Schleswig-Holstein Musik Festival : China kulturell entdecken

Opulent und imposant: Klaus Maria Brandauer, Christiane Karg, das NDR Sinfonieorchester, der NDR Chor und der Estonian Philharmonic Chamber Choir unter der Gesamtleitung von Thomas Hengelbrock. Foto: Lukas
Opulent und imposant: Klaus Maria Brandauer, Christiane Karg, das NDR Sinfonieorchester, der NDR Chor und der Estonian Philharmonic Chamber Choir unter der Gesamtleitung von Thomas Hengelbrock. Foto: Lukas

Mit China als Schwerpunkt bietet das Schleswig-Holstein Musik Festival eine große Bandbreite. Peer Gynt eröffnet das Festival heute Abend in Lübeck - ein ungewöhnlicher Auftakt.

shz.de von
09. Juli 2012, 10:38 Uhr

Lübeck | Es ist eine dramatische Geschichte, die dem jungen Bauernsohn Peer Gynt widerfährt. Als Kind versucht er sich seine eigene Realität zu schaffen, als Sklavenhändler wird er reich, als armer, alter Mann kämpft Gynt um seine Seele. Für wahr, eine Geschichte, die es in sich hat. Und der Auftakt eines Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) hätte damit kaum ungewöhnlicher gewählt sein können.
Heute Abend wird die diesjährige Ausgabe des SHMF offiziell in der Lübecker Musik- und Kongresshalle eröffnet. Bereits gestern Abend haben das NDR Sinfonieorchester, der NDR Chor und der Estonian Philharmonic Chamber Choir unter Leitung von Thomas Hengelbrock schon einmal die von Edvard Grieg komponierte Schauspielmusik zu diesen dramatischen Versen in Lübeck zum Leben erweckt. Der österreichische Schauspieler Klaus Maria Brandauer schlüpfte dabei wunderbar in die Rolle vom Bauernsohn Peer Gynt. Unterstützt wurde er von der großartigen Echo-Klassik-Preisträgerin und Sopranistin Christiane Karg.
Große Bandbreite beim diesjährigen Festival
Musik, Gesang, Theatralisches - das SHMF gibt mit seinem ungewöhnlichen Einstand eine Ahnung von der Bandbreite, die Festivalgänger im Norden zu erwarten haben. Kein Wunder. Mit dem Schwerpunkt China stehen 5000 Jahre Kulturgeschichte auf dem Programm. Vom chinesischen Schattenspiel, über die weltberühmte Peking-Oper bis hin zu den traditionellen Ensembles der Volksrepublik ist alles vertreten.
Künstler wie die Sängerin Dadawa entführen in die Bergregionen von Chinas Minderheiten - zu Tibetern, Uiguren und Zhuang. Musiker wie die Pianistin Wang Yuja oder der Schlagzeugvirtuose Li Biao begeistern mit ihrem Talent. Spannend dürfte zweifelsohne dabei auch das Projekt des Dirigenten und Komponisten Tan Dun werden, der die legendären Martial-Arts-Filme mit Live-Musik komponiert. Und auch das gehört zur chinesischen Kultur: Tee. Meisterin Bao Lili lädt dafür in Hamburg ins Reich der Sinne. Neben all dem stehen in den kommenden Wochen auch wieder westliche Musikstars wie der Ausnahme-Schlagzeuger Martin Grubinger, Pianist Tzimon Barto oder auf dem Programmzettel. Beide gehören inzwischen fast schon zu so einer Stammbesetzung des SHMF.
Mit dabei: Lang Lang, der Exportschlager der Volksrepublik
Und ein Musiker darf natürlich in keinem Fall fehlen, gerade wenn sich in diesem Jahr beim SHMF alles um China dreht: Lang Lang. Der heute 30 Jahre alte Pianist kann zurecht als einer der größten Exportschlager der Volksrepublik gesehen werden. Ein paar seiner ersten Schritte auf dem internationalen Parkett hat er dabei zwischen Nord- und Ostsee gemacht.
Insgesamt werden 138 Konzerte gespielt. Hinzu kommen fünf "Musikfeste auf dem Lande". Und für die Jüngsten finden wieder die Kindermusikfeste statt. Unter anderem kann das SHMF dabei in diesem Jahr davon profitieren, dass der Länderschwerpunkt im Rahmen des Chinesischen Kulturjahres 2012 stattfindet.
Der Schwerpunkt China ist auch eine Chance - ein Land kennenzulernen, das zwar nahezu täglich in den Medien präsent ist, doch mit Blick auf seine Kultur und seinen Alltag noch immer vielen vollkommen unbekannt ist.

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