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Verteidigungswall bei Schleswig : Danewerk: Archäologischer Sprung ins Jahr 540

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„Das ist unsere chinesische Mauer“: Stolz präsentieren Wissenschaft und Politik neue Erkenntnisse zum Danewerk. Der Verteidigungswall aus der Wikingerzeit ist das größte Bodendenkmal Nordeuropas.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 16:50 Uhr

Erstmals ist am Donnerstag ein kompletter Querschnitt durch den frühmittelalterlichen Verteidigungswall Danewerk bei Schleswig der Öffentlichkeit präsentiert worden. Dabei wurden auch die ältesten bisher datierten Funde des größten Bodendenkmal Nordeuropas gezeigt, die aus der Zeit um das Jahr 540 stammen. „Das ist für uns eine Überraschung und Sensation“, sagte Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein.

Derzeit werden Grabungen von deutschen und dänischen Wissenschaftlern durchgeführt, die durch eine Zuwendung des dänischen A.P. Møller Fonds ermöglicht wurden. Damit werden Untersuchungen aus den Jahren 2010 und 2011 weitergeführt. Damals war das Tor des Danewerks entdeckt worden. Es war eine Art Grenze zu Skandinavien, die südliche Befestigung des dänischen Reiches, und bestand aus Wällen, Gräben und Mauern. „Das ist unsere chinesische Mauer“, meinte der Direktor des an den Grabungen beteiligten Museums Sønderjylland, Orla Madsen. Die gemeinsamen Grabungen zeigten, dass inzwischen Grenzen überwunden seien, ergänzte der Kieler Kultur-Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer.

Erst bei den Grabungen in diesem Jahr wurde etwa der Anfang der sogenannten Waldemarsmauer, einer Ziegelmauer aus dem 12. Jahrhundert entdeckt, erläuterte die Ausgrabungsleiterin auf deutscher Seite, Astrid Tummuscheit. Die Mauer ist laut Landesamt das älteste Ziegelbauwerk der Region. Die bisher ältesten datierten Funde des Danewerks gehören zu einem Grassodenwall. Die Untersuchung mit der Radiokarbonmethode habe das immer noch enthaltene organische Material auf das 5. und 6. Jahrhundert datiert, sagte Tummuscheit. Die ältesten Schichten unterhalb des Grassodenwalls müssten aus dem 4. und 5. Jahrhundert stammen.

Das Danewerk, für das ein Welterbeantrag bei der Unesco eingereicht werden soll, stehe im „archäologischen Niemandsland“, sagte von Carnap-Bornheim. Von dieser Zeit der Völkerwanderung wisse man nur wenig. Die Grabungsergebnisse sind auch Thema beim Tag der Archäologie am Samstag in Kiel.

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