"Aschenputtel" anders : Böser Vater, armer Prinz und viele bunte Puppen

Feuchte Aussprache: Aschenputtel redet in Seifenblasen.  Foto: Struck
Feuchte Aussprache: Aschenputtel redet in Seifenblasen. Foto: Struck

Sängerin, Pianistin, Komponistin - in dieser Kombination sucht die geniale Französin Pauline Viardot (1821-1910) in der gesamten Musikgeschichte ihresgleichen.

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31. März 2011, 11:06 Uhr

Kiel | Sängerin, Pianistin, Komponistin - in dieser Kombination sucht die geniale Französin Pauline Viardot (1821-1910) in der gesamten Musikgeschichte ihresgleichen. Trotzdem ist sie total in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie die jetzt in Hamburg und Kiel ausgegrabene Märchenoper "Cendrillon" beweist. Das ist keine einfache Dramatisierung, sondern ein sehr freier Umgang mit dem "Aschenputtel"-Stoff. Der war ihr nicht nur durch Perraults Märchensammlung, sondern mehr noch als ge feierte Sängerin von Rossinis "Cenerentola" vertraut. Pauline Viardot hat die Stief mutter einfach gestrichen und das Böse in den Vater verlagert. Der ist nun kein Edelmann mehr, sondern ein zum Baron aufgestiegener krimineller Feinkosthändler. Der Prinz tritt als Bettler auf und will um seiner selbst geliebt werden. Auf dem Ball bei Hofe spielt der zunächst Kammerherr des Prinzen, vor dem die Heiratskandidatinnen sich präsentieren. Am Happy End mit Aschenputtel als einziger, der der gläserne Schuh passt, ändert sich aber nichts.
Hat die Komponistin das Original als Opernparodie angelegt, mit einem "Carmen"-Zitat als ironischem Glanzlicht, so wird ihr Stück durch Nele Tippelmanns Kieler "Aschenputtel"-Inszenierung zusätzlich als Puppenspiel verfremdet. Dafür haben Melanie Reichert, Elisabeth Richter und Anna Schäfer Kunstfiguren entworfen, die den Muppets mit ihren großen Köpfen und Kugelaugen ähneln. Unübersehbar die Farbsymbolik mit Aschenputtel in Rosa, dem Prinzen in Blau, dem Vater in Hellgrün und der Fee in Schwarz. Diese Puppen mag man mögen oder auch nicht, aber zweifellos ver gröbern sie auch mit weit aufgerissenen Mündern beim scheinbaren Singen das Ganze. Was an französischem Esprit in der deutschen Übersetzung der Dialoge erhalten geblieben sein mag, kommt in der schwachen Artikulation der Spielerinnen Manja Kürschner, Melanie Richter und Nele Tippelmann nur bruchstückhaft über die Rampe.
Den einzelnen Szenen fehlt es an eigenwilliger, derber Komik nicht. Doch passt sie nur sehr bedingt zu Pauline Viardots Musik. Für die ist ein achtköpfiges Aufgebot von Hamburger Musikstudentinnen und - Studenten zur Stelle, die an Mozart und Rossini geschulte Arien und Ensembles mit französischen Texten wunderbar klar und rollengerecht intonieren. Begleitet von einem Quintett mit drei Streichern, Flöte und Klarinette sowie leitend am Klavier von Bettina Rohrbeck, die den musikalischen Teil zum eigentlichen Gewinn dieser Ausgrabung machen. Sehr herzlicher Beifall unter dem Sternenhimmel des Foyers!
Nächste Termine: 25. April, 20 Uhr; 2. Mai, 20 Uhr; 9. Mai, 20 Uhr. Kieler Oper, Foyer. Karten: 0431/901901
(shz)

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