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Landesmuseen in Schleswig : Der Gottorfer Codex kehrt heim

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Leitung der Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen zieht positive Bilanz für das Jahr 2013 und freut sich auf eine besondere Ausstellung.

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erstellt am 11.Dez.2013 | 07:00 Uhr

Schleswig | Kirsten Baumann winkelt die Arme an, ballt ihre Fäuste und lässt innerlich einen Freudenschrei los, den man auch in ihrer Umgebung zu hören glaubt. Die Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte – seit 100 Tagen im Amt – freut sich auf eine besondere Ausstellung, die sie im kommenden Jahr auf der Gottorfer Museumsinsel präsentieren kann: Der Gottorfer Codex, ein Pflanzenbuch aus dem 17. Jahrhundert, kommt für fünf Monate aus Kopenhagen nach Schleswig. „Mit der Ausstellung des Gottorfer Codex ist uns ein echter Coup gelungen“, sagte Baumann gestern auf der Jahrespressekonferenz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, bei der Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt wurde.

Die Stimmung der Verantwortlichen der Landesmuseen war insgesamt gut. „2013 war für uns ein erfolgreiches Jahr“, sagte der Leitende Direktor Claus von Carnap-Bornheim, der sich vor allem zufrieden zeigte, da 2013 wichtige Personalfragen geklärt werden konnten. Abgesehen von Kirsten Baumann wurde mit Guido Wendt ein neuer kaufmännischer Geschäftsführer gefunden.

Auch andere Fragen konnten geklärt werden: So führte man erstmals eine repräsentative Besucherbefragung durch. Demnach bleiben 40 Prozent der Museumsgäste länger als drei Stunden auf der Schlossinsel und sehen sich dort im Durchschnitt mehr als drei Ausstellungen an. Das zeige, dass das breite Angebot wahrgenommen werde, meinte von Carnap-Bornheim. Aber auch Kritikpunkte wurden durch die Besucherbefragung aufgedeckt: Zum Beispiel schneide Schloss Gottorf bei der sogenannten Entschleunigung schlecht ab – ein Trend im Museumsbereich, bei dem es darum geht, den Gästen ausreichend Zonen für Entspannung zu bieten.

Mit Erkenntnissen wie diesen und einem zum Greifen nahen Masterplan, wie die Landesmuseen bis 2025 entwickelt werden sollen, fühle man sich langfristig auf einem guten Weg. „Wir müssen Schloss Gottorf neu denken“, sagte von Carnap-Bornheim. Kurzfristig wolle man ein neues Theater in Schleswig fördern (die Stiftung würde dafür den Hesterberg zu günstigen Konditionen hergeben) und den Umzug der Volkskundlichen Sammlung ins Freilichtmuseum Molfsee vorantreiben (hierfür sind eine Lagerhalle mit 10.000 Quadratmetern Fläche sowie ein Ausstellungsgebäude nötig). Zuversichtlich ist von Carnap-Bornheim, dass das museale Wikingerdorf Haithabu und das Danewerk bis 2015 zum Weltkulturerbe erklärt werden. Unterdessen musste man die Entscheidung akzeptieren, dass die Gottorfer Schlosskapelle vorerst kein Kulturerbesiegel erhält.

Aufmerksamkeit in Form eines Weltkulturerbes würde der Stiftung vermutlich gut tun. Denn die Besucherzahlen sind zwar nicht schlecht, lassen aber zu wünschen übrig. Ins Gottorfer Schloss kamen 2013 mit 103.500 Besuchern zwar 2,1 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr, doch mit Blick auf alle Einrichtungen der Landesmuseen (252.000 Gäste) zählte man 2,4 Prozent weniger Besucher als im Jahr 2012. „Das ist ein sehr moderater Rückgang“, sagte Guido Wendt. Im Vergleich zum Vorjahr wirken die Besucherzahlen zwar relativ zufriedenstellend, doch wenn man bedenkt, dass die Landesmuseen seit 2006 rund 50 000 Besucher pro Jahr verloren haben, so wird deutlich, unter welchem Druck die Verantwortlichen stehen, wenn es darum geht, Gäste in die Häuser zu locken.

Erfreulicher als die Besucherzahlen sind für den kaufmännischen Geschäftsführer die Finanzen. „2013 werden wir eine schwarze Null erreichen.“ 2014 werden statt 7,3 Millionen Euro 8,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Erhöhung sei nötig, um Steigerung von Lohnkosten und allgemeinen Kosten aufzufangen, erklärt Wendt.

Der Haushalt wird unter anderem dadurch verbessert, dass man auf neun Vollzeitstellen verzichtet. Dann wird es noch 115 Stellen an den Landesmuseen geben. „So intensiv sind auf Gottorf noch nie Stellen abgebaut worden“, sagte Wendt.

Sorge bereitet Wendt der Barockgarten. Ein aggressiver Pilz zerstört die Buchsbaumhecken. „Wir machen Testpflanzungen mit anderen Buchssorten, Eibe, Lebensbaum und Kletter-Spindelstrauch.“ 2014 wird man wie 2013 auf den Eintritt für den welken Barockgarten verzichten.

Der Garten wird aufblühen, wenn man solch einen grünen Daumen beweise wie Kirsten Baumann. „Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass wir den Gottorfer Codex bekommen.“ Die vier Bände leiht das Statens Museum for Kunst in Kopenhagen aus. Baumann freut sich über das Vertrauen. Die Kopenhagener sagten ihr: „Wir sind ja fast verwandt – wenn wir ihn ausleihen, dann nach Gottorf.“ Nach der fünfmonatigen Ausstellung (25. Mai bis 26. Oktober) wird der Codex wieder im Kopenhagener Archiv verschwinden.

Abgesehen von dieser Ausstellung würdigt Schloss Gottorf zwei schleswig-holsteinische Künstler: Der Bildhauer Manfred Sihle-Wissel erhält eine Retrospektive (23. Februar bis 4. Mai), der Maler Friedel Anderson zeigt aktuelle Kunstwerke (26. Oktober bis 23. Februar 2015).

Der Gottorfer Codex ist ein vierbändiger Pflanzenatlas, der zwischen 1649 und 1659 vom Hamburger Künstler Hans Simon Holtzbecker geschaffen wurde. Schloss Gottorf war zu dieser Zeit eines der kulturellen Zentren Europas. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf beauftragte Holtzbecker, die Pflanzenwelt des Gottorfer  Gartens auf großformatigen Pergamenten zu dokumentieren. Die Sammlung von Pflanzenporträts war nach dem Nordischen Krieg im 18. Jahrhundert nach Kopenhagen gelangt. Der Codex enthält  1180 Gouachen auf 363 Seiten.
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