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G8 oder G9 in Schleswig-Holstein : Bürgerbegehren gegen Turbo-Abitur vor dem Aus

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

G8 oder G9 - was ist besser? Mehrere Bundesländer kehren zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück. Eine Elterninitiative in Schleswig-Holstein dagegen hat kaum Chancen auf Erfolg.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 15:18 Uhr

Die Volksinitiative zur Öffnung der Gymnasien für das Abitur nach neun Jahren droht zu scheitern. Knapp zwölf Monate nach dem Start hat die Initiative „G9 Jetzt!“ nach Angaben des schleswig-holsteinischen Elternvereins nur rund die Hälfte der für einen Erfolg erforderlichen 20.000 Unterschriften zusammen. „Es läuft sehr zähflüssig“, räumte die Vorsitzende des Vereins, Astrid Schulz-Evers, auf Anfrage ein.

Eine Erklärung für das dünne Echo auf die Initiative hat Schulz-Evers nicht. Der Wunsch nach G9 sei durchaus vorhanden. „Vielleicht sind die Leute ängstlicher geworden, ihre Daten in den Unterschriftenlisten zu hinterlegen.“ Aufgeben will die Initiative dennoch nicht. „Wir sammeln weiter“, sagte Schulz-Evers. Zwar werden ab Mitte März die ersten vor einem Jahr gesammelten Unterschriften verfallen. Neuen Auftrieb erhofft sich Schulz-Evers jedoch von der Debatte in anderen Bundesländern.

So hat inzwischen auch die rot-grüne Landesregierung in Hannover das Turbo-Abitur angezählt. Die Tür zum G9 sei offen, sagte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt diese Woche. Neben einer Entzerrung der Lehrpläne sei auch die Variante eines „Abiturs im eigenen Takt“ in der Diskussion. Es soll Schülern mit entsprechend guten Leistungen weiter die Chance des G8-Abiturs offenhalten.

Ähnlich läuft die Debatte in Hessen. Dort werden vom neuen Schuljahr an weitere 22 Gymnasien zu G9 wechseln. Nur noch knapp jedes dritte der 107 Gymnasien bleibe dann ein reines G8-Gymnasium. Die Mehrheit der Eltern wolle eine längere Gymnasialzeit für ihre Kinder, glaubt Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

In Bayern wirbt ein Volksbegehren für die Wahlfreiheit. In Hamburg steht eine Volksinitiative mit demselben Ziel vor dem Erfolg. Die Initiative ist die erste Stufe auf dem Weg zum Volksentscheid, der ein verbindliches Votum für den SPD-Senat bringen könnte. Nach einer Umfrage in Hamburg sind 70 der befragten Bürger gegen das Turbo-Abitur nach acht Jahren.

Optionale G9-Züge gibt es in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Schleswig-Holsteins Küstenkoalition hatte den zu Zeiten der schwarz-gelben Koalition etablierten sieben G9-Gymnasien mit dem im Januar vom Landtag verabschiedeten neuen Schulgesetz Bestandsschutz eingeräumt.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende sieht die Schulen mit dem neuen Gesetz „gut aufgestellt.“ Das Abitur nach neun Jahren sei an den Oberstufen der Gemeinschaftsschulen und den beruflichen Gymnasien Standard. Die traditionelle Gymnasium werde – von beschlossenen Ausnahmen abgesehen – beim Turbo-Abitur bleiben, sagte ein Sprecher.

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Philip Meidinger, erklärt den Trend zurück zu G9 in den Bundesländern so: Das Turbo-Abi sei auch acht Jahre nach seiner Einführung nie in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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