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Ausstellung Urformen des Lebens : Archaische Gesichter im Schleswiger Stadtmuseum

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach einer Karriere als Werbefotograf widmet sich Christian von Alvensleben den „Urformen des Lebens“ – zu sehen im Schleswiger Stadtmuseum.

Schleswig | Es ist ein uraltes Ritual, dessen Geschichte zurückreicht in die Zeit, als die Griechen noch an Zeus, Apollon und Poseidon glaubten: Einmal im Jahr – meistens in März – bemalen die Menschen im Städtchen Archangelos im Osten der Insel Rhodos ihre Gesichter mit Kohle, Joghurt, Asche oder Lehm und ziehen mit Musik durch die Straßen. Der Oldesloer Fotokünstler Christian von Alvensleben, ein regelmäßiger Gast auf Rhodos, war von dem bislang kaum vom Tourismus überformten Ort und seinen Bewohnern schon seit langem fasziniert.

Jetzt hat er ihnen mit einer Fotoserie ein Denkmal gesetzt. Seit gestern Abend sind die ausdrucksstark bemalten Gesichter von Archangelos im Schleswiger Stadtmuseum zu sehen. „Archaik – Urformen des Lebens“ ist der Titel der Ausstellung, mit der das Museum seinen Ruf als erste Adresse für Fotokunst in Schleswig-Holstein einmal mehr untermauert. Archaisch im Sinne von ursprünglich ist dabei nicht nur die griechische Tradition, sondern auch Alvenslebens Aufnahmetechnik mit Schwarz-Weiß-Filmen in einer analogen Plattenkamera. Der Digitalkamera hat sich der 73-Jährige bisher weitgehend verweigert.

Damit er auch in den kommenden Jahren noch analog fotografieren kann, hat Alvensleben zu Hause kistenweise Kodak-Filme in einem Kühlschrank gebunkert. Auch nach dem passenden Fotopapier für seine Arbeiten muss er in ganz Europa suchen. Mit einem Vergleich beschreibt er, warum sich diese Mühe lohnt: „Es ist, als führe ich neben der Autobahn, über die Hügel, die Felder, rieche dabei den Regen. Es dauert länger, aber es macht auch mehr Spaß.“

Die Hügel und Felder neben der Autobahn, die lagen in Archangelos in einem kleinen Ladenlokal, das er eigens für den Tag angemietet hatte, an dem die Menschen bemalt durch die Stadt zogen. Seine Frau Helga hielt draußen Ausschau nach dankbaren Motiven. Christian von Alvensleben betont deshalb, dass seine Bilder Gemeinschaftsarbeiten seien. „Entscheidend ist ja nicht, wer am Ende mit dem Finger auf den Auslöser drückt“, sagt er. „Es geht um die Idee, die Planung, die Auswahl der Motive und die Rückkontrolle.“ Bei all dem vertraut er seit Jahrzehnten seiner Frau. Bis vor sieben Jahren arbeiteten sie gemeinsam für Zeitschriften und Werbeagenturen. Alvensleben machte sich unter anderem einen Namen mit seinen Bildern für Kochbücher zum Beispiel von Alfons Schubeck oder Alfred Biolek. Inzwischen arbeiten die Alvenslebens nur noch an Projekten, die sie persönlich ganz besonders interessieren. In der Schleswiger Ausstellung zeigen sie auch Aufnahmen von Steinen und Knochen, die sie auf Reisen in der ganzen Welt entdeckten, aber auch auf Feldern zu Hause in Stormarn. Vor neutralem Hintergrund und exakt ausgeleuchtet, sehen sie auf den ersten Blick aus, als entstammten sie einer wissenschaftlichen Dokumentation. Wer genau hinsieht, entdeckt Schattierungen, die den Objekten etwas Surreales verleihen. Manche Effekte erzielt Alvensleben erst in der Dunkelkammer, wenn er die Abzüge macht.

Völlig unbearbeitet hingegen sind die Bilder, die die Besucher im Erdgeschoss des Ausstellungsgebäudes empfangen. Felsformationen von der französischen Atlantikküste – aus Finistère in der Bretagne. Es sind die ersten digital fotografierten Bilder von Christian von Alvensleben, die er öffentlich zeigt. Dass er auf seine geliebte Plattenkamera verzichtete, hatte einen ganz pragmatischen Grund: „Ich hätte drei Sherpas gebraucht, um meine analoge Ausrüstung auf die Felsen zu schleppen.“ Alvensleben zeigt auch diese ursprünglich farbig aufgenommenen Bilder in Schwarz-Weiß. Das lässt mehr Raum für die Fantasie des Betrachters – und tatsächlich fügen sich die Gesteinsformationen oft zu wilden Tieren oder auch menschlichen Gesichtern, die fast aussehen wie in Archangelos auf Rhodos.

>Christian und Helga von Alvensleben: „Archaik“ und „Am Ende der Welt – Finistère“, bis zum 16. November im S-Fotoforum des Stadtmuseums Schleswig, Friedrichstraße 9-11, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Der Katalog zur Ausstellung ist in der Reihe „Photographia Borealis“der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein erschienen.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 09:55 Uhr

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