Tatort-Kritik : Borowskis Ehrenwort im Fall Barschel

Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Tatort 'Borowski und der freie Fall'. Foto: NDR/Marion von der Mehden
Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im Tatort "Borowski und der freie Fall". Foto: NDR/Marion von der Mehden

Der Tatort "Borowski und der freie Fall" verknüpfte den Fall Barschel mit einem fiktiven Mordfall. Ein ambitionierter Ansatz.

shz.de von
16. Oktober 2012, 11:52 Uhr

Kiel | Am Ende dieses Falles fällt er noch einmal, der berühmte Satz. Kommissar Borowski blickt versonnen auf die Kieler Förde und verspricht seiner Assistentin, dass sie den Fall Barschel eines Tages lösen werden: "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort". Borowski sagt es und meint das Gegenteil - die Ironie ist kaum zu überhören.
Nein, der Fall Barschel wird nicht mehr gelöst werden, ein letzter Ermittlungsansatz in der fiktiven Welt des Kieler Tatorts ist gescheitert. Bewiesen ist am Ende nur eines: Das Ehrenwort hat in Schleswig-Holstein seit der Barschel-Affäre offensichtlich keinen großen Wert mehr.
Viel Handlung in 90 Minuten
Es war ein ambitionierter Ansatz, den Regisseur Eoin Moore für den neuen Fall des Kieler Kommissars Klaus Borowski (Axel Milberg) gewählt hatte. Zwei Geschichten sollten zu einer verbunden werden: Ein Autor stirbt auf seiner Yacht an einer Gas-Vergiftung, schnell wird die Verbindung des Ermordeten zum Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten Uwe Barschel deutlich. Diese ungewöhnliche Idee, Realität und Fiktion derart eng miteinander zu verknüpfen, ist auch der Grund, warum Borowski und seine Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen ermitteln durften; der Tod Uwe Barschels im Genfer Hotel Beau-Rivage jährte sich in der vergangenen Woche zum 25. Mal.
So musste also viel Handlung in 90 Minuten untergebracht werden, zu viel. Neben Barschels Tod waren da immerhin noch zwei Morde zu klären - und die übliche Vorstellung aller Verdächtigen erfordert erfahrungsgemäß einige Zeit, es soll ja schließlich glaubwürdig wirken. Genau daran krankte es in "Borowski und der freie Fall": Für die Figuren blieb zu wenig Platz bei den umfassenden Barschel-Ermittlungen zwischen Geheimdienste, mysteriösen Informanten und verschwundenen Beweisen. So blieb am Ende vieles Stückwerk.
Tom Buhrow überzeugte
Polittalk-Moderatorin Ulla Jahn, immerhin die Mörderin, war ein ebenso eindimensionaler Charakter wie der homosexuelle Landesminister Karl-Martin von Treunau. Den spielte Thomas Heinze derart scheinheilig, dass er als Täter von Beginn an nicht in Frage kam - das wäre dann doch zu offensichtlich gewesen, auch wenn Borowski früh das Gegenteil behauptete: "Politiker würden die besten Mörder abgeben. Sie haben ein dickes Fell, wenig Kontakt zu ihren Gefühlen und einen vertrauten Umgang mit der Unwahrheit." Hübsch gesprochen, aber auch sehr plakativ.
So war das in Kiel, es wirkte alles etwas unecht. Tom Buhrow muss von dieser Kritik ausgenommen werden: Er spielte Tom Buhrow sehr überzeugend - aber nur in der Kantine, nicht in den Tagesthemen.

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