"Bezahlt wird nicht!" : Aufstand im Supermarkt

Kundinnen Mohr und Steurich nehmen sich, was sie wollen. Foto: Landestheater
Kundinnen Mohr und Steurich nehmen sich, was sie wollen. Foto: Landestheater

Die Waren sind zu teuer - die Kunden räumen einen Supermarkt aus ohne zu zahlen. Und dann sind da noch Christian von Boetticher und Rudi Dutschke - im Landestheater.

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06. September 2011, 08:32 Uhr

Rendsburg | "Hallo Rendsburg, seid ihr gut drauf?" Mit strahlendem Haifischlächeln begrüßt ein Anzugträger das Publikum im Landestheater. In seiner penetranten Ranschmeiße lässt er sich irgendwo zwischen Immobilienhai und Politiker auf Stimmenfang einsortieren. Exklusive Eigenheime zur Absicherung karger Renten will er an den Mann bringen und weist mit einladender Geste auf die Bühne, wo die angepriesenen Objekte sich als windschiefe Zeltstadt entpuppen. Schnell ist man mittendrin in "Bezahlt wird nicht!", einer Farce des italienischen Politclowns und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo, berühmt-berüchtigt für seine bissigen, mit tagespolitischen Kommentaren durchsetzten Stücke.
Die Handlung ist schnell erzählt: In einem Supermarkt haben die Kunden nach erneuten Preiserhöhungen den Aufstand geprobt und sich genommen, was sie brauchen - ohne zu zahlen. Antonia (mit Spaß an der Überzeichnung: Maria Steurich) ist eine von ihnen. Mit prall gefüllten Alditüten steht sie vor ihrem Zelt und weiß nicht wohin mit dem Diebesgut. Denn ihr gesetzestreuer Mann Giovanni, für den André Eckner sich die strampelnde Motorik eines Louis de Funès draufgeschafft hat, würde ihre Tat nicht gutheißen. Weil keine Zeit für einen guten Plan bleibt, wandern die Tüten unter das T-Shirt von Freundin Margherita (treudoof: Nina Mohr), die jetzt vor der Nachbarschaft eine plötzliche Schwangerschaft zu rechtfertigen hat. Die Notlüge zieht aberwitzige Kreise und der Wahnsinn nimmt seinen galoppierenden Lauf. Regisseur Andreas Kloos kann sich auf ein pointiert agierendes Ensemble verlassen und nutzt die schrille Satire über soziale Ungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit und Preiswucher, um zu Beginn der neuen Spielzeit Dampf abzulassen - vor allem über die prekäre Situation des Landestheaters.
An lustigen Einfällen mangelt es seiner Inszenierung nicht. Seitenhiebe auf Personalabbau und Spielstättenverlust werden in viel lärmendem Klamauk verpackt. Hier wird aus der Rolle gefallen, dass es nur so kracht, wie im Kasperletheater werden Pappnasen und Spaßbrillen aufgesetzt (Bühne und Kostüme: Eckhard Reschat). Dazu lässt der Regisseur ein Panoptikum aus Agitatoren, Politikern und anderen "Würdenträgern" aufmarschieren - vom Papst über Christian von Bötticher bis zu Rudi Dutschke. Das Rendsburger Premierenpublikum im mäßig besuchten Haus staunte, schüttelte den Kopf - und lachte.

Nächste Vorstellungen: 6. September, 19.30 Uhr, Theater Flensburg; 7. September, 19.30 Uhr, Theater Rendsburg; 16. September, 19.30 Uhr, Theater Flensburg.

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