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Die Abgründe der Gesellschaft

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erstellt am 28.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | Es fängt alles ganz harmlos an, jedenfalls für einen Krimi im Theater. Mit dem Kopf einer enthaupteten Frau in einer Sporttasche, die aus der Themse gefischt wird. Doch in seinem Reißer "Three Kingdoms", der jetzt im Kieler Schauspielhaus Premiere hatte, begnügt sich der englische Erfolgsdramatiker Simon Stephens nicht mit der üblichen Verbrecherjagd. Die engli-schen Kriminalkommissare Stone (Imanuel Humm) und Lee (Marko Gebbert) verfangen sich selbst in den Netzen einer internationalen Bande von Menschenhandel und Prostitution.

Während die Aufführungen des Stückes in Tallinn und München dreisprachig dreieinhalb Stunden dauerten, benötigt Ulrike Maacks einsprachige Inszenierung eine Stunde weniger. Das vulgäre, obszöne Vokabular des Originals bleibt dem Kieler Publikum zwar erspart, doch Zynismus und Brutalität bestimmen trotzdem von Akt zu Akt zunehmend das Geschehen.

Mit Reliefs von England, Deutschland und Estland als Bühnenrückwand zeigt Lars Peter von Beginn an, wo das Ganze sich abspielt. Von London geht der Trip der Kommissare weiter nach Hamburg. Ihr dortiger Kollege Dresner (Oliver E. Schönfeld) wirkt sofort undurchschaubar und rücksichtslos. In Tallinn, der Endstation der Handlung, wird klar, dass Dresner bei Frauenhandel, Pornografie und Prostitution kräftig mitmischt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Ein illusionsloser, deprimierender Einblick in die Abgründe unserer Gesellschaft.

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