt Diederichsen. Der Fokus liege auf europäischen Filmen. Mit dem UCI Multiplex, das nur wenige Hundert Meter entfernt liegt, komme sich das 1996 gegründete Kino daher nicht ins Gehege. Das Kinocenter Husum setzt hingegen auf die neueste 3D-Technik. Das Kino ist mit acht Sälen und 1148 Plätzen sehr groß. Im ländlichen Raum profitiert das Kinocenter auch von seiner Lage. „Wir leben hier im Paradies“, sagt Geschäftsführer Michael Hartung mit Blick auf die Konkurrenz. Husum liege weit genug weg von den Multiplexen. Und diese seien ja auch nicht „unbedingt schöner“, sagt Hartung, der aus einer alten Kinobetreiberfamilie stammt. Und manchmal sorgen Kino-Enthusiasten sogar dafür, dass längst geschlossene Traditionshäuser wieder eröffnen: So öffnete das Kieler „Metro“, das seit 1996 geschlossen war, im September 2006 wieder die Pforten. Ein Kieferorthopäde hatte das Filmtheater gekauft. „Es ist mein Kindheitskino“, begründet Henrik Fenger. Ahnung vom Geschäft habe er nicht, aber seit 2008 ein Team, das die Branche kennt.

Neben Mainstream setzt das Kino nach eigenen Angaben den Schwerpunkt auf Arthouse-Filme. Darüber hinaus soll das Filmtheater auch ein kulturelles Veranstaltungszentrum im Kieler Norden sein, in dem Lesungen, Comedy- und Kabarettprogramme sowie Unplugged-Konzerte stattfinden. Reich wird aber auch Fenger dadurch nicht. „Es wird für mich ein Hobby bleiben.“

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