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Kriminalitätsstatistik 2014 : Kriminalität in SH: Mehr Brände, weniger Einbrüche

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„Schleswig-Holstein bleibt weiterhin ein insgesamt sicheres Land“, sagt Minister Studt. shz.de mit einer Karte.

Kiel | Mehr Delikte, aber insgesamt eine höhere Aufklärungsrate: Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2014 stellte Innenminister Stefan Studt am Donnerstag vor der Presse in Kiel vor. Nach vier aufeinander folgenden Jahren mit rückläufiger Kriminalität ist die Zahl der Straftaten erstmals wieder leicht gestiegen. Die Polizei registrierte 2014 insgesamt 202.301 Delikte. Das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Jede zweite Tat konnte aufgeklärt werden. Mit 51,2 Prozent erreichte die Polizei die höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren. Die so genannte Häufigkeitszahl (sie gibt an, wie stark die Bevölkerung eines Landes mit Kriminalität belastet ist) erhöhte sich nur gering. 2014 entfielen rechnerisch 7.184 Taten auf 100.000 Einwohner, 2013 lautete die Häufigkeitszahl 7.125. „Schleswig-Holstein bleibt weiterhin ein insgesamt sicheres Land“, sagte Studt.

 

Der Grund für den Anstieg der Kriminalität im vergangenen Jahr sind 7.772 Fälle von Verstößen gegen das Aufenthalts-, das Asylverfahrens- und das Gesetz über die allgemeine Freizügigkeit von Unionsbürgern. Das sind 3.463 Delikte oder 80,4 Prozent mehr als 2013. Dieser Anstieg ist auf den verstärkten Zuzug von Flüchtlingen aus den Kriegs- und Armutsregionen der Welt zurückzuführen. „Diese Menschen sind grundsätzlich keine Straftäter, wie sie die Kriminalstatistik typischerweise kennt“, sagte Studt. Sie seien deshalb keine Gefahr für die innere Sicherheit. „Bei den Verstößen handelt es sich konkret um den unerlaubten Aufenthalt im Inland oder die unerlaubte Einreise“, erläuterte der Minister.

Diebstähle und Sachbeschädigungen

In nahezu allen Deliktsgruppen nahmen die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr ab: 1,1 Prozent weniger Rohheitsdelikte, ein leichter Rückgang um 0,3 Prozent bei den Diebstählen, und die Vermögens- und Fälschungsdelikte nahmen um 2,9 Prozent ab. Die Gewaltkriminalität sank um ein Prozent. Auch die Fälle von Sachbeschädigung verringerten sich um 1,7 Prozent.

Brandstiftung

Bei der vorsätzlichen Brandstiftung stiegen die Fallzahlen um 78 oder 13,4 Prozent. Vorwiegend Autos und Wohnhäuser wurden angezündet. Mehrere Brandserien und Großbrände konnten aufgeklärt werden. Raubdelikte nahmen um 4,9 Prozent oder 69 Taten zu. Mit insgesamt 1.489 Delikten haben Raub und räuberische Erpressung allerdings nur einen eher geringen Anteil an der Gesamtkriminalität.

Jugendkriminalität

Die Jugendkriminalität ist weiter auf dem Rückzug. Der Anteil der Tatverdächtigen unter 21 Jahren an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen (74.749 Personen) ging von 23,1 auf 22,7 Prozent zurück und stellt damit einen Tiefststand in den zurückliegenden zehn Jahren dar. „Die Umsetzung der Konzepte zur Bekämpfung der Jugendkriminalität und insbesondere der Kriminalität jugendlicher Intensivtäter steuern offenbar ihren Teil zu der erfreulichen Entwicklung bei“, sagte Studt.

Einbrüche

Das im Herbst 2012 gestartete landesweite Konzept der Polizei zur Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen zeigt nach Überzeugung des Ministers erste Erfolge. 2014 gab es erneut keinen weiteren Anstieg der Einbruchszahlen; sie gingen sogar geringfügig um 0,1 Prozent zurück. Die Aufklärungsquote ist 2014 gegenüber 2013 von 10,2 Prozent auf 12,6 Prozent gestiegen. Die Höchstzahl an Wohnungseinbrüchen in den vergangenen zehn Jahren gab es 2012 mit 7.654 Delikten. Mit 7.534 Fällen in 2013 und 7.529 Fällen in 2014 setzt sich der Abwärtstrend weiter fort.

Dennoch bleibt Studt in seiner Beurteilung der Lage und weiteren Entwicklung zurückhaltend. Auch wenn der fortgesetzte Anstieg der Einbruchszahlen gestoppt werden konnte, bestehe kein Grund zur Entwarnung. Die Fallzahlen bewegten sich nach wie vor auf einem vergleichsweise hohen Niveau. „Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls wird auch zukünftig ein Schwerpunkt in der Polizeiarbeit sein“, kündigte der Minister an.

Die damit verbundenen flächendeckenden enormen personellen Anstrengungen dürften angesichts der erheblichen Eingriffe in den persönlichsten Lebensbereich der Opfer und der damit einhergehenden Beeinträchtigung des Sicherheitsgefühls der Bevölkerung ebenso erforderlich wie gerechtfertigt sein.

Studt bezeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik als ein wichtiges und unverzichtbares Instrument, bestimmte Trends und mögliche Fehlentwicklungen zu erkennen, insbesondere wenn man den Blick auf einen längeren Zeitraum richte. Er warnte jedoch davor, die PKS in ihrer Aussagekraft für die tatsächliche Kriminalitätslage zu überhöhen. „Die Statistik bildet nur einen Teil des so genannten Hellfeldes ab“, sagte Studt.

Gerade im Bereich der Cyberkriminalität sei das vermutete Dunkelfeld besonders hoch. Darüber hinaus erlaubten auch die derzeitigen bundeseinheitlichen Erfassungsgrundsätze der PKS nur ein sehr unvollständiges Bild der polizeilich bekannten Kriminalität.

„In der Statistik werden insbesondere die Straftaten nicht erfasst, die mittels Internet oder telefonisch aus dem Ausland heraus begangen wurden“, sagte der Minister. Das liege daran, dass der Tatort nur eine politische Gemeinde in der Bundesrepublik sein könne und als Tatort im Sinne der PKS grundsätzlich der Ort der Tathandlung betrachtet werde. Gerade im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte führe dies zu einem statistischen Rückgang, der die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung nicht wiedergebe. „Dennoch ist jedem sofort klar, dass auch diese zahlreich angezeigten Taten das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung immens beeinträchtigen und einen enormen Ermittlungs- und Verwaltungsaufwand bei den Strafverfolgungsbehörden verursachen“, sagte Studt.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 15:17 Uhr

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