Unesco : Danewerk und Haithabu kein Weltkulturerbe – Komitee fordert Nachbesserungen

Rekonstruierte Wikingerhäuser in Haithabu.
Foto:
Rekonstruierte Wikingerhäuser in Haithabu.

Die Sammelbewerbung zur Wikingerkultur schafft es vorerst nicht auf die Liste. Die Hamburger Speicherstadt, über die am Sonntag abgestimmt wird, hat größere Chancen.

shz.de von
04. Juli 2015, 13:17 Uhr

Bonn | Eine Sammelbewerbung zur Wikingerkultur mit deutscher Beteiligung hat es im ersten Anlauf nicht auf die Unesco-Welterbeliste geschafft. Das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation forderte am Samstag in Bonn wie zuvor erwartet umfassende Nachbesserungen. Deutschland war mit dem Wikingerhandelszentrum Haithabu und den Verteidigungswällen des Danewerk in Schleswig-Holstein an dem Antrag von fünf Ländern beteiligt.

Spannend für Deutschland wird es am Sonntagmorgen: Dann entscheidet das Welterbekomitee über die deutschen Einzelbewerbungen mit der Hamburger Speicherstadt und dem Naumburger Dom. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Speicherstadt und das angrenzende Kontorhausviertel mit dem berühmten Chilehaus zum Weltkulturerbe ernannt wird. Dagegen stehen die Chancen für den Naumburger Dom mit der hochmittelalterlichen Landschaft an Saale und Unstrut schlecht. Dem Antrag droht, komplett verworfen zu werden, so dass auch keine Nachbesserung möglich wäre.

Die Sammelbewerbung zur Wikingerkultur unter der Federführung Islands hat nach der Überarbeitung immerhin noch Chancen auf eine spätere Aufnahme in die Welterbe-Liste. Der Antrag umfasst sieben archäologische Denkmäler und Stätten der Wikinger aus der Zeit von 800 bis 1200 nach Christus, die auch in Norwegen, Dänemark und Lettland liegen.

Der Internationale Denkmalrat ICOMOS hatte Bedenken geäußert, ob mit den sieben Stätten das gesamte Phänomen der Besiedlung und des Handels durch die Wikinger in Nordeuropa nachgewiesen werden könne. Letztlich sei das Konzept zu vage für ein so ehrgeiziges Projekt.

Die Wikinger-Siedlung Haithabu in der Nähe des heutigen Schleswig war eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas vom 9. bis 11. Jahrhundert. Die Siedlung mit Hafen in einem Seitenarm der Schlei war 1897 wiederentdeckt worden. Der frühmittelalterliche Befestigungswall Danewerk bei Schleswig gilt als das größte Bodendenkmal Nordeuropas. Der Wall diente den dänischen Königen vor mehr als 1000 Jahren als Befestigung der Südgrenze ihres Reiches.

Die Unesco nahm am Samstag mehrere weitere Stätten in die Welterbeliste auf. Dazu gehört auch der Botanische Garten in Singapur. Der südostasiatische Staat hatte sich erstmals mit einer einzigartigen Stätte für die Aufnahme in das Welterbe-Verzeichnis beworben.

Iran und Dänemark schafften es gleich mit zwei Nominierungen auf die Liste: Iranisches Weltkulturerbe sind nun die Stadt Susa mit ihrer 5000-jährigen Siedlungsgeschichte sowie das historische Höhlendorf Maymand. In Dänemark wurden die Höfische Parforcejagdlandschaft und die Siedlung Christiansfeld aufgenommen. Die chinesischen Tusi-Stätten kamen ebenso auf die Welterbe-Liste wie die Stätten der Baekje-Dynastie in Korea und der Heilige Berg Burkhan in der Mongolei.

Auf der Welterbeliste stehen derzeit knapp über 1000 Kultur- und Naturerbestätten aus 161 Ländern. Deutschland verzeichnet bislang 39 Welterbestätten. Aus Schleswig-Holstein stehen bislang zwei Stätten auf der Liste. Das steckt hinter den Wikingerstätten in Schleswig-Holstein:

Die Wikingermetropole Haithabu

Die Wikinger-Siedlung Haithabu in der Nähe des heutigen Schleswig war eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas vom 9. bis 11. Jahrhundert. Die Siedlung mit Hafen lag bei Schleswig am Haddebyer Noor, einem Seitenarm der Schlei. 1897 wurde sie wiederentdeckt, die ersten Ausgrabungen begannen um 1900.

Eine große Grabung am Hafen fand 1979/80 statt. Zum Wikinger Museum Haithabu, das zu den bedeutendsten archäologischen Museen in Deutschland zählt, gehören auch rekonstruierte Wikingerhäuser an der Originalstätte. Das Museum ist Teil der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Im Januar 2014 reichte Schleswig-Holstein mit internationalen Partnern den Antrag auf die Anerkennung von Haithabu und dem Danewerk, einem frühmittelalterlichen Befestigungswall, als Unesco-Welterbestätte ein. Die jetzige Ablehnung kam nicht überraschend. Schon im Februar 2015 wurde bekannt, dass das Welterbekomitee von Schleswig-Holstein Nachbesserungen des Antrags verlangt, der inhaltlich nicht überzeugen konnte.

Danewerk - die Chinesische Mauer des Nordens

Der frühmittelalterliche Befestigungswall Danewerk bei Schleswig gilt als das größte Bodendenkmal Nordeuropas.

Der Wall aus Erde, Mauern, Gräben und einem Sperrwerk in der Schlei diente den dänischen Königen vor mehr als 1000 Jahren als Befestigung der Südgrenze ihres Reiches, erläutern die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf und das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein. In den vergangenen Jahren fanden zahlreiche Grabungen statt. Dabei wurden etwa Reste des Unterbaus einer Straße entdeckt sowie der Anfang der sogenannten Waldemarsmauer, einer Ziegelmauer aus dem 12. Jahrhundert. Die ältesten Funde stammen aus dem 5. Jahrhundert. „Das ist unsere chinesische Mauer“, meinte 2013 der Direktor des an den Grabungen beteiligten Museums Sønderjylland, Orla Madsen.

Im Januar 2014 reichte Schleswig-Holstein mit internationalen Partnern den Antrag auf die Anerkennung der Wikingerstätte Haithabu und des Danewerks als Unesco-Welterbestätte ein. Die jetzige Ablehnung kam nicht überraschend. Schon im Februar 2015 wurde bekannt, dass das Welterbekomitee von Schleswig-Holstein Nachbesserungen des Antrags verlangt, der inhaltlich nicht überzeugen konnte.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen