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Tourismus : Konkurrenz oder neuer Markt? Airbnb nimmt in SH Fahrt auf

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohnen wie Einheimische - das ist vielen Urlaubern lieber als ein steriles Hotel. Touristiker bangen um Einnahmen.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2016 | 16:47 Uhr

Was in den Metropolen schon länger heiße Diskussionen hervorbringt, sorgt auch in Schleswig-Holstein für erste skeptische Stimmen aus Reihen der Touristiker. Der weltweit tätige Online-Vermieter Airbnb (vereint die englischen Abkürzungen für airbed – Luftmatratze – und breakfast – Frühstück) hält jetzt nämlich auch Einzug in den Norden – und könnte mit seinen Tiefstpreisen den Wettbewerb um Urlauber tüchtig aufmischen.

„Die Übernachtungspreise bei Airbnb liegen im Vergleich zum klassischen Hotel oft bei knapp der Hälfte“, beobachtet der Landes-Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Stefan Scholtis. Was ihn empört: „Die Hotels müssen zahlreiche Auflagen erfüllen – von Hygieneanforderungen über Gewerbeanmeldungen bis zum Zahlen von Steuern. Doch wer eine Unterkunft über Airbnb anbietet, muss das nicht. Das ist Wettbewerbsverzerrung. Der Gast bekommt in etwa das Gleiche, aber die Spielregeln sind überhaupt nicht gleich.“

Hier sind die Wachstumsraten besonders groß

Extern überprüfbare Zahlen zum Geschäftsvolumen gibt es nicht. Das Unternehmen mit Europa-Sitz in Irland selbst nennt auf Anfrage nur Beispiele: Auf Sylt hat es mehr als 300 Unterkünfte im Angebot – 121 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Für Kiel gibt Airbnb 600 Quartiere und eine vergleichbare Wachstumsrate an, für Flensburg über 200 Beherbergungsmöglichkeiten und ein Plus von 69 Prozent gegenüber 2015. Die Wachstumsrate von Gästen, die mit Airbnb reisen, liege auf Sylt im Vergleich zum letzten Jahr bei 132 Prozent, in Kiel bei 166 und in Flensburg bei 165 Prozent.

Moritz Luft, Geschäftsführer von Sylt-Marketing, befürchtet weniger Einnahmen für die öffentliche Hand, wenn sich durch Airbnb ein Teil der Übernachtungen weiter ins private Segment verlagert. „Die Anbieter zahlen anders als gewerbliche Vermieter keine Tourismusabgabe an die Gemeinde und werden bei ihren Gästen oft auch keine Kurabgabe einziehen“, sagt Luft. „An der Stelle sehen wir das Portal sehr kritisch, denn am Ende bedeutet das weniger Geld für die touristische Infrastruktur“.

Was ist Airbnb?

Groß geworden ist Airbnb damit, dass Einheimische über das Portal ein Zimmer in ihrer Wohnung oder ihrem eigenen Wohnhaus an Touristen vermieten. Urlaub zu Hause bei anderen wurde und wird als Alleinstellungsmerkmal beworben. Doch die Pressestelle von Airbnb bestätigt, was jedem ins Auge sticht, der auf der Internetseite nach Reisezielen wie Schleiregion, Lübecker Bucht oder eben Sylt sucht: „In vielen traditionsreichen Ferienregionen Schleswig-Holsteins bieten auch klassische Ferienwohnungs-Vermieter ihre Unterkünfte über Airbnb an.“

Droht das dem Buchungsgeschäft der Lokalen Tourismusorganisationen das Wasser abzugraben? Denn die nehmen oft bis zu 15 Prozent Provision vom Übernachtungspreis, wenn sie für ihn ein Quartier vermitteln. Bei Airbnb sind es nur drei bis fünf Prozent.

„Wir müssen gucken, ob das eine wirkliche Konkurrenz wird oder wir Airbnb möglicherweise sogar einbinden können“, sagt Max Triphaus, Geschäftsführer des Vermarkters Ostseefjord-Schlei-GmbH. Wie viele andere Organisationen vermittelt sein Haus nicht nur über die eigene Zentrale Quartiere, sondern auch in Zusammenarbeit mit herkömmlichen Online-Portalen wie holidayinsider oder bestfewo.de. Dafür müssen sich die Schlei-Vermarkter zwar die Provision mit denen teilen – unterm Strich sieht Triphaus jedoch eine höhere Reichweite und mehr Gäste.

Die landesweite Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash) relativiert die Bedeutung von Online-Anbietern wie Airbnb für das nördlichste Bundesland mit dem Verweis auf eine Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr: „Zumindest 2014 haben demnach nur sieben Prozent der Schleswig-Holstein-Urlauber Reiseportale als primäre Informationsquelle vor einer Buchung genutzt“, sagt Sprecher Marc Euler. Daher sei das potenzielle Geschäftsvolumen vergleichsweise gering. Die meisten Gäste gingen den direkten Weg: „73 Prozent haben sich der Website der Unterkunft selbst bedient.“ Euler betont ebenso: „Wir wissen wohl auch um einen Wert von Airbnb. Es gibt ein Segment mit einem Trend zum Authentischen, zum Urlaub unter Einheimischen. Unterschiedliche Gäste vertragen auch unterschiedliche Angebote.“

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