Altonaer Theater : Bühnenerfolg für Regeners "Neue Vahr Süd"

Georg Münzel hat Sven Regeners Erfolgsroman "Neue Vahr Süd" über einen orientierungslosen Speditionskaufmann am Altonaer Theater in Hamburg erfolgreich inszeniert.

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22. März 2011, 08:03 Uhr

Hamburg | Jung, blass und ratlos lümmelt Frank Lehmann (Sven Fricke) am Boden. Hinter ihm türmt sich ein Berg unansehnlichen 70er-Jahre-Mobiliars. Zwischen Bügeltisch, Etagenbett und Kühlschrank vollzieht sich knapp drei Stunden lang Franks Leben im gesichtslosen Bremer Neubaugebiet "Neue Vahr Süd" des Jahres 1980. Treffsicher hat Georg Münzel Sven Regeners gleichnamigen 600-Seiten-Erfolgsroman am Altonaer Theater in Hamburg inszeniert. Bei der Premiere am Sonntagabend jubelten die Zuschauer über eine amüsante und aktionsreiche Zeitreise mit viel Musik.
Die Story über den jungen, orientierungslosen Speditionskaufmann ist Teil der Lehmann-Trilogie des "Element-Of-Crime"-Frontmans Regener. Im Gewand moderner Schelmen-Bildungsromane entwirft der 1961 in Bremen geborene Autor das Psychogramm eines rastlosen Mittelstandskinds der bundesdeutschen Nachkriegswirklichkeit. Dabei ist Regener das Panorama einer Epoche gelungen.
Dem teils verpennten, teils hellwachen Protagonisten verleiht sein Darsteller Sven Fricke sehr präsente und sympathische Gestalt. Staunend, den Blick oft für lakonische Bemerkungen ("Das ist alles ein Irrtum") gen Publikum gerichtet, tapert er durch das Geschehen. Lehmann hat vergessen, den Wehrdienst zu verweigern. Da sein Vater sein Kinderzimmer zum Reparieren des Fernsehers benutzt, spaltet sich Lehmanns Dasein nun in Chaos-WG und Lettow-Vorbeck-Kaserne. Anlass für das übrige siebenköpfige Ensemble, dem Anti-Helden mit skurrilen Typenzeichnungen auf die Pelle zu rücken.

Nächste Vorstellungen: 23. März, 19 Uhr; 24., 25. und 26. März, 20 Uhr. Karten: 040/39905870

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