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Speicherstadt Hamburg : Backsteingebäude mit Bedeutung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit dem Chilehaus sollen Weltkulturerbe werden. Eine Entscheidung fällt erst im nächsten Jahr.

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 07:10 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus sind für das Unesco-Weltkulturerbe nominiert. Das teilte die Kultusministerkonferenz gestern in Bonn mit. Sie habe die Nominierung beim Auswärtigen Amt eingereicht, das den Antrag zum 1. Februar bei der Unesco in Paris einreichen werde. Das Welterbekomitee wird über die Nominierungen im Sommer 2015 entscheiden. Neben der Speicherstadt hat der Bund auch den Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt für das Unesco-Welterbe nominiert.

Der Nominierung vorausgegangen waren dreieinhalb Jahre intensiver Vorbereitung durch das Hamburger Denkmalschutzamt. „Zahlreiche Mitarbeiter aus Hamburger Behörden sowie Mitarbeiter der Eigentümer der Gebäude – wie zum Beispiel die der HHLA aber auch die der Kontorhäuser – haben das Projekt unterstützt und dazu beigetragen, dass dieses einzigartige Ensemble nun einen weiteren wichtigen Schritt zur Anerkennung als Weltkulturerbe genommen hat“, sagte Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos). „Im Sommer 2015 werden wir wissen, ob auch die Unesco von der Bedeutung der Hamburger Speicherstadt und dem Kontorhausviertel überzeugt ist und dieses als Welterbe anerkennt.“

Die Hamburger Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende und einheitlich geprägte Speicherensemble der Welt. Es wurde von 1885 bis 1927 unter der Leitung von Franz Andreas Meyer in drei Bauabschnitten errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Speicherstadt erheblich beschädigt und in der Nachkriegszeit von Werner Kallmorgen nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. In den 1950er Jahren wurde sie zudem durch Neubauten ergänzt, „die aber architektonisch und bausubstanziell von hoher Qualität waren, was man nicht von jedem Ensemble der 50er Jahre sagen kann“, betonte Barbara Kisseler. Die Speicherstadt besteht aus 15 mehrgeschossigen Lagerhäusern und einer Reihe von Einzelbauten, die bis auf wenige Ausnahmen in Backsteinbauweise in neogotischem oder neoromantischem Stil errichtet wurden. Als zentraler Umschlagsort im Hamburger Hafen ist die Speicherstadt eingebettet in ein System aus Kanälen, Bahnverbindungen und Pflasterstraßen.

Das in enger Nachbarschaft befindliche Kontorhausviertel nördlich des Zollkanals entstand in den 1920er und 1930er Jahren und besteht aus teilweise blockfüllenden Gebäuden mit Klinkerfassaden. Dominiert wird es von dem von Fritz Höger zwischen 1922 und 1924 geschaffenen Chilehaus. Das mit seiner an einen Schiffsbug erinnernden Spitze und der charakteristischen Detaillierung der Fassade nach Angaben der Kulturbehörde als eine Ikone des Expressionismus in der Architektur gilt. Nach Überzeugung der Kultursenatorin erfüllt das Chilehaus die Unesco-Vorgabe, „ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft“ zu sein. „Höger hat mit dem Chilehaus eine sehr moderne Bürohausarchitektur geschaffen, international seinerzeit absolut ohne Vorbilder“, sagte Kisseler.

Ebenfalls herausragend sind in dem Viertel der 1923 und 1924 von den Brüdern Hans und Oskar Gerson errichtete Meßberghof sowie der von den Gersons und von Höger zwischen 1927 und 1943 gebaute Sprinkenhof. Hinzu kommt der 1928 nach den Plänen der Architekten Rudolf Klophaus, August Schoch und Erich zu Putlitz errichtete Mohlenhof. „Sie haben eine wirklich großartige konzeptionelle und auch gestalterische Qualität“, betonte Kisseler.

Die Antragsunterlagen wurden am 20. Dezember 2013 vom Hamburger Denkmalschutzamt auf den Weg gebracht. Im Laufe des Jahres werden von der Unesco beauftragte Gutachter die Hamburger Stätten aufsuchen und ein Gutachten zum außergewöhnlichen universellen Wert des Ensembles abgeben sowie überprüfen, ob die im Managementplan ausgewiesenen Maßnahmen zum Erhalt der potenziellen Welterbestätten ausreichen.

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