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Konferenz auf Amrum : Der Friesenrat zwischen Whatsapp, NSA und der Anerkennung als Minderheit

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Friesisch mit seinen Dialekten ist für Außenstehende oft nicht zu verstehen. Jüngere entdecken derzeit die Vorteile.

shz.de von
erstellt am 03.Nov.2017 | 08:21 Uhr

Amrum/Bredstedt | Die Volksgruppe der Friesen will den Kurs für die nächsten Jahre abstecken. Der Friesenrat Sektion Nord will bei einer Konferenz auf Amrum in Bereichen wie Bildung, Medien, Kunst, Sprachvermittlung und Politik Ziele für die Zukunft prüfen und mit einer Resolution anpassen. Das Treffen findet von Freitag bis Sonntag statt. „Wir sind abhängig von öffentlichen Geldern“, sagte der Geschäftsführer des Friesenrates Sektion Nord, Frank Nickelsen.

Daher sei es wichtig, auch die neu gewählten Abgeordneten und eine neuen Bundesregierung für die Belange der Volksgruppe zu sensibilisieren. „Auf Landesebene sind wir ganz gut aufgestellt.“ Die Minderheiten sind präsenter. Berlin ist weiter weg.

Dies lässt sich auch an den Ortsschildern ablesen: In Nordfriesland sind diese oft zweisprachig deutsch – friesisch. Schätzungen zufolge sprechen in Nordfriesland rund 10.000 Menschen im Alltag friesisch. Rund 60.000 Menschen sind nach Angaben des Minderheitensekretariats ihrem Selbstverständnis nach Friesen.

Die Volksgruppe lebt in Deutschland an der schleswig-holsteinischen Westküste und im nordwestlichen Niedersachsen sowie im Kreis Cloppenburg. Zur Volksgruppe gehören zudem die Westfriesen, die in den Niederlanden als nationale Minderheit anerkannt sind.

Obwohl die Gruppe relativ klein ist, ist es schwierig gemeinsame Ziele zu formulieren: „Die Friesen sind eine sehr heterogene Gruppe.“ Dies fange bei der Sprache an: Helgoländer Friesisch ist auf dem Festland kaum zu verstehen und eher etwas für geübte Linguisten. Allein in Nordfriesland gibt es mehr als zehn Dialekte. Da beispielsweise ein verbindliches (Wörter-)buch für den Schulunterricht zu erstellen, sei nicht einfach.

Es gebe viele bekennende Friesen, die die Sprache nicht mehr beherrschten, sagte Nickelsen. Diese wieder ans Friesische heranzuführen, sei ein Wunsch. Bei manchem Jugendlichen ist die schwierige Sprache gerade im Kommen, beispielsweise für die Kommunikation in WhatsApp-Gruppen oder anderen Social-Media-Bereichen. „Sie finden es cool, eine Sprache zu benutzen, die die NSA nicht abhören kann“, sagte Nickelsen augenzwinkernd.

Für die Zukunft wünscht sich der Friesenrat unter anderem dass die formale Anerkennung als nationale Minderheit und die daraus erwachsenden Rechte besser umgesetzt werden. „Daran hapert es noch oft, sagte Nickelsen. Etwa, wenn ein Friese in einem Rechtsstreit in seiner Sprache vor Gericht ziehen will. Theoretisch könne er das, den Dolmetscher müsse er aber aus eigener Tasche zahlen, bemerkte Nickelsen. Und dann sprechen viele eben doch lieber Deutsch.

Um für die Anliegen der Volksgruppe zu werben, wollen einige Nordfriesen im kommenden Jahr zu Pfingsten mit dem Rad in die europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden in den Niederlanden fahren. Unter dem Motto „Tuhuupe Luupe“ (Zusammen Laufen) wollen sie von Bredstedt über Helgoland und Ostfriesland nach Leeuwarden in Westfriesland radeln. „Wir wollen zeigen, dass es den Gedanken des ,Mare Frisicum‘ immer noch gibt.“ Als „Friesisches Meer“ wurde die Nordsee früher oft bezeichnet.

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