Ausstellung aus Kopenhagen : Das Leben eines Terroristen in Bildern

Märtyrermuseum
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Bis zum 16. Dezember kann die Ausstellung in Hamburg besichtigt werden.

Im Rahmen des Festivals Nordwind zeigt die Kulturfabrik Kampnagel das umstrittene „Märtyrermuseum“ der dänischen Künstlergruppe „The Other Eye of The Tiger“.

shz.de von
08. Dezember 2017, 17:50 Uhr

Hamburg | Der 9/11-Massenmörder Mohammed Atta auf einer Stufe mit Martin Luther King, Bataclan-Attentäter Ismael Omar Mostefai in einer Reihe mit dem Auschwitz-Opfer Maximilian Kolbe: Die Ausstellung „Märtyrermuseum“, die Freitag auf Kampnagel eröffnet wurde, ist in den Augen vieler die reinste Provokation.

Die Schau im Rahmen des Nordwind-Festivals zeigt bis zum 16. Dezember insgesamt 20 „Märtyrer“ der Geschichte und der jüngeren Vergangenheit, wobei die Aufnahme auch islamistischer Terroristen bereits für viel Ärger gesorgt hat. In Berlin, wo die Ausstellung zuvor zu sehen war, erstattete AfD-Politikerin Beatrix von Storch Strafanzeige wegen „Verherrlichung und Legitimierung von islamischem Terrorismus“. Ähnlich vehement hatten Kritiker in Kopenhagen versucht, das „Märtyrermuseum“ bei dessen Premiere 2016 zu verhindern.

Ausstellungsmacher ist das junge dänische Künstlerkollektiv „The Other Eye of The Tiger“ (Das andere Auge des Tigers), das damit nun auf Tournee geht. „Wir wollen möglichst viele Aspekte beleuchten, die einen Märtyrer ausmachen können“, begründen Ida Grarup Nielsen und Henrik Grimbeck ihr umstrittenes Projekt.

Mit der „exemplarischen Auswahl“ der Märtyrer wollen sie aufzeigen, „wie breit gefächert dieser Ausdruck über die Jahrhunderte hinweg genutzt wurde“. Die Schau widme sich der Frage, wie Märtyrertum funktioniert. „Wie werden Menschen dazu gebracht, ihr Leben zu opfern für ihre Überzeugung? Und welchen Nutzen ziehen Gesellschaften, Gruppen oder auch Terrororganisationen aus Märtyrern?“ Von Verherrlichung der Personen und ihrer Taten könne keine Rede sein, verteidigen sich die Künstler. „Terroristen werden als Terroristen benannt, Geiseln als Geiseln, Mörder als Mörder.“

Die Besucher erwarten Fotos und Gegenstände von Märtyrern und solchen, die von ihren Anhängern als solche gesehen werden, dargebracht im Stil eines Museums. Zu sehen ist auch eine Eintrittskarte fürs Bataclan-Theater vom 13. November 2015, dem Tag des Anschlags von Paris. Und eine verstaubte Computertastatur, wie sie in den Trümmern des World Trade Centers gelegen haben könnte. Bei den Exponaten handelt es sich allerdings nicht um Originale, sondern um Nachbildungen. Ein englischsprachiger Audioguide erläutert die Schicksale und Hintergründe.

Kampnagel-Intendantin Ameli Deuflhard steht zur Entscheidung, die Ausstellung nach Hamburg geholt zu haben. Sie sagt: „Es gibt keine allgemein gültige Definition dafür, was Märtyrertum ist. Das Projekt provoziert – gerade weil es sehr unterschiedliche Sichtweisen zeigt und diese als Museum präsentiert.“

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