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Rene Marik : "Den Maulwurf kennt jeder - mich keiner"

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Der nuschelnde Maulwurf ist zurück - und mit ihm Puppenspieler René Marik. Im Interview erzählt er von Politik im Theater, dem Reiz des Unfertigen und dem Hasskasper.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2010 | 03:04 Uhr

Herr Marik, woher stammt Ihre Liebe für unperfekte Figuren und Helden, die nicht der klassischen Vorstellung eines Helden entsprechen? Ich glaube, das, was mich am Puppenspielen so begeistert, ist genau dieses Unfertige. Es ist eben nicht wie bei diesen Filmen aus Hollywood mit der Nachbearbeitung und den Special-Effects. Ich mag, dass die Leute die Puppenspiele ansehen, noch ganz viel hinzuassoziieren müssen. Und seien es nur die Beine der Figur.
Inwieweit braucht Comedy denn heutzutage solche Figuren? Ich weiß nicht, ob Comedy solche Figuren braucht - oder ob sie jemand vermissen würde, wenn es sie nicht gäbe.
Es gibt eine neue Figur bei ihrer Show "Kasperpop". Was für einen Charakter hat der Glatzenkasper? Der Hasskasper - der hat zwar eine Glatze, heißt aber Hasskasper. Das ist eigentlich eine allegorische Figur. Das ist das Böse schlechtin. Der taucht auf und tut Böses. Er sagt auch nicht besonders viel. Was das besondere bei der Figur ist: Der wird nicht nur von mir gespielt, sondern von ganz vielen Leuten. Wir stellen bei den Vorstellungen die Hasskasper-Box auf, in der die Zuschauer erzählen können, was ihnen nicht gefällt. Das nehmen wir auch auf Video auf und zeigen während der Vorstellung Teile daraus.
Worüber genau, denken Sie, lachen die Menschen bei Figuren wie dem blinden, kaum zu verstehenden Maulwurf oder dem Eisbären "Kalle"? Das weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Bei dem Maulwurf ist es ganz viel das Direkte. Der Maulwurf hat ja keine Kontrollinstanz, die über ihn wacht. Der sagt immer alles ganz direkt. Manchmal sagt er auch gemeine Sachen. Oder er ist niedlich. Das finde ich lustig an der Figur.
Woher hat er denn seinen prägnanten Sprachfehler? Der ist passiert. Der war immer schon so. Den Maulwurf hat mal ein Kommilitone von mir gebastelt. Ganz am Anfang war der sogar noch schwerer zu verstehen. Sonst hat sich seitdem aber nicht mehr viel verändert.
Durch Sie erlebt das Puppenspiel wieder eine Renaissance. Sonst wurde diese Kunst doch immer eher mit Theater für Kinder in Verbindung gebracht. Es gibt eine Menge Puppenspieler. Und es gibt eine Menge großartiger Puppenspieler, die für Erwachsene spielen. Ich finde es schon ermüdend, das immer wieder dazu sagen zu müssen. Dabei ist das erst seit der Weimarer Republik so. Als irgendwer auf die Idee kam, dass der Kasper gut dazu geeignet sei, Kindern bestimmte Inhalte näher zu bringen. Erst seitdem hat das Puppenspiel ja dieses Stigma als Kindertheater.
Und die Folgen merken Sie auch in ihren Vorstellungen? Natürlich kommen auch noch Leute und bringen ihr Fünfjähriges Kind mit in die Acht-Uhr-Vorstellung. Ich würde mein Fünfjähriges Kind doch aber auch nicht mit zu Mario Barth nehmen und mich dann wundern, dass die Vorstellung bis elf Uhr nachts dauert.
Sie waren stets ein sehr politisch-denkender und politisch engagierter Mensch. Unter anderem waren Sie auch in der Hausbesetzerszene aktiv. Wie politisch sind Ihre Programme? Leider, glaube ich, ist das aktuelle Programm gar nicht politisch. Eventuell noch immer etwas mehr als das Vorgängerprogramm "Autschn!", weil es um Katastrophen geht. Ich habe viel darüber nachgedacht, über Politik im Theater. Mit politischem Kabarett kann man mich zum Beispiel jagen. Ich finde es immer sehr schwer, wenn jemand vorne steht und versucht, die Welt zu erklären. Doch ich denke viel darüber nach. Eine endgültige Lösung habe ich noch nicht gefunden.
Verschwinden Sie als Künstler eigentlich hinter Ihren Figuren? Jetzt kommen auch wieder einige Fernsehauftritte, bei denen ich auch als Person zu sehen bin. Dann erkennen mich auch einige Leute. Im Grunde bin ich aber anonym. Viele Leute kennen inzwischen den Maulwurf, doch mich nicht.
René Marik tritt mit seinem neuen Programm "Kasperpop" am 11. Dezember im Deutschen Haus in Flensburg auf.

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