zur Navigation springen

Mehr Rettungswagen nötig : Kosten für Rettungsdienst in SH explodieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Einsätze im Norden steigt immer weiter an – und das obwohl die Bevölkerung vielerorts zurückgeht.

Pinneberg | Der Druck wächst. Die Zahl der Einsätze für die Rettungsdienste in Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. „Das ist sowohl auf dem Land als auch in den städtischen Bereichen im Norden so“, sagt Michael Scheffler. Er ist Controller beim größten Anbieter von Rettungsdiensten im Norden, der Rettungsdienst Kooperation Schleswig-Holstein (RKISH) in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg und Rendsburg-Eckernförde, und hat die Steigerung für dieses Gebiet ermittelt. Dort explodiert auch der Finanzbedarf: Kostete der Rettungsdienst im RKISH-Gebiet 2010 noch 36 Millionen Euro, sind es heute schon über 50 Millionen. „Und für 2025 rechnen wir mit 68 Millionen Euro“, sagt Scheffler.

Denn obwohl auf dem Land die Bevölkerung abnimmt, ist der Bedarf an Notfallsanitätern und Rettungswagen immer größer geworden. „Mitte der 90er hatten wir etwa in Dithmarschen noch fünf Rettungswagen, seit Januar diesen Jahres sind es 14, davon sind acht 24 Stunden besetzt und sechs tagsüber“, sagt Scheffler. Und das, obwohl immer weniger Menschen im Kreis leben. Doch vor allem die Älteren bleiben zurück. „Und gerade über 65-jährige brauchen besonders häufig den Rettungsdienst“, so Scheffler. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein 80-Jähriger einen Rettungswagen benötigt, ist bis zu 20 mal höher als dass uns ein 40-Jähriger ruft.“ Deswegen brauchen die Rettungsdienste mehr Autos und mehr Personal – und das gelte sowohl für die dünner besiedelten Gebiete als auch für den Hamburger Rand, in dem die Bevölkerung weiter wächst. Scheffler hat es ausgerechnet: Die RKISH kalkuliert für 2025 mit rund 173.000 Alarmierungen, im Jahr 2010 waren es noch 111.000. Statt damals 523 Mitarbeiter wären in acht Jahren 691 nötig.

Bezahlen müssen das alle Versicherten. Denn die Krankenkassen sorgen dafür, dass die Rettungsdienste ordentlich ausgestattet sind und innerhalb von zwölf Minuten bei jedem Patienten sein können.

Die Rettungsdienste müssen deshalb seit Jahren ihre Bedarfe anpassen, etwa weil es immer wieder vorkommt, dass ein Rettungswagen zeitgleich an mehreren Orten benötigt wird. Dazu kommt, dass die Rettungswagen auch für Krankentransporte, also ohne Blaulicht, im Einsatz sind, und deshalb im Zweifel für Notfall-Einsätze nicht zur Verfügung stehen. Eine Herausforderung für den Rettungsdienst sei es, dass bei vielen Notrufen keine Lebensgefahr oder Gefahr gesundheitlicher Schäden besteht, so Scheffler. „Dennoch benötigen diese Menschen Hilfe, etwa weil eine medizinische Abklärung erforderlich ist, pflegerische oder psychosoziale Probleme bestehen oder auch nur Beistand nötig ist. Wir müssen einen Weg finden, wie die Rettungsmittel für die Notfälle verfügbar bleiben, aber der Rettungsdienst weiter für alle Bürger, die sich an den Notruf wenden, Hilfe anbieten kann. Scheffler: „Denn natürlich ist es richtig, im Zweifel die 112 zu rufen.“
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen