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Kieler Tatort mit Sequel : „Borowski und der stille Gast“ – Die Rückkehr des Psychopathen

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In Kiel wird die Fortsetzung des gefeierten Tatorts „Borowski und der stille Gast“ gedreht. Lars Eidinger spielt wieder den Frauenmörder Kai Korthals. Ein Interview.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 17:57 Uhr

Kiel | Er ist wieder da. Am frühen Donnerstagnachmittag tauchte an der Kieler Förde ein Mann auf, den viele Tatort-Zuschauer vor drei Jahren mit großer Hingabe gehasst haben: Kai Korthals, der Psychopath, der sich im März 2012 in „Borowski und der stille Gast“ in die Wohnungen seiner weiblichen Opfer schlich, in ihren Sachen wühlte, an ihrem Parfüm roch, ihre Zahnbürsten benutzte und sie schließlich brutal ermordete. In der Schlussszene des Kieler Tatorts von damals flieht er aus einem Krankenwagen – und ist verschwunden.

Am Donnerstag kletterte Korthals, der von Lars Eidinger gespielt wird, aus einem ramponierten VW-Transporter. Er hangelte sich aus der Beifahrertür, torkelte sichtlich angeschlagen vor den Wagen und trommelte mit beiden Fäusten auf die Kühlerhaube. Dann lief er in Richtung Marinehafen davon.

Erstmals in der Geschichte der Tatort-Reihe wird also ein Fall mit der Rückkehr des Mörders weitererzählt, ein sogenanntes Sequel. Ein interessantes Experiment auf der Grundlage einer Geschichte, die aufgrund ihrer psychologischen Dichte und des außergewöhnlichen Darstellers Lars Eidinger vielen Zuschauern in Erinnerung geblieben ist. Nach dem Dreh sprach Eidinger über seine Rolle und die Erwartungen an die Fortsetzung.

Herr Eidinger, wussten Sie schon damals, als Sie die letzte Szene gedreht hatten, dass es eine Fortsetzung geben könnte?
Nein. Die Anfrage für die Fortsetzung kam auch deutlich später. Aber es gab natürlich Zuschauer, die auf eine Fortsetzung spekuliert haben, auch weil der erste Teil für viel Aufsehen gesorgt hat. Es war damals eher ein Gag des Regisseurs Christian Alvart, das Ende offen zu lassen. Man kennt das ja eher aus Hollywood-Filmen, dass das Monster am Ende überlebt.

Und wann wurde die Idee konkreter?
Nach der Ausstrahlung. Da kam die Idee. Ursprünglich sollte die Fortsetzung sogar schon im vergangenen Jahr gedreht werden, das ging aber nicht, weil schon andere Folgen in Planung waren. Richtig konkret wurde es dann in diesem Jahr.

Ist das Ende dieser Folge wieder offen?

Ich glaube, im Moment lassen sich das alle Beteiligten selbst noch ein bisschen offen.

Würden Sie denn weitermachen?

Ich spiele diese Figur auf jeden Fall unheimlich gerne. Und ich hätte es sehr schade gefunden, wenn sie nur einmal aufgetaucht wäre, dafür ist sie zu kostbar.

Geht mit der Fortsetzung auch die Sorge einher, dass sie nicht mehr die Qualität der Auftaktfolge erreicht?
Ich merke beim Drehen schon, dass man sich an dem ersten Teil messen muss. Dieser Vergleich zwingt sich ja fast von allein auf. Die Arbeit mit Christian Alvart damals war phänomenal, dennoch könnte es ein Vorteil sein, dass wir jetzt mit Claudia Garde eine andere Regisseurin haben, die ihren völlig eigenen Ansatz hat – was meine Rolle betrifft, aber auch die Art, wie die neue Geschichte erzählt wird. Deshalb hoffe ich, dass die Zuschauer diesen Vergleich relativ schnell aus den Augen verlieren werden.

Ihre Figur wird also auch optisch anders aussehen?
Das muss so sein, sonst würde der Zuschauer sich ja zu Recht fragen: Wie konnte der so lange untertauchen? Da lag es nahe, zu sagen: Er hat sich längere Haare und einen Bart wachsen lassen, um nach seiner Flucht besser untertauchen zu können.

Ist dieses Sequel eigentlich ein Indiz dafür, dass das Tatort-Format moderner wird?

Ich finde es fantastisch, dass jetzt das erste Mal der Mörder wiederkommt – und ich den wieder spielen darf. Ein Sequel hat es in der Tatort-Geschichte noch nie gegeben. Dass der Tatort moderner werden muss, glaube ich aber nicht. Denn dieses Format ist auch so außerordentlich beliebt.

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