Lars von Trier in Cannes : Der Däne und Hitler

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Der dänische Regisseur Lars von Trier hat mit seinen Nazi-Äußerungen in Cannes die ganze Film-Branche gegen sich aufgebracht.

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21. Mai 2011, 10:46 Uhr

Der kleine Lars musste mit leerem Magen ins Bett - er hatte sich mächtig daneben benommen. Lars hatte mit Hitler sympathisiert, in aller Öffentlichkeit, und damit das Filmfest von Cannes und den Rest der Welt gegen sich aufgebracht. Zu Essen gab es für ihn nichts mehr. Die Besitzer eines Nobel-Restaurants setzten den Unruhestifter und seine 400 geladenen Freunde kurzerhand vor die Tür.
Rückblende: Gleicher Tag, einige Stunden früher - Lars von Trier sitzt auf einer Pressekonferenz. Sein Film "Melancholia" soll auf den berühmten Filmfestspielen an der Côte dAzur gezeigt werden. Anscheinend langweilt sich der dänische Filmregisseur. Die Fragen der Journalisten nerven ihn offenbar. Da macht der eigenwillige Hitzkopf das, was er immer gerne tut. Er provoziert. Das macht Spaß. Leute zu schockieren, ist genau sein Ding. Lars von Trier denkt also nicht lange nach und sagt, er könne Hitler verstehen. Er geht sogar soweit, sich als Nazi zu bezeichnen. Die Journalisten in Cannes fühlen sich wie in einem schlechten Film.
Zur "Persona non grata" erklärt
Sie wissen, der 55-jährige Filmemacher ist ein wunderlicher Zeitgenosse. Er produziert Pornos, bringt Schauspieler in unerträgliche Situationen und reist mit einem Wohnmobil nach Cannes, da er unter Flugangst leidet. Ist der nordische Kerl vor der besagten Pressekonferenz etwa auf seinem Camping-Stuhl eingenickt? Hat er zu viel Sonne abbekommen? Er scheint sie sichtlich nicht so gut zu vertragen wie Jean-Paul Belmondo, die französische Ikone, die braungebrannt die Goldene Palme für das Lebenswerk entgegennahm.
Von Lars von Trier hingegen distanzierten sich die Festivalmacher. Sie erklärten ihn zur "Persona non grata" und schlossen ihn damit vom Festival aus. Nun kann der Regisseur mit seinem Wohnwagen zurück nach Dänemark reisen. Wenn man ihn da noch über die Grenze lässt. Selbst wenn, eine Goldene Palme wird Lars von Trier nicht mitbringen, wohl eher die Erkenntnis: Kreativen Köpfen lässt man meist mehr durchgehen als normalen. Aber wenn kahl geschorene Köpfe sich durch unbedachte Äußerungen in der Öffentlichkeit bestätigt fühlen können, dann ist eine Grenze überschritten - nicht die Dänemarks, sondern die des Anstands.
Das hat der kleine Lars offenbar erkannt. Sonst provoziert er, bis alle weinen, ohne Rücksicht, ohne jede Spur von Reue. Dieses Mal hat er sich für sein Verhalten entschuldigt. Aber er braucht sich in Zukunft nicht all zu sehr zu wundern, wenn keiner mehr mit ihm spielen will.
(shz)

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