Friedel Anderson : "Afrika hat mir Kraft gegeben"

"Die Stimmung kann schnell umschlagen" - der Itzehoer Künstler Friedel Anderson war in Tansania. Freunde besuchen, und das afrikanische Leben dokumentieren.

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19. März 2011, 08:41 Uhr

Itzehoe | Auf "Ölskizzen", wie der Maler (56) seine Werke bescheiden nennt. Dazu gehört große Disziplin, denn Afrika mit seinen Problemen nimmt jeden schnell ein. Gerade in diesen dramatischen Wochen und Monaten. Tunesien, Ägypten, Libyen - Freiheitskämpfe beherrschen Nordafrika.

"Als wir in Tansania waren, ging es mit Mubarak los", erzählt Anderson. Das wurde auch von der Bevölkerung in Tansania verfolgt, doch im Grunde sei es alles weit weg gewesen. "Viele sind ja auch gar nicht informiert, haben keinen Fernseher, lesen keine Zeitung", erzählt der Künstler und fügt feststellend hinzu: "Dies zeigt, dass die Bildung der Schlüssel zu allem ist."
Ein Traumziel war Afrika nie gewesen
Tansania selbst sei zwar stabil und eine Demokratie, allerdings eine mit viel Korruption. Doch auch dort gärt es. Anderson berichtet von einer gewalt samen Demonstration gegen eine betrügerische Bürgermeisterwahl. "Die Leute waren aufgebracht." Ein Traumziel war Afrika für den norddeutschen Realisten, der vor allem durch seine Landschaftsbilder auf sich aufmerksam macht, nie gewesen. Er reiste lieber durch Europa, auf den Spuren von Meistern aus alten Zeiten. Doch dann kam vor fünf Jahren diese Einladung von einem Freund und Kunstsammler, der in der Nähe von Karatu eine Kaffee-Plantage betreibt. "Du steigst aus dem Flugzeug und bist ganz wo anders. Alles so fremd."

Zum Pinsel konnte Anderson eine Woche lang nicht greifen - "Ich war so überwältigt". Doch dann ist er losmarschiert, hat sich in die umliegenden Dörfer getraut - und gemalt. Das Markttreiben, die engen Gassen, das afrikanische Leben. Bilder, die ganz anders sind als seine farblich gedämpften norddeutschen Motive. "Früher war ich mit den Farben zurückhaltender, in Afrika hat sich meine Palette aufgefrischt."
Im Juni wird die nächste große Anderson-Ausstellung eröffnet
Wie weggewischt ist auch seine Müdigkeit, die sich nach 20 Jahren intensiver Landschaftsmalerei eingeschlichen hatte. "Ich kam nach Afrika und es war, als wäre ein Schalter umgelegt. Das Licht, die Farben, die gesamte Atmos phäre. Es ist sehr anregend und hat mir wieder Kraft gegeben, einen neuen Anstoß."

80 Ölskizzen in unterschied lichen Größen sind inzwischen entstanden, einige wird er sicherlich in seinem Atelier an der Stör in größere Formate umsetzen. Außerdem Skizzenbücher und das Tagebuch voller Anregungen. Ausgereift ist das Konzept noch nicht, doch die Ergebnisse seiner afrikanischen Malreisen möchte Anderson in einem Buch dokumentieren. So wie damals, als er der Elbe von der Quelle bis zur Nordsee gefolgt war, ein einzigartiges Werk entstand.

Im Juni wird die nächste große Anderson-Ausstellung eröffnet: Das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven zeigt seine Werftbilder. Schiffsbauer als winzige Farbtupfer unter einem riesigen Schiffsrumpf - dieses Bild von einer norddeutschen Werft sticht nicht nur ins Auge. "Es macht auch deutlich, was für kleine Körnchen wir im Getriebe der Welt sind", meint Friedel Anderson. Dies vermitteln auch seine Afrika-Bilder mit den vielen Menschen, die viel Zeit aber keine Arbeit haben, in den Tag hineintreiben.
(shz)

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