Studio Filmtheater Kiel : „Deichbullen“: Serie aus SH läuft demnächst bei Netflix

So lässt es sich aushalten: Die Deichbullen Hartmut Paulsen (Christian Dabeler, links) und Klaus Kante (René Chambalu) bei der Arbeit.
So lässt es sich aushalten: Die Deichbullen Hartmut Paulsen (Christian Dabeler, links) und Klaus Kante (René Chambalu) bei der Arbeit.

Der Kieler Filmemacher Michael Söth schafft es mit der Low-Budget-Serie zum Streamingdienst. Sie soll noch dieses Jahr anlaufen.

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19. Dezember 2017, 11:42 Uhr

Kollmar/Kiel | Auf den ersten Blick ist er einer dieser coolen, norddeutschen Typen. Kräftige Statur, klarer Blick und breiter Slang. Man erwartet von ihm nicht viele Worte, dafür aber einen treffenden Spruch. Doch derzeit ist Michael Söth ziemlich unruhig. Denn der Filmregisseur aus Kiel präsentiert seine neue Web-Serie „Deichbullen“, am Donnerstag feiert er im Studio Filmtheater in Kiel die Premiere.

 „Letzte Woche war ich in einer Phase voller Zweifel, nun steigt die Nervosität“, sagt Söth. „Ich hoffe, dass die Zuschauer zufrieden sein werden.“ Vieles spricht dafür, dass es so kommen könnte. Denn was Söth derzeit erlebt, ist eine wahre Erfolgsgeschichte, die sein kleines Serienprojekt bis zum großen Streamingdienst Netflix getragen hat. Ein Beleg dafür, dass man es mit guten Ideen weit bringen kann. Die Serie, die nun sieben Folgen mit je 22 Minuten Länge hat, drehte der gelernte Steuerfachgehilfe teilweise schon 2015.

M. Söth
Foto: Sven Bohde
Michael Söth ist ein Filmemacher aus Kiel.

Auf dem Land lauern die wirklichen Gefahren

Der 52-Jährige, der mit „Deichking“ einen Kultfilm geschaffen hat, entwickelte damals das Konzept für die „Deichbullen“ als Langfilm: Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei ältere Hamburger Polizisten, die aus ihren Revieren in die norddeutsche Tiefebene versetzt werden. In Kollmar an der Elbe lernen die beiden Großstadtpolizisten ein völlig neues Leben kennen. Hier auf dem Land lauern die wirklichen Gefahren.

Das Drehbuch schrieb Söth gemeinsam mit seinen zwei Hauptdarstellern, Reverend Christian Dabeler (Hartmut Paulsen) und René Chambalu (Klaus „Kiez“ Kante). „Sowas machen wir im Team“, sagt Söth. Das Gespräch mit den Kollegen helfe ihm, komische Wendungen für die Handlung zu finden. Vor allem unterhaltsam sollte es werden. Und das wurde es. Allerdings nicht als 90-Minüter, sondern als Serie, weil die Finanzierung schwer gefallen war.

Söth stellte zehn fünfminütige Folgen ins Internet und erhielt dafür jeweils bis zu 20.000 Klicks. Beim Webfest in Berlin gewann er einen Distributionsvertrag mit der französischen Firma Rockzeline. Die Serie wurde daraufhin an den Streamingdienst Watchever verkauft. Ab Oktober 2016 lagen die Rechte wieder bei Michael Söth, der mit der Serie weitere Erfolge auf Webserien-Festivals feiern konnte. So wurden die Deichbullen zur besten Webserien-Comedy 2015 vom französischen WebSeriesMag gekürt.

Beste Webserien-Comedy 2015

„Die Franzosen lieben die Deichbullen“, sagt Söth. Dort möge man schrullige Charakterköpfe. „Dagegen werden in Deutschland Schauspieler meistens nur nach Schönheit gecastet“, meint Söth.

Da die ungewöhnliche Polizisten-Serie gut beim Publikum ankam, dachte Söth daran weiterzumachen. „Wie das so ist mit Serien: Sie machen süchtig“, scherzt der Filmemacher. Nur dieses Mal wollte er die Finanzierung auf sichere Beine stellen. Also versuchte er Gelder einzuwerben, zum Beispiel durch Productplacement. Klappte nicht.

Das Projekt stand auf der Kippe. Dann kam ein Anruf von Studio Hamburg. Die Produktionsfirma war auf die „Deichbullen“ aufmerksam geworden und zeigte Interesse. Söth handelte einen Deal aus, der ihm komplette Freiheit ließ. Er wollte nicht, dass ihm jemand reinredet. Anschließend fragte er sein Team, ob es wieder dabei ist. „Alle haben sofort zugesagt“, sagt Söth. „Das Team glaubt an das Projekt.“ Innerhalb von vier Wochen im Mai wurde gedreht. Danach wurde geschnitten, und nun kommt es zur Premiere.

Der Trailer zur Serie:

Deichbullen auf Netflix

Doch damit nicht genug: Söth hat etwas erreicht, wovon derzeit alle Filmemacher träumen: Seine Serie „Deichbullen“ wird nicht nur auf DVD erhältlich sein, sondern noch in diesem Jahr auf Netflix laufen. Studio Hamburg hatte den Kontakt zum Streamingdienst hergestellt. Wie genau, weiß selbst Michael Söth nicht.

 „Mein Kameramann Hannes musste mir erstmal die Netflix-Welt erklären. Aber das ist das, wo alle hinwollen“, meint Söth. Denn die Sehgewohnheiten der Zuschauer ändern sich derzeit enorm. Kinder gucken Serien auf Smartphones oder Tablets der Eltern, Jugendliche gucken kaum noch Fernsehen, und auch viele Erwachsene bestimmen selbst, wann sie was sehen wollen – Streamingdiensten sei Dank.

„Erste Staffel nur ein Prolog“

Allerdings sollte man die Fernsehausstrahlung noch nicht ganz abschreiben. Deswegen macht sich Söth auch die Hoffnung, dass die „Deichbullen“ es auch irgendwann ins Programm eines Senders schaffen.

Es wird deutlich, dass die Erfolgsgeschichte weitergehen könnte. Wie bei der ersten Staffel der Serie „Deichbullen“ ist das Ende offen. Eine zweite Staffel hat der Filmemacher bereits fertig im Kopf. „Die erste Staffel ist eigentlich nur der Prolog“, erwähnt Söth, „ich habe noch viel mit den Deichbullen vor.“

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