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„Tatort“-Kritik : „Borowski und der Engel“: Sehenswertes Jubiläum

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Zehn Jahre Kieler „Tatort“: In seinem 22. Fall hat es Kommissar Borowski (Axel Milberg) mit drei Leichen zu tun. Der Zuschauer erlebt eine Abwechslung zwischen Spannung und Witz. Die überzogene Schauspielerei ist dabei angemessen.

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erstellt am 29.Dez.2013 | 21:45 Uhr

Kiel | Ein sehenswertes Dienstjubiläum hat Kommissar Klaus Borowski am Sonntagabend gefeiert. Das Einschalten des „Tatorts“ aus Kiel hat sich gelohnt. Ob der 22. Fall des eigenwilligen Ermittlers alle Fernsehzuschauer zufriedenstellen konnte, ist dabei dennoch wie immer fraglich. Denn bei keinem TV-Format sind die Deutschen so kritisch, wie beim „Tatort“, bei keinem anderen Format gehen die Meinungen so weit auseinander. Die einen lieben „ihren“ Borowski, die anderen schimpfen, dass US-Amerikaner und Skandinavier sowieso viel bessere Krimis produzieren würden.

Borowski, gespielt von Axel Milberg, lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Souverän löst er den Fall. Angenehme Abwechslung zum Durchschnitts-„Tatort“ bietet die Erzählweise der Geschichte um die Altenpflegerin Sabrina Dobisch. Nicht die Ermittlungen stehen im Vordergrund, sondern das Schicksal der jungen Täterin. Ihrer Persönlichkeit wird viel Zeit gewidmet, und sowohl Zuschauer als auch Borowski lernen, die Frau zu verstehen. Es wird deutlich, dass sie eine starke Persönlichkeitsstörung hat, die sowohl direkt als auch indirekt der Auslöser für drei Todesfälle ist. Die Darstellerin Lavinia Wilson verkörpert die Altenpflegerin authentisch, auch wenn man zunächst das Gefühl hat, dass hier übertrieben geschauspielert wird. Aber das passt, denn schließlich mimt sie eine schauspielernde Altenpflegerin und keine professionelle Darstellerin. Die Pflegerin liebt Filme und Dramen. Sie träumt sich in eine Fantasiewelt hinein. Als sie selbst ein Drama auf einer Straße spielen will, löst sie einen tödlichen Verkehrsunfall aus. Sie leistet Erste Hilfe und wird für ihren Einsatz gelobt. Die Aufmerksamkeit dadurch genießt sie, und so baut sie sich ein Lügengebilde auf, für das sie sogar über Leichen geht, bis Kommissar Borowski es zerstört.

Wie gesagt liegt der Akzent auf der Täterin. Dadurch sind die Ermittlungen auf das Wesentliche begrenzt. Borowski achtet auf Blicke der Betroffenen, und bemerkt ein wichtiges Detail: die Tasche, in der die Altenpflegerin die Katze transportierte, die eine Rolle in dem geplanten Dramastück spielen sollte. In einem siebenminütigen Wortwechsel kitzelt Borowski am Ende die Wahrheit aus Sabrina Dobisch heraus. Vor allem hierbei überzeugen Wilson und Milberg mit ihrem Schauspiel.

Sehenswert wird der „Tatort“ auch durch den geschickten Wechsel von ernsten und komischen Szenen. Hier inszeniert Regisseur Andreas Kleinert das Drehbuch von Sascha Arango so, dass der Zuschauer immer wieder durchatmen kann, da sich die Anspannung nach einer dramatischen Szene durch einen Gag löst. Zwei nette Ideen verpackt in einer kurzen Handlung dürften vor allem in Erinnerung bleiben: Borowski stellt seinen Kaffee im Pappbecher auf der Straße ab, um zu telefonieren. Ein Passant wirft einen Euro hinein. Sein Gesprächspartner, Chef Schadlitz (Thomas Kügel), muss am anderen Ende der Leitung schnell auflegen, da er einen Schuss mit einer als Beweismaterial sichergestellten Pistole abgefeuert hat. Fuß, Schuh und PC-Bildschirm sind hin – Sarah Brandt (Sibel Kekilli) zum Glück noch am Leben. Auch wenn wohl niemand in einen frischen Kaffee hineingreifen würde und die Sache mit der Waffe etwas übertrieben ist, kann man darüber schmunzeln.

Aber auch hier werden die Meinungen der Zuschauer vermutlich wieder auseinandergehen. „Spannend“ sagen die einen, „dröge“ urteilen die anderen. Kritik lässt Borowski kalt. Er steht darüber. Seine Fans danken es ihm. Glückwunsch zum Jubiläum!

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