Fallersleben : Deutschlandlied in Meldorf entdeckt

So schrieb Hoffmann: Erste Strophe des Deutschlandlieds in der  Handschrift des Dichters. Foto: Brumm
So schrieb Hoffmann: Erste Strophe des Deutschlandlieds in der Handschrift des Dichters. Foto: Brumm

In Meldorf entdeckte ein Wissenschaftler in einem Buch die erste Strophe des Deutschlandliedes in Originalhandschrift des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

shz.de von
21. Juli 2011, 10:46 Uhr

Meldorf | Es ist ein in Leder gebundenes, Jahrhunderte altes Buch, in dem sich die jahrgangsbesten Abiturienten und besondere Gäste der traditionsreichen Gelehrtenschule in Meldorf (Dithmarschen) verewigen dürfen. Jetzt entdeckte ein Wissenschaftler in diesem mehr als 160 Jahre alten Band die erste Strophe des Deutschlandliedes in Originalhandschrift des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Und unter der Strophe haben Dithmarscher gleich ihren Kommentar geschrieben. "Sie ließen Fallersleben hochleben", erzählt Bernhard von Oberg (58) gegenüber dem sh:z.
Der Soziologe aus Heide hatte in einem der Tagebücher des Dichters gelesen, dass der sich Ende August 1845 in Schleswig-Holstein aufhielt und auch Dithmarschen bereiste. "Er wollte nach dem altem verlorenen Freiheitsgeist der Dithmarscher suchen", erklärt von Oberg. Dabei machte er auch in der Domstadt Meldorf Station, wie es eine Notiz vom 29. August 1845 im Tagebuch belegt: "Wir fahren mit der Extrapost nach Meldorf. Mit Reimers besuche ich die Kirche, Pastor Hanssen und Kaufmann Carstens. Bei letzterem finden sich bald die freisinnigen Meldorfer ein. Wir gehen mit ihnen zur Holländerei. Im großen Saale vereinigt sich alles. Es entwickelt sich große Heiterkeit und Begeisterung." Bei diesem Aufenthalt wurde von Fallersleben das Schulbuch des ehrwürdigen Gymnasium vorgelegt, mit der Bitte um einen Gasteintrag.
Hoffmann in Wort und Tat
Dies weckte die Neugier des Forschers, schließlich half der Zufall: Im Panzerschrank der Gelehrtenschule fand von Oberg das Schulbuch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Mitte des Bandes steht die erste Strophe der späteren Nationalhymne: "Deutschland, Deutschland, über alles, über alles in der Welt."
Das Spannende für den Forscher ist dabei, dass gleich unter die Strophe ein Gelehrter in hymnischer Begeisterung anmerkte: "Du hochverehrter Hoffmann, der deutsche Barde, der Sänger deutscher Freiheitslieder. Hoffmann in Wort und Tat, in Blick und Gestalt, ein ehrenwerter, ein echter deutscher Mann kann von den Monarchen nicht enttragen werden und ... sein Volk trägt ihn wie auf Händen hoch, so in seinem Herzen tief."
"Ähnliches Handschriftliches ist von dem Dichter nicht bekannt"
Für Bernhard von Oberg, der sich schon mehreren Geschichtsthemen widmete, ist der sensationelle Fund ein weiterer Beleg für seine These, dass in alten Tagebüchern so mancher Schatz aufzuspüren ist. Eine Originalabschrift des Deutschlandliedes befindet sich übrigens in der Staatsbibliothek zu Berlin, eine weitere in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Nicht sicher ist aber, ob eine dieser Fassungen die Urschrift ist. Wissenschaftler suchen seit langem nach dem Original oder einer Abschrift des historischen Dokuments. Im Meldorfer Schulbuch steht zwar nur eine Strophe, aber laut von Oberg ist dies eine wahre Sensation: "Ähnliches Handschriftliches ist von dem Dichter nicht bekannt."
Eine 1936 von einem Wiener Antiquariat angebotene weitere eigenhändige Handschrift gilt nach Angaben der Staatsbibliothek Berlin als verschollen. Auch der Aufbewahrungsort einer unvollständigen Handschrift, die nur die erste Strophe umfasst, ist unbekannt. Diese wurde 1977 in Stuttgart für 69 000 D-Mark versteigert.
Übrigens: Als August Heinrich Hoffmann von Fallersleben die Strophe in Meldorf niederschrieb, war sein Lied noch lange nicht die Nationalhymne. Das geschah erst 1922.
(db, shz)

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