Frank Ramond : Der Mann, der seine Texte vergisst

Frank Ramond schreibt die Texte jetzt für sich selbst. Foto: 105 music
Frank Ramond schreibt die Texte jetzt für sich selbst. Foto: 105 music

Frank Ramond hat für Roger Cicero und viele andere so gute Texte geschrieben, dass ihre Songs Hits wurden. Jetzt hat er sein eigenes, zweites Album aufgenommen.

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19. August 2011, 11:13 Uhr

"Wär Zeit mich mal zu melden / ich wär wieder mal dran". Nachdenklich sind die Töne, die Frank Ramond auf seiner neuen CD anschlägt. "Ganz klar" heißt sie und ganz klar ist auch, dass Ramond auf ihr vor allem mit seinen Texten überzeugt. Nicht ganz klar ist, dass der 47-Jährige in seinen elf neuen Songs in den Spiegel schaut, sich selbst beobachtet, sich mit den eigenen Empfindungen und Gedankenspielen beschäftigt. Denn Ramond ist vor allem bekannt als Verseschmied für andere. Ina Müller zum Beispiel. Sie liebt die pointenreichen Sprachspiele, findet aber, dass man sie sich schwer merken kann. "Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht", gesteht der Erfolgspoet. Wie schwer es ist, seine teils vertrackten Verse zu behalten, hat Ramond erlebt, als er vor zwei Jahren sein erstes eigenes Album als Sänger aufnahm. "Ich vergesse einfach meine Texte, kann sie mir nicht merken", bekennt der sympathische Musiker unverhohlen, um dann abenteuerliche Geschichten von Blackouts auf der Bühne und einigen skurrilen Texterinnerungsmaßnahmen zu erzählen. Ramond steht zu seiner Schwäche. Vielleicht macht ihn das so sensibel für all die großen und kleinen Schwächen seiner Mitmenschen, die er gern in seinen Wortspielen aufs Korn nimmt.
Spätestens 2004 - seit dem Überraschungserfolg von Annett Louisan, für deren Debüt "Bohème" Ramond das Konzept erarbeitete und die Texte schrieb - wird seine Sprachkunst bei deutsch singenden Musikern hoch geschätzt, gilt sein Name fast schon als Garantie für eine Gold- oder Platin-Trophäe. "Einen wie Frank Ramond hat es in der bundesdeutschen Pop-Geschichte noch nicht gegeben", schrieb der "Spiegel" und meint damit einen, der irgendwo zwischen Chanson, Pop und Schlager anzusiedeln ist und ein Publikum anspricht, das nicht mehr ganz jung ist, Freude an guten deutschen Texten und Lust auf poppig-swingende Rhythmen hat. Songs, die ab und rein gehen. Bei denen man schnell versucht, sie genauer zu erfassen, weil sie Tiefgang haben, ohne vergrübelt zu sein. Lieder mit Botschaften, aber ohne politisches Bekennertum. Böswillige sprechen vom Mainstream, andere lieber von geistvoller Unterhaltung.

Ina Müller, Barbara Schöneberger oder Roger Cicero ließen sich von ihm Songs quasi auf Leib und Seele schreiben. Es machte sie zu Stars. Denn Ramond trifft den richtigen Ton, schafft mit jedem Song eine Facette der Persönlichkeit, jongliert dabei mit Witz und Ironie. Auf seiner eigenen CD gibt es diese Grundierung auch, aber es überwiegen die nachdenklichen Töne, "denn wir hatten einige Schicksalsschläge in der Familie". Das erzählt Ramond ohne darauf näher eingehen zu wollen. Für den leidenschaftlichen Familienvater - Ramond hat zwei Söhne - ist das Leben mit Frau, Kindern und guten Freunden "wichtiger als jeder Erfolg". Er singt davon und von den vielen Bemühungen, Liebe und Freundschaften zu schätzen und zu erhalten. Aber auch von dem unsympathischen Aufschneider, dessen Vorurteile nichts und niemanden verschonen, vom schlechten Personal, vom Weltuntergang oder von der Golf-Generation. Martin Ligau, der die meisten Ramond-Songs vertont hat, schafft mit seinen vorwiegend auf akustische Instrumente ausgelegten, melodiösen Kompositionen genau die eingängige Leichtigkeit und Klarheit, die auch den Texten eigen ist. Ramond singt Ramond ist so eine geglückte Selbstbetrachtung, ein Hinhörvergnügen.

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