zur Navigation springen

Lärm : Krach vom Nachbarn – was Mieter wissen müssen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die kreischende Bohrmaschine nebenan, trampelnde Kinder von oben oder eine nimmermüde Party-WG im Stockwerk darunter – laute Nachbarn können einem das Leben zur Hölle machen. shz.de erklärt, wogegen Sie sich wehren können – und mit welchen Ruhestörungen Sie leben müssen.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2014 | 17:01 Uhr

Kiel | Für Jochen Kiersch vom Mieterbund Schleswig-Holstein gehört Lärm quasi zum täglichen Brot. „Ruhestörungen durch Nachbarn sind bei uns immer häufiger Thema, und dieses Thema ist sehr schwierig, weil die ursächlichen Probleme oft nicht für alle Seiten zufriedenstellend zu lösen sind“, sagt der Experte. Hier die wichtigsten Fakten rund um den Lärm vom Nachbarn.

Ruhezeiten

„Es gibt nur zwei harte Termine, 22 Uhr abends und sieben Uhr morgens, dazwischen liegt die Nachtruhe“, sagt Jochen Kiersch. Auch während der Nachtruhe ist allerdings das Duschen und Baden grundsätzlich erlaubt. „Wir wollen ja alle, dass der Bäcker gewaschen zur Arbeit geht.“ auch Telefonate und Gespräche in Zimmerlautstärke dürfen jederzeit geführt werden. Eine – wie auch immer geartete – Mittagsruhe ist im Gegensatz zur Nachtruhe keine gesetzliche Regelung. Wenn sie jedoch im Mietvertrag steht, dann ist sie im Haus gültig. „Problem ist, das verschiedene Mieter eines Hauses oftmals verschiedene Verträge mit unterschiedlichen Klauseln haben, und schon geht das Theater los“, so Kiersch. An Sonn- und Feiertagen (Achtung: der Sonnabend ist Werktag) gibt es eine gesetzlich verordnete Ruhe, welche an die Maschinenbetriebsverordnung gekoppelt ist. Wer zu dieser Zeit seinen Rasen mäht, die Kettensäge anschmeißt oder einen Laubbläser anschaltet, bekommt es unter Umständen mit der Polizei zu tun.

Heimwerken

Ist grundsätzlich erlaubt außerhalb der Nachtruhe und der Sonn- und Feiertagsruhe. „Ich kann also auch schon früh morgens um sieben Uhr oder noch um 21 Uhr abends die Bohrmaschine anschmeißen, aber es ist nicht eben sehr nett und rücksichtsvoll den Nachbarn gegenüber“, sagt Kiersch. Nur selten gäbe es in diesem Punkt Einschränkungen im Mietvertrag.

Gartenarbeit

Kein Problem, nur zwischen 22 und sieben Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen darf es im Garten keinen „atypischen Lärm“ geben. „Wer nachts mit der Gartenschere die Hecke stutzt, bekommt Ärger.

Musik hören

Jeder Mensch kann in den eigenen vier Wänden immer und jederzeit Musik hören. Ab 22 Uhr und bis sieben Uhr darf sie vom Nachbarn aber nicht zu hören sein. „Wobei hier die Grenze fließend ist“, sagt Kiersch. Immer mehr Gerichte formulierten, dass es keinen Anspruch auf absolute Ruhe geben könne. „Aber wenn bei mir vom Bass des Nachbarn die Tassen hüpfen, ist längst Schluss.“

Musik machen

Musizieren ist tagsüber erlaubt, wobei besonders laute Instrumente wie etwa ein Schlagzeug mit dem Vermieter abgestimmt werden müssen. „Hier wären pro Tag maximal zwei Stunden vertretbar, man würde ein Mittel bilden.“ Aber auch die Definition von „laut“ sei schwierig, es gebe keine festgelegten Dezibel-Grenzen. „Und eine Blockflöte spielende Elfjährige kann einen durchaus ins Grab bringen.“ Ein Berufsmusiker im Haus müsse sich ohnehin einen externen Proberaum suchen.

Kinderlärm

Es seien in den vergangenen Jahren verschiedene Gesetzesänderungen gemacht worden, die zu mehr Toleranz gegenüber lauten Kindern erziehen sollen, so Kiersch. „Kinderlärm muss heute im Wesentlichen hingenommen werden, vor allem bei Kleinkindern.“ Auch gegen den Lärm von größeren Kindern beim Spielen tagsüber sei nichts zu machen. „Spiele, die typischer Weise draußen gespielt werden, darf man jedoch nicht drinnen spielen, dazu gehört etwa Fußball oder Skateboardfahren.“ Er selbst habe als Kind allerdings schon mal mit seinem Marmelspiel auf dem Fliesenfußboden die Nachbarn in den Wahnsinn getrieben. Aber selbst wenn Kinder ständig laut durch die Wohnung rennen würden, sei da rechtlich nichts gegen zu machen.

Laute Feiern

„Es ist ein weit verbreiteter Aberglaube, dass man einmal pro Monat bis spät in die Nacht laut feiern darf“, so Kiersch. „So eine Regel gibt es nicht.“ Um 22 Uhr sei „Ruhe im Kuhstall“. Wer zum Beispiel einen Polterabend feiere, täte gut daran, die Nachbarn einzuladen oder ihnen zumindest so früh wie möglich Bescheid zu geben. „Wenn der Nachbar aber selbst für eine Heiratsfeierlichkeit kein Verständnis entwickeln kann, ist die Polizei angehalten einzugreifen.“

Was tun, wenn der Nachbar Lärm macht?

„Es lohnt sich zunächst immer ein Versuch, den Störer freundlich anzusprechen und es dabei partnerschaftlich anzugehen“, sagt Kiersch. Das sei allerdings in einigen Fällen nicht einfach. Wenn man etwa einen schwierigen Nachbarn anspreche und das Gespräch misslinge, könne dies auch einen unerwünschten gegenteiligen Effekt erzielen. Letztlich bleibe einem bei einer wiederholt auftretenden Störung nichts anderes übrig, als den Vermieter anzusprechen. Wenn der innerhalb einer – je nach Schwere des Problems – gesetzten Frist von zwei bis drei Wochen keine Veränderung des Zustands erreiche, sei eine Mietminderung der nächste Schritt, um Druck aufzubauen. „Der Grund hierfür muss aber im Streitfall bewiesen werden können. Am besten hat man einen anderen Nachbarn, der ebenfalls betroffen ist.“ Wenn alles nichts hilft, bleibt nur noch eine fristlose Kündigung. „Ist diese nachweislich berechtigt ist, muss der Vermieter sogar noch den Umzug bezahlen.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen