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„Tod eines Mädchens“ : Krimi-Kopie aus Kellenhusen vor Møns Klint im Kreis Plön

vom
Aus der Onlineredaktion

Der in Ostholstein gedrehte ZDF-Krimi „Tod eines Mädchens“ mit Heino Ferch vermischt vieles und seine Handlung erinnert stark an eine dänische Serie. Dennoch fesselt das Drama – sofern man keinen Heimatfilm erwartet.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 15:31 Uhr

Lütjenburg | Am Ostseestrand von Kellenhusen ragten am Montagabend majestätische Kreidefelsen empor: Der ZDF-Zweiteiler „Tod eines Mädchens“, größtenteils gedreht in Ostholstein, beamte das 150 Kilometer entfernte Steilküstenpanorama von der dänischen Insel Møn direkt an den Horizont der Hohwachter Bucht. Ein surreal anmutender Anblick, wähnte man sich als Schleswig-Holsteiner doch angesichts der vielen Backsteinbauten und seichten Hügel gleich in heimischen Gefilden. Gedreht wurde im letzten Jahr außerdem in Lütjenburg und Steinhorst. Der erste Teil des Krimis mit Starbesetzung um Barbara Auer, Anja Kling, Heino Ferch, Jörg Schüttauf und Hinnerk Schönemann erreichte respektable 7,18 Millionen Zuschauer.

Nicht nur Møn diente als Anleihe aus Dänemark: Die Inhaltsangabe der ZDF-Produktion entspricht exakt der Reihe „das Verbrechen“ mit der dänischen Krimi-Figur „Kommissarin Lund“. Diese spielt allerdings im Großstadtterrain von Kopenhagen und könnte – außer der nahezu identischen Entfernung bis Møn – kaum unterschiedlicher sein, als das, was dem Zuschauer hier blüht. Wer „Kommissarin Lund“ bis zum Ende gesehen hat, der kennt den Täter schon. Einschalten lohnt sich trotzdem.

Im fiktiven Ort Nordholm sieht die Welt anders aus: ländlich, weit und doch düster und beengend. Bedingt durch Umstrukturierungen sind die Tage der Kripo in dem Provinznest gezählt. Die Kollegen haben schon neue Aufgaben in den Dienststellen der anliegenden Städte zugeteilt bekommen und ihre Sachen gepackt. Oberkommissarin Hella Christensen (Barbara Auer) zieht es nach Kiel. Die Landeshauptstadt scheint sehr nah gelegen, denn die Autos tragen „fälschlicherweise“ Plöner statt Ostholsteiner Kennzeichen. Doch schon auf der Fähre wird die abgezogene Ermitterin telefonisch zurückgerufen: Die ihr und dem ganzen Dorf wohlbekannte 14-jährige Jennifer Broder wurde - angebunden an einen Pfeiler der Seebrücke - ermordet aufgefunden. So wird der Zuschauer förmlich hineingezogen in eine Tragödie, die ganz Nordholm aufwühlen wird.

Noch am Strand will Christensen die Ermittlungen übernehmen, doch dort wird sie bereits von ihrem neuen Chef aus Kiel erwartet, dem arroganten und eiskalten Misantrophen Simon Kessler (Heino Ferch). Im Gegensatz zu ihr kannte er das Opfer nicht, er kennt überhaupt niemanden aus der verschworenen Dorfgemeinschaft. Somit ist er emotional nicht belastet, was ihm aber keineswegs hilft - ohne seine Kollegin bekommt er fast nichts heraus. Selbst deren Sohn, Martin Christensen (Chris Veres), wird er verhaften. „Der platzt in dieses Wespennest hinein wie ein Stück Metall, in Anzug und Krawatte und mit Sonnenbrille. Da hatte ich unglaublich viel Lust das zu spielen, denn normalerweise darf man im deutschen Fernsehen keine Sonnenbrille tragen, weil ja alle immer die Augen sehen wollen. Also der Simon ist schon angepisst, weil er in dieses Provinznest muss“, sagt Ferch über die Rolle.

Richtig verdächtig macht sich der Hotelbesitzer Uwe Hahn (Gustav Peter Wöhler), der Fotos und Filmaufnahmen von Jennifer versteckt. Aber auch ihr Vater, Hauke Broder (Jörg Schüttauf), verhält sich merkwürdig - ob er ahnt, dass seine Frau Silke (Anja Kling) ein Verhältnis mit seinem Bruder Torben (Hinnerk Schönemann) hat? Jennifer jedenfalls hat davon gewusst und darüber in ihr Tagebuch geschrieben, das ihre kleine Schwester nun jedoch versteckt und später ins Kornfeld wirft, wo es nie gefunden wird.

Ein Mord im klassischen Sinne war es am Ende gar nicht. Vielmehr wird in dem spannenden Zweiteiler ganz allmählich deutlich, wie im Grunde alle Menschen rund um Jennifer versagt haben: Die Eltern, die Nachbarn, die Freunde - im Grunde die ganze Dorfgemeinschaft, die nichts anderes ist als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Am Fuße der majestätischen, aber unbevölkerten Kreidefelsen findet Hella Christensen schließlich das hinabgestürzte Fahrrad der Getöteten.

Alle rätseln und alle sind verdächtig – Agatha Christie lässt grüßen. Es gibt viele Missverständnisse und Verdächtigungen, alle haben mehr gesehen und gewusst, als sie später zugeben werden - und so das tragische Ende erst ermöglicht. Den beiden Autoren Stefan Holtz und Florian Iwersen sowie Regisseur Thomas Berger ist eine ebenso dichte wie fesselnde Geschichte gelungen, die ganz nah an den Figuren bleibt und wahre Abgründe menschlichen Verhaltens aufzeigt.

Während andere Filme hoffnungslos überfrachtet sind mit unnötigen Figuren und störenden Nebensträngen, wird in diesem Krimidrama die Spannung eben nicht durch Verrätselung geschaffen, sondern man kann der Entwicklung und den Ermittlungen klar folgen. Nahezu alle Personen im Film haben Angst oder auch Sehnsüchte, keiner spricht mit dem anderen. So wie im echten Leben wohl auch. Das alles wird durch die Landschaft und die herausragende Schauspielerriege noch verstärkt.

Der zweite Teil wird am 11. Februar um 20:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

Mit dpa

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