SHMF : Der tanzende Dirigent und das tadellose Spiel von Zwillingen

Vertrautes Duo: Ferhan und Ferzan Önder an ihren Flügeln.  Foto: lukas
Vertrautes Duo: Ferhan und Ferzan Önder an ihren Flügeln. Foto: lukas

Michiyoshi Inoue tanzt in Sonderburg: Auf dem Pult schneidet er Grimassen, stellt als Pantomime jede Szene nach, die die Musik an diesem Abend in den Notenhimmel zeichnet.

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30. Juli 2011, 10:48 Uhr

Sonderburg | Als 14-Jähriger hatte der Japaner Michiyoshi Inoue noch Ballett-Tänzer, Ballerino, werden wollen, 41 Jahre später steht er im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) im dänischen Sonderburg als Dirigent auf der Bühne des hochmodernen Alsion-Gebäudes. So gesehen wurde mit den "Three Film Scores" für Streichorchester Inoue im wahrsten Sinne des Wortes der perfekte Soundtrack geboten. Das Werk seines Landsmannes Toru Takemitsu basiert dabei im Kern auf Filmmusiken. Und so wandelt sich Michiyoshi Inoue im Laufe der nachfolgenden Minuten zum energiegeladenen Spiel des japanischen Kanazawa-Ensembles vom Boxer zum trauernden Familienmitglied, zum Opfer eines Atombombenangriffes und zu so vielem mehr.
Mit Francis Poulencs Konzert für zwei Klaviere geht es weiter. Wundervoll übernehmen Ferhan und Ferzan Önder hier den Klavierpart. Mit ihrem tadellosen Spiel fügen sie sich geschmeidig in den Klangkörper des japanischen Kammerorchesters ein, während Inoue unermüdlich die gesamte Bandbreite der Dynamik abruft und jeden Takt förmlich in die Luft zu malen scheint. Flott geht es in Johann Sebastian Bachs c-Moll-Konzert BWV 1060. Ursprünglich für die Soloinstrumente Oboe und Violine geschrieben, möbeln die türkischen Zwillingsschwestern im Alsion den alten Thomaskantor am Flügel ordentlich auf.
Im zweiten Satz wird ihm etwa kurzerhand ein romantisch anmutendes Klangkostüm übergestülpt. Passen tut ihm dies allemal, wunderschön anzuhören ist es obendrein. Das Publikum dankt es mit Applaus. Und immer wieder ist da ein in jeder Hinsicht grandioser Michiyoshi Inoue. Im zweiten Satz von Haydns drolliger G-Dur-Sinfonie wird er sich später an diesem Abend noch mit einem breiten Grinsen dem Publikum zuwenden, seinem Publikum. Just in dem Moment, wenn der berüchtigte Paukenschlag ertönt. Er ist wahrlich ein Schelm. Doch er ist einer, den diese Musik gut gebrauchen kann.
(shz)

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