Hörbuch-Tipp : Detektivarbeit im alten Troja

Heinrich Schliemann: 'Auf der Suche nach Troja. Reisebericht', Sprecher: Frank Arnold, 1 CD mit 78 Minuten, 9,95 Euro, Audiobuch-Verlag ISBN 978-3-89964-280-3
Heinrich Schliemann: "Auf der Suche nach Troja. Reisebericht", Sprecher: Frank Arnold, 1 CD mit 78 Minuten, 9,95 Euro, Audiobuch-Verlag ISBN 978-3-89964-280-3

Wie ein akribischer Sherlock Holmes streifte Heinrich Schliemann durch Kleinasien, um das antike Troja zu finden. Der Self-Made-Mann schaffte mit seinen Aufzeichnungen einen Durchbruch in der Forschung.

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15. Oktober 2009, 03:41 Uhr

Troja bleibt unvergessen. Immer wieder fasziniert die vergangene Stadt aufs Neue, die Geschichten der antiken Helden um Achill, Odysseus, Priamos und Paris werden fürs Kino immer wieder aufgewärmt. Mit Brad Pitt als Achill wollte Hollywood zuletzt das alte Troja der heutigen Zeit wieder näher bringen. Ein Troja voller Action-Helden.
Zugegeben, Schliemanns Reiseberichte sind im Gegensatz dazu eher etwas für Altgriechisch-Pauker oder Archäologie-Freaks - die aber kommen mit dem neu erschienenen Hörbuch "Auf der Suche nach Troja" auf ihre Kosten. Mit der Ilias im Gepäck reist der Antiken-Fan Schliemann im Sommer 1868 in die Türkei. Die Hitze brütet über der Stelle, an der zu seiner Zeit die meisten Forscher das untergegangene Troja vermuteten. Doch Heinrich Schliemann lässt sich nicht aufhalten: Er will endlich beweisen, wo die sagenumwobene Stadt des Priamos gestanden hat. Mit Homers Aufzeichnungen zum Trojanischen Krieg als Referenz macht sich der Self-Made-Gelehrte daran, das Terrain zu erkunden.
Entdecker-Funke
Er schließt den Ort Bunarbaschi in der heutigen Türkei schnell aus - und zwar mit fleißiger Detektivarbeit: Sind doch in der Ilias zwei Quellen bei Troja erwähnt, von denen die eine eisiges Wasser hinaussprudelt, während die andere als Thermalbad genutzt werden könnte. Schliemann wird stutzig, als er in Bunarbaschi mehr als 30 Quellen findet, die alle die gleiche Temperatur aufweisen. 17,5 Grad notiert er akribisch. Und so sprechen immer mehr Hinweise gegen diesen Ort.
Schliemann hat einen sprühenden Enthusiasmus was alles Griechische angeht. Er erläutert, wie er schon als Kind den Schriften Homers lauschte und sich dann in zehrendem, aber ungebremst motiviertem Selbststudium zig Sprachen anlernte, als Krönung auch das Altgriechische. Er ist geradezu versessen auf Bildung, war ihm doch von Haus aus nur eine öde Lehre bei einem Bäcker vergönnt. Er setzt sein gesamtes Geld und seine Zeit ein, um zu lernen. Seine Verbissenheit bringt ihm Erfolg. Als er mit sich seinem kaufmännischen Geschick ein kleines Vermögen angehäuft hat, gibt es für ihn kein Halt mehr: Er schmeißt alles hin und fährt nach Kleinasien.
Ansteckender Lernwille
Seine Aufzeichnungen wurden für das Hörbuch gekürzt - dennoch kommt viel von Schliemanns Charakter durch in der Audio-Fassung. Sein ungebremster Lernwille und seine Faszination für Homer wirken ansteckend. Seine Konsequenz, sein erfolgreiches Geschäft zu verkaufen, um seiner Leidenschaft als autodidaktischer Archäologe zu frönen ist bewundernswert. Er ist wie ein Sherlock Holmes - sucht Indizien, kombiniert. Läuft Wege ab und spekuliert. Und ist sich schließlich sicher, das alte Troja gefunden zu haben: Hisarlik
Auch diese Ortung Trojas wird heute angezweifelt, es wird sogar behauptet, bei der Stadt des Priamos handele es sich um einen erfundenen Ort. Was aber bleibt, ist die ungebrochene Faszination für die antike Stadt - und ein großer Teil davon kommt von Heinrich Schliemann.
Heinrich Schliemann: "Auf der Suche nach Troja. Reisebericht", Sprecher: Frank Arnold, 1 CD mit 78 Minuten, 9,95 Euro, Audiobuch-Verlag ISBN 978-3-89964-280-3.

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