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Süddänemark : Archäologen legen spektakulären Silberschatz der Wikinger frei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bei einem Rapsfeld wurden bisher 165 Silbermünzen und eine Goldperle aus der Wikingerzeit entdeckt . Der bis heute größte Fund dieser Art in Nordschleswig.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2015 | 11:18 Uhr

Errigstedt/Errested | In der Nähe des abgeernteten Rapsfeldes am Thomashusvej bei Errigstedt (Errested) bei Hadersleben herrschte am Freitag Hochbetrieb: Am Hain des Stoppelfeldes gab Museumsinspektor Anders Hartvig ein Interview nach dem anderen. Die Sendewagen der regionalen Fernsehstationen parkten auf dem Feld und hatten ihre Sendemasten voll ausgefahren: In Errigstedt sind die Archäologen auf eine Sensation gestoßen – den bislang größten Silberschatz aus der Wikingerzeit in Nordschleswig.

Die Wikingerzeit im skandinavischen Raum wird von Forschern unterschiedlich bestimmt. Als frühester Anfangszeitpunkt wird der Kriegszug des Dänen Chlochilaicus zwischen 516 und 522 n. Chr. genannt. In der Regel wird aber erst der Überfall auf Lindisfarne 793 als Beginn der Wikingerzeit gesehen. Das Ende wird traditionell auf 1066 datiert (gleichzeitig Ende des Frühmittelalters in England). Die heute gängige Datierung lautet 800–1050 n. Chr.

„Es wird wohl geraume Zeit vergehen, bis wir erneut einen Fund dieser Größenordnung machen“, stellte Hartvig fest. Es ist der bislang bedeutsamste Silberfund aus dieser Zeit in der Region im südlichen Dänemark. Hartvigs Team arbeitete in der Nachmittagsglut am Feldhain, der den Fachleuten ein wenig Schatten spendete. Profis, aber auch Amateurarchäologen vom nordschleswigschen Verein arbeiten dort seit Mittwoch Hand in Hand.

Die Hauptperson ist Michael Kildal Frederiksen aus Hadersleben: Der Hobby-Archäologe hatte bereits Ende des vergangenen Jahres mit seinem Metalldetektor dort Silbermünzen gefunden. Als er zehn beisammen hatte, hegten er und die Experten der Haderslebener Archäologie keine Zweifel mehr: Frederiksen war einem großen Schatz auf die Spur gekommen. Bis gestern Nachmittag hatten die Fachleute 165 Münzen und eine große Goldperle freigelegt; laufend kamen neue Funde hinzu:

„Es geht wirklich rasend schnell“, lachte einer der Amateurarchäologen. Hartvig rechnet damit, dass sich mindestens noch 200 weitere Einzelfunde im Erdreich verbergen. Nicht nur Silbermünzen, auch andere Silbergegenstände aus der Zeit vom Übergang der Wikingerzeit zum Mittelalter legen die Archäologen zurzeit frei: Reste von Gegenständen, unter anderem Brautschmuck, gehören dazu. Wie sie ins Erdreich kamen, darüber kann Hartvig nur spekulieren: Es könnte sich um Kriegsbeute handeln, oder aber der Besitzer hatte verhindern wollen, dass seine Silberlinge Kriegsbeute werden: „Es kann sich aber auch schlicht und ergreifend um eine Art Sparstrumpf handeln – wir wissen es noch nicht“, betonte Hartvig. Seit Mittwoch graben er und seine Leute vor Ort; die Funde werden sie an das Nationalmuseum weiterleiten, wo sie analysiert und kategorisiert werden. Der Museumsinspektor schätzt, dass der Silberschatz nach einem bis anderthalb Jahren nach Hadersleben zurückkehren – und dann in der Domstadt ausgestellt werden wird.
 

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